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Rockpalast
Tagebuch, Teil 1
16:13 Uhr: Ich komme an der "Harmonie" an. Den Weg dorthin habe ich mir von Köln aus wesentlich komplizierter vorgestellt. Ebenso entspricht die Harmonie selbst so gar nicht meinen Vorstellungen: es ist nicht der riesige Veranstaltungsort, den ich mir ausgemalt hatte, nein, die Harmonie ist einfach nur beschaulich und nett. Ich fühle mich bescheiden, die Erkältung hat mich seit heute fest im Griff. Deshalb auch die freundliche Begrüßung von Stefan Morawietz: "Hallo! Steck mich ja nicht an!" Im Hintergrund läuft schon der Soundcheck von Guru Guru. In den nächsten drei Tagen darf ich mir nicht nur die Konzerte, sondern auch exklusiv die Interviews, die Stefan mit den Bands vor den Auftritten machen wird, ansehen.
Los geht's mit Guru Guru. Ab in den Backstage-Bereich, wo schon ein reich gedeckter Tisch und allerlei Getränke auf die Bandmitglieder warten. Leicht abwesend - siehe Erkältung - verfolge ich die Szenerie. Der Kopf der Band, Mani Neumeier, taucht als Letzter der Truppe auf und schon jagt ein Termin den nächsten: 1. eine kleine Widmung für die Rockpalast Homepage kreieren, 2. Fototermin für die Homepage, 3. ein kleines Statement abgeben, das dann in den Konzertmitschnitt eingebaut werden soll, 4. eine Unplugged-Session auf dem Backstage-Klo (?!) aufnehmen und last but not least noch ein 30 Minuten-Interview. Aber dieses Programm haben alle Krautrock-Bands durchzustehen, bevor es endlich auf die Bühne gehen kann! Es stellt sich heraus, dass Mani - der alte Japan-Fan - und ich dasselbe Buch lesen: "Wilde Schafsjadt"! Gutes Buch. An diesem Nachmittag mache ich die Bekanntschaft mit einer seltenen Amphibie, dem ELEKTORLURCH (32 Jahre alt), einer ziemlich zerfledderten grünen Maske mit blinkenden Lämpchen dran. Was es damit auf sich hat, werde ich später sicher noch herausfinden. - Abgedreht.
Karthagos Zeit ist nun gekommen. Wieder warten die bereits genannten Aufgaben: Widmung, Fototermin, Unplugged-Session, Statement und das Interview extralarge. Joey Albrecht, der Bandleader, strahlt irgendwie eine gewisse Aura aus. Er ist eben ein Rockstar der alten Schule - und das merkt man. Der Junior der Band, Chris Rodriguez, lässt sich mir gegenüber zu der Aussage hinreißen, dass es für ihn schon manchmal seltsam wäre, Texte zu singen wie "We all want to live in peace. We don't need no brain-police!", aber das gehöre nunmal dazu. Jaja, das Showgeschäft! Da wird man schon mal unfreiwillig zum Hippie... Diese Zeile war dann auch Teil des Unplugged-Songs, der im Bad aufgenommen wurde.
Zehn Minuten nach dem Karthago-Interview stehe ich unten vor der Bühne, ein frisch gezapftes Bier in der Hand. Passend zum Krautrockpalast ertönt gewissermaßen als Startsignal das "Sauerkrautlied" von Gus Backus. Der Ansage von Stefan Morawietz folgt: Karthago. Soo voll ist der Saal nicht und das Publikum ist im Schnitt doch fast 20 Jahre älter als ich. Wenn ich mich so umschaue, sehe ich größtenteils männliche Personen. Doch auf geht's! Es folgt ein eigenwilliger Mix aus Rhythm & Blues, Funk, Latin, Hard- und Südstaatenrock. Vor allem das Funkige in Kombination mit dem Hammondorgelklang gefällt mir echt gut. Außerdem merkt man schnell, dass Bassist Chris Rodriguez sein Handwerk versteht, aber er studiert schließlich auch sein Instrument. Alte Knaller und neue Songs folgen dicht aneinandergereiht. Die Stimmung steigert sich von Hit zu Hit. Auch das altbekannte "We'll want to live in peace.." erklingt und bleibt mir sogar noch über Guru Guru hinaus im Kopf.
In der Umbaupause hat man im Vorraum die Möglichkeit
Platten und CDs mit Musik aus den 70ern zu erwerben. Um 21.50 Uhr
kommen dann Guru Guru auf die Bühne. Mir scheint, als ob die
Masse nur auf Mani gewartet hätte. Es folgt eine starke Show,
echt sehenswert. Guru Guru spielen Free Rock vom Feinsten! Vor
allem Roland Schaeffer bringt mit seinem Nadaswaram einen gewissen
Ethno-Drive in ihre Musik. Als letztes dann der ELEKTROLURCH!
Juchhu! Die Stimmung kocht. Eine Zugabe gibt es noch, doch wegen
der Nachbarn wird das Konzert pünktlich um 23 Uhr
beendet.
Ich mache mich auf. Schließlich muss ich ja zurück nach
Kölle...
Anke Rauch
Stand: 25.05.2009
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