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Tagebuch, Teil 2

Mittwoch, 22.12.2004: Epitaph & Jane

Um 16:17 Uhr stehe ich vor der "Harmonie" in Bonn. - Bereit. - Der Soundcheck fängt heute erst um halb fünf an, was bedeutet, dass die Zeit für die Interviews und sonstige Verpflichtungen für die Bands vor dem Auftritt heute wohl enger werden wird. Eine weiße Orgel steht auf der Bühne und ich folgere richtig: Das kann nur Jane sein! Peter Panka erscheint mit Sonnenbrille im Haar, gestreifter Hose, hellen Stiefeletten und rotem, langen Schal. Sehr ominös. Nach dem Soundcheck gehe ich in den Backstage-Raum. Jane sitzen dort bereits sehr angestrengt zusammen. Weil die Zeit bis 23 Uhr für ihre ausgedehnten Stücke etwas kurz ist, wird nun schnell überlegt, in welchem Song man zum Beispiel das Gitarrensolo kürzen könnte oder welche Passagen man weglassen könnte, um mit dem Programm durchzukommen. Und so muss sich die Kunst mal wieder den Gegebenheiten der Örtlichkeit beugen. Schade eigentlich.

Ich finde mich hier inmitten von langhaarigen Typen mittleren Alters wieder... Der Bassist wird ein wenig geärgert wegen Silikon-Gaby, einer Bekanntschaft von letztem Wochenende. Um halb sechs wird immer noch an der Setliste gearbeitet. Klaus Walz, der Gitarrist, erklärt sich spontan bereit, bei einem Stück von Epitaph mitzuspielen. Schließlich war er ja vor fast 20 Jahren auch mal Mitglied dieser Formation gewesen. Ja, das habe ich bis jetzt schon gelernt: die Jungens unserer Krautrockbands sind allesamt alte Bekannte und haben schon überall zusammen gespielt. Mitten im Interview wird bekannt gegeben, dass das erste Konzert eine viertel Stunde vorverlegt wird, damit mehr Zeit für den Umbau zur zweiten Band bleibt. Die Harmonie ist heute ausverkauft.

Nachdem nun das Programm hier Backstage für Jane abgehakt ist, warte ich geschlagene zwanzig Minuten auf Epitaph. Und da sind sie dann auch: mal wieder langhaarige Typen, die diesmal eine eigenwillige Mischung aus Englisch und Deutsch sprechen. Gitarrist Heinz Glass und Bassist Bernd (Bernie) Kolbe feilen sich schnell die Nägel und schon geht es zur Unplugged-Session ins Bad. Heute fällt mir extrem auf, wie oft die Bandmitglieder von Jane und Epitaph von der "guten alten Zeit" sprechen. Doch heute Abend werden sie zeigen, dass sie nichts verlernt haben. Im Gegenteil!

Ich bin gespannt. Um zwanzig vor Acht sind die offiziellen Termine erledigt. Ich begebe mich wieder in den Konzertsaal und warte auf das Sauerkraut-Lied. Nachdem ich gestern beschlossen habe, dass das frische Bier für meine Krautrockzeit ein festes Ritual werden soll, bestelle ich mir ein eben solches. Und da ist es: "Ich esse gerne Sauerkraut und tanze gerne Polka...", Ansage und Epitaph betreten die Bühne. Die Stimmung kocht schon zu Beginn des Auftritts. Die Band sieht schon rein optisch so aus, als ob die Siebziger stehen geblieben wären. Und dann auch noch Chorgesang und Wah-Wah-Effekte auf der E-Gitarre! Neben mir ruft ein Zuschauer: "Fantastic, ihr alten Säcke!" Cool. Zuletzt noch der Song mit dem Jane-Gitarristen und die Menge fordert unerbittlich eine Zugabe. Doch wegen der knappen Zeit ist natürlich keine Zugabe möglich und Bernd Kolbe lässt die Menge ersatzweise "Give peace a chance" singen. Wieder frage ich mich, ob die Zeit stehen geblieben ist...

Nach einer kurzen Pause, in der ich in meiner Begeisterung Thomas Bachmann hoffentlich nicht allzu sehr zugelabert habe und außerdem einen Pfefferminztee getrunken habe, geht es weiter mit Jane. Die weiße Orgel steht bereit. Das Konzert beginnt: Keyboardklänge, E-Gitarre. Die Musik klingt auf jeden Fall deutlich anders als die von Epitaph, einfach eingängiger. Hört und seht es selbst im Krautrockpalast, es lohnt sich! Draußen im Vorraum treffe ich Eckhard, den Roadie von Birth Control. Er hat sich ein wenig im Tag vertan. Außerdem zwinkert mir noch der Gitarist von Epitaph zu! Nett, aber mindestens 25 Jahre zu alt für mich.

Voller Eindrücke und begeistert von diesem tollen Abend geht es für mich wieder heimwärts in Richtung Norden.

Autor:

Anke Rauch

Stand: 25.05.2009


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