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Rockpalast
Olli Schulz und der Hund Marie
Besetzung:
Olli Schulz: vocals, acoustic guitar
Max Martin Schröder: guitar, backing vocals,
melodica
Dennis Becker: bass
André Frahm: drums
Stand: 24. März 2007
"Warten auf den Bumerang" ist Olli Schulz' drittes
Album und kommt gerade richtig. Während alle nur noch nett
rumkumpeln, aus lauter Angst vor der Welt Schutz suchen im trauten
Heim, in ihrer Verlorenheit Identität und Halt in Heimat und
Nation vermuten und spießiger sind als ihre Eltern,
während also die so genannte junge Generation windelweich
geworden gar nichts mehr will als sich selbst in Sicherheit zu
bringen, singt Olli Schulz Zeilen wie diese: "Viel zu lang
waren die Falschen dran und haben die Wirklichkeit benutzt / Der
Feigling sagt er kann nichts dafür, er ist hier auch nur
reingerutscht / Geh zu denen, die da draußen stehen gegen den
Lärm der sie umgibt / Glaub daran, dass man ändern kann
und mach dass irgendwas passiert". Die zweite
Überraschung ist die Musik auf diesem Album.
Für die meisten Leute ist Olli Schulz der Typ mit der
Gitarre, der launig-lustige Texte singt und immer so viele witzige
Geschichten zu erzählen hat, dass seine Konzerte
regelmäßig zu einer Art Stand-Up-Comedy-Show ausarten.
Ein Mann, eine Gitarre, ein Herz voll kruden Humors und ein
Mitteilungsbedürfnis von hier bis zum Mond. Und neben ihm sein
kongenialer schweigender kreativer Partner Max Schröder aka
Der Hund Marie. Doch schon auf dem zweiten Album "Das beige
Album" war alles ein bisschen ernster geworden, und auch die
Lieder waren größer und offener. Bei den Aufnahmen zu
"Warten auf den Bumerang" kam nun die Live-Band um Dennis
Becker und André Frahm mehr und mehr zum Einsatz, was dazu
führte, dass Olli Schulz und der Hund Marie eingespielter und
reifer klingen als je zuvor. Die Wandlung ist vollzogen. Olli
Schulz und der Hund Marie sind eine richtig tolle Band, und der
Sänger ist kein Spaßvogel mit ernsten Absichten, sondern
ein kluger Beobachter mit großem Herzen, Wut im Bauch und
einem feinen Sinn für absurde Brüche in den Momenten des
Alltags.
Die elf neuen Lieder handeln von Menschen, die sich verloren
haben, von anderen, die sich mutig wieder finden, vom Leben, das
man sich gestalten muss, von Söhnen, die ihre Väter nicht
kennen, vom Aufbrechen und Kämpfen, von der Hölle hinter
all diesen Fenstern, von Selbstbetrug und Freiheit und Liebe und
davon, dass man die guten Sachen nicht geschenkt bekommt und die
schlechten überwinden muss. Die Worte, die Herr Schulz hier
singt, sind wie Salz in unsere Wunden. Sie spenden keinen Trost,
sondern wühlen auf, machen nervös und sägen an der
Hütte des Selbstbetrugs, in der wir es uns so schön
gemütlich gemacht haben. Und dann die Musik!
Alles fahrige und skizzenhafte ist verschwunden und Liedern
gewichen, die in der Bauweise den Texten ähneln: Alles ist
reduziert und so präzise formuliert, dass es einen sofort und
nachhaltig packt. Der angejazzte Basslauf in "Was macht man
bloß mit diesem Jungen?", die funky Gitarre und dann der
sonnige Männerchor - hier ist der Humor! Es geht auch mal so
Arme-hoch-mäßig hymnisch geradeaus wie in "In jede
Richtung" und "Wenn die Music nicht so laut
wär'", und dann ist's wieder fast
kammermusikalisch sanft und leise wie bei "Unsichtbarer
Vogel" und "Armer Vater", dem schönsten Lied
über Väter seit langem. Man ist davon ganz mitgenommen
und sitzt so rum mit einem Ziehen in der Magengegend, und dann
singt der Schulz im nächsten Lied hell und laut: "Kleine
Meise großes Herz, vor dir steht ein Pinguin." Das sind
die Lacher auf diesem Album, und sie sind erlösend.
"Warten auf den Bumerang" ist der große Wurf, auf
den wir gewartet haben. Hier geht einer nach vorn. Olli Schulz und
der Hund Marie solltest Du auf dem Zettel haben, sonst sagt
hinterher wieder einer: "Und Du, wo warst Du?".
Und wenn mal wieder jemand jammert und winselt in seiner ganzen
wurstigen Wehleidigkeit - spiel' ihm diese Lieder vor.
Könnte helfen.
Stand: 27.04.2009
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