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Quarks & Co
Sendung vom 29. November 2011
Wie gefährlich sind Plastik-Schadstoffe?
Plastik ist überall um uns herum. Doch so praktisch es ist – es hat auch Nachteile: Schadstoffe können aus dem Plastik in unseren Körper gelangen. Wir nehmen sie durch Einatmen, über die Haut oder den Mund auf. Was solche Schadstoffe beim Menschen genau bewirken, ist oft umstritten. Aber viele dieser Stoffe stehen im Verdacht, krebserregend zu sein oder den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Solche bedenklichen Substanzen werden bei Laboruntersuchungen immer wieder in Kunststoffprodukten gefunden – doch für den Verbraucher ist es schwer zu erkennen, wo die Stoffe versteckt sind.
Weichmacher stecken in zahlreichen weichen und elastischen Plastik-Produkten. Sie werden besonders dem Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid) zugesetzt. Das Problem: Sie können aus dem Plastik herauswandern. In Innenräumen sammeln sie sich im Hausstaub. Eine Studie des Umweltverbandes BUND hat jetzt die Belastung mit Weichmachern in Kindergärten mit der in Wohnungen verglichen. Ergebnis: Die getesteten Kindergärten waren im Mittel dreimal so stark mit verschiedenen Weichmachern belastet wie ein durchschnittlicher deutscher Haushalt. Das ist bedenklich, denn Weichmacher stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Besonders für Kinder und Föten im Mutterleib ist das gefährlich: Unfruchtbarkeit, Leberschäden oder Verhaltensstörungen könnten ausgelöst oder gefördert werden. Bei vielen Weichmachern weiß man noch sehr wenig über die Wirkung, denn es kommen laufend neue Stoffe auf den Markt, zu denen es noch kaum Studien gibt. Forscher befürchten aber, dass sich die Wirkungen der verschiedenen Weichmacher im Körper aufsummieren könnten und so besonders das Zusammenwirken der Stoffe gefährlich ist.
Doch warum ist gerade in Kindergärten die Belastung mit Weichmachern so stark? Das wird derzeit vom Umweltbundesamt genauer untersucht. Es gibt den Verdacht, dass sich um unsere Kinder einfach besonders viele Einrichtungsgegenständen aus Kunststoffen ansammeln: PVC-Fußböden, Vinyltapeten, Turnmatten, Tischdecken aus Plastik und Möbelpolsterungen aus Kunstleder können Weichmacher enthalten. Auch Regenbekleidung aus PVC oder Gummistiefel können eine Quelle sein.
Für Spielzeuge wurden einige besonders gefährliche Weichmacher aus der Gruppe der Phthalate bereits verboten, andere Weichmacher können dagegen noch enthalten sein. Ähnlich sieht es bei Nahrungsmittelverpackungen aus. Auch hier sind einige Phthalate bereits verboten, trotzdem werden noch Weichmacher gefunden: Sie sind zum Beispiel in Dichtungen von Schraubverschlüssen enthalten.Auch Frischhaltefolien aus PVC können Weichmacher enthalten, während Folien aus dem Kunststoff PE (Polyethylen) ohne Weichmacher auskommen. Die Nahrung kann aber auch schon bei der Produktion mit Kunststoffen in Verbindung kommen. So ist es hier besonders schwierig, Weichmacher zu vermeiden.
Um die Weichmacherbelastung möglichst zu senken, empfehlen Umweltverbände Gegenstände aus PVC möglichst zu meiden. Gummistiefel und Regenbekleidung sollten nicht auf der bloßen Haut getragen werden. Ein weitere Tipp: regelmäßiges Saugen, Wischen und Lüften hilft dagegen, dass sich Weichmacher in Innenräumen ansammeln.
In DVDs, Lebensmittelverpackungen und Plastikschüsseln, in der Beschichtung von Konservendosen und in den harten Plastikteilen von Schnullern ist ein weiterer problematischer Stoff enthalten: Bisphenol A. Dieser Stoff kann im Tierversuch die Entwicklung von Geschlechtsorganen und Gehirn beeinflussen und könnte auch für den Menschen schädlich sein, besonders für Kinder. In Babyflaschen ist der Stoff deswegen in der EU inzwischen verboten. Frankreich will Bisphenol A ab 2014 in allen Lebensmittelverpackungen verbieten, in Deutschland ist ein solches Verbot bisher nicht geplant. Denn wie gefährlich Bisphenol A für Menschen genau ist, ist bisher ein großer Streitpunkt unter Experten. Wer den Stoff vermeiden möchte, sollte bei Schnullern auf den Aufdruck "BPA free" achten. Alte und beschädigte Schüsseln oder Flaschen aus dem Kunststoff "Polycarbonat" sollte man austauschen. Polycarbonat enthält Bisphenol A und wenn es alt und brüchig wird, kann es besonders viel Bisphenol A freisetzen. Auch beim Erhitzen wird vermehrt Bisphenol A frei. Erkennbar sind Gegenstände aus Polycarbonat am Recyclingcode "07" oder einem "PC" auf dem Produkt. Außerdem sind Gefäße aus Polycarbonat hart und oft durchsichtig.
Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, abgekürzt "PAK" sind problematische Stoffe, die in Kunststoffen stecken können. PAKs können Lungen- oder Hautkrebs fördern und das Erbgut verändern. Die Stoffe entstehen bei jeder Verbrennung auf natürliche Weise und finden sich so zum Beispiel in Tabakrauch oder in gegrilltem Fleisch. Aber auch viele Kunststoffprodukte sind mit PAK belastet, weil sie in Ölen vorkommen, mit denen Kunststoffe weich und biegsam gemacht werden. Sie stecken in Handgriffen von Werkzeugen, Ummantelungen oder Kabeln. Auch Spielzeuge wie Wasserbälle oder Schuhe wie Gummistiefel und Badelatschen sind oft belastet.
Wer PAKs aus dem Weg gehen möchte, der sollte bei Spielzeugen Billigprodukte meiden, denn besonders in sehr billigen Spielsachen wurden die Stoffe in der Vergangenheit gefunden – zum Beispiel in den Reifen von Spielzeugautos. Außerdem kann man auf das "GS"- Zeichen ("Geprüfte Sicherheit") achten. Produkte, die dieses Zeichen tragen, sind auf PAKs getestet und dürfen bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Auch die eigene Nase kann einen guten Hinweis geben: Belastete Produkte stinken oft auffällig nach Gummi oder Öl.
Alexandra Hostert
Stand: 29.11.2011
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