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Quarks & Co
Sendung vom 22. November 2011
Ozeane sind Klimaschützer
Das hätte er sich wohl nicht träumen lassen. Doch mit seiner Arbeit verändert er die Welt. Und nicht nur die Welt seiner Zeit. Denn seine bekannteste Erfindung ist ein ganz entscheidender Schritt auf dem Weg in die Welt, in der wir heute leben: Fünf Jahre intensiver Arbeit liegen hinter dem Schotten James Watt, als er im Jahr 1769 endlich das Patent für seine optimierte Dampfmaschine bekommt. Eine bahnbrechende Verbesserung. Und eine der Initialzündungen für die industrielle Revolution. Denn nun müssen die Menschen ihre Maschinen nicht mehr mit Wind, Wasser, Tieren oder eigener Muskelkraft antreiben. Nun können das Maschinen erledigen, die durch die Verbrennung von Holz, Kohle und später auch von Öl angetrieben werden.
Heute, keine 250 Jahre später, ist unser Energieverbrauch radikal gestiegen. Und er steigt weiter – mit unserem Konsum und unserer Mobilität. Wir fahren heute tagtäglich Strecken mit dem Auto, die noch vor 30 Jahren als kleine Urlaubsreisen durchgegangen wären. Wir fliegen um die halbe Welt in den Urlaub, für nur einen Termin in eine andere Stadt. Und wir brauchen immer mehr Dinge in immer kürzerer Zeit. Und die Energie dafür gewinnen wir immer noch vor allem aus Kohle und Öl. Wir verbrennen Jahrmillionen alte Rohstoffe in atemberaubender Geschwindigkeit. Und wir produzieren dabei Unmengen Kohlendioxid. Tagtäglich 90 Millionen Tonnen.
Zu Lebzeiten von James Watt lag die Konzentration des CO2 in der
Atmosphäre bei 280
ppm. Vorher ist sie sehr lange Zeit auf
nahezu stabilem Niveau – für zwei Millionen Jahre. Mit
unseren immensen CO2-Emissionen sorgen wir nun vor allem in den
letzten Jahrzehnten dafür, dass inzwischen fast 400
ppm Kohlendioxid in der Atmosphäre zu
finden sind. Mit schwer abschätzbaren Folgen. Denn der dadurch
ausgelöste Klimawandel beginnt gerade erst. Wie stark seine
Auswirkungen sein werden, lässt sich heute nur erahnen.
Verantwortlich ist der eigentlich nützliche Treibhauseffekt: ein Teil der Sonnenstrahlung wird von der Erdoberfläche reflektiert. Doch diese verlässt die Erdatmosphäre nicht komplett. Einiges wird von den Treibhausgasen in der Atmosphäre absorbiert. Diese heizt sich dadurch auf. Dank des natürlichen Treibhauseffektes sind die Temperaturen auf der Erde überaus angenehm. Ohne diesen wäre es im Durchschnitt ungemütliche minus 18°C kalt. Zum Problem wird der Treibhauseffekt erst jetzt durch unseren Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid. Mehr CO2 in der Atmosphäre absorbiert mehr reflektierte Sonnenstrahlung. Dies führt zu einem Anstieg der Temperaturen überall auf der Welt.
Durch diesen vom Menschen verursachten Treibhauseffekt werden auch die Meere immer wärmer. Doch nicht nur das. Denn die Ozeane verschlucken und speichern große Mengen des Gases. Gut ein Drittel des von uns in die Luft geblasenen Kohlendioxids verschwindet für kürzer oder länger in einem der Meere unseres Planeten. Ohne diesen Effekt wäre der CO2-Gehalt der Atmosphäre heute schon deutlich höher. Die Ozeane haben uns also bisher vor einem noch stärkeren Treibhauseffekt und damit stärkerem Klimawandel bewahrt.
Glück gehabt - könnte man meinen. Doch wie so oft gibt es auch hier einen Haken: Das Kohlendioxid reagiert mit dem Wasser. Es macht die Meere saurer. Theoretisch ist lange klar, dass dies passieren kann. Doch alle Experten waren sich sicher, dass die Ozeane fast unbegrenzt CO2 aufnehmen könnten. Aber seit Ende der 1990er Jahre ist es deutlich messbar: die Ozeane werden saurer. Und weil wir immer mehr Kohlendioxid in die Luft blasen, steht diese Entwicklung erst am Anfang. Die Prognosen sind eindeutig.
„ppm“ ist die Abkürzung für eine relative Maßangabe und steht für „Parts Per Million“, also für „Teile von einer Millionen“. Ähnlich funktionieren die Angaben „Prozent“ (Teile von Hundert) und „Promille“ (Teile von Tausend).
Silvio Wenzel
Stand: 22.11.2011
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