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Orange Blossom Special 2006
Bereits zum zehnten Mal fand in Beverungen das "Orange Blossom Special" Open-Air-Festival statt.
Für die handgemachte Musik, die familiäre Stimmung und das Festival-Camping-Feeling kommen Fans mit ihren Familien aus ganz Deutschland an die Weser. Meist dem oft scheußlichen Wetter zum Trotz. Der Dauerregen zum Festival ist schon legendär. So waren am letzten Mai-Wochenende Gummistiefel in der kleinen Stadt in Ostwestfalen ausverkauft.
1997 als kleines Grillfest mit Livemusik im Garten (der Villa, die den Rest des Jahres das renommierte Independent-Tonträgerlabel Glitterhouse Records beherbergt) konzipiert, ist das Orange Blossom Special inzwischen zu einem mehrtägigen Festival mit großen und kleinen internationalen Bands gewachsen. Zum zehnjährigen Jubiläum waren es sogar 25 Kapellen, darunter "Broken Social Scene", "The Walkabouts", "The Great Crusades", "Washington" oder "Seachange". Die kommen aus den USA und Kanada, viele aus Skandinavien und natürlich Deutschland. Wie eh und je findet alles im Garten hinterm Haus statt, dort stehen die Bühne und die Snack-Buden, CD-Verkaufsstände und eine Sandkiste für die Kleinen.
Alle verbindet das Interesse für die speziellen Musikrichtungen, die Glitterhouse vertritt: Alternative Country, Roots-Rock, Indie-Rock und Artverwandtes. Besonders junge Talente aus Skandinavien und den USA machen Musik, die Geschichten erzählen und ein Gefühl von Wahrheit vermitteln kann. Zu den ganz alten Glitterhouse-Hasen gehören seit 18 Jahren die Walkabouts, die ursprünglich - wie Kurt Cobain - aus Seattle stammen. Sie trafen sich in diesem Jahr exklusiv für das Jubiläums-Konzert wieder in Ostwestfalen. Da sie inzwischen über die Welt verteilt leben, probten sie kurzerhand in der Woche vor ihrem Auftritt im Glitterhouse-Lager. Ihren Auftritt meisterten sie mit Bravour. Zum Inventar gehört auch Robert Fisher, der Prediger der Willard Grand Conspiracy, dessen düstere Geschichten schon oft durch den Garten schallten. Auch in diesem Jahr erzeugte er trotz endlosem Regen Begeisterung.
Die Witterung blieb die ganze Zeit stimmungsunterstützend nass. Das brachte den enthemmten Sänger der britischen Gruppe "Goldrush" zu allerlei ambivalenten Witzen über hartgesottene Deutsche und einem skandierten Wetterverbesserungsversuch. Doch weder die einen noch das andere ließen sich aber in die Suppe spucken: Gute Laune und der Regen blieben.
Einen besonderen Kultstatus haben die zwei Label-Chefs Reinhard Holstein und Rembert Stiewe. Als Moderatoren liefern sie sich seit Jahren einen Witze-und Sprüche-Wettstreit. In diesem Jahr durfte es noch ein bisschen mehr sein, verkleidet als Fußbälle tanzten sie auf der Bühne zur Glitter-Hauskapelle K1. Tapfer versammelten sich vier Tage lang entspannte Menschen in Regencapes auf der schlammigen Weide und hatten nichts zu klagen. Wie kann es sein, dass gestandene Bürger mit ihren mitgebrachten Sprösslingen frieren, in klammen Zelten nächtigen, im Matsch versinken und trotzdem glücklich vor der Bühne springen? Im letzten Jahr stand "Music is the answer" an der Rückwand der Bühne. "It's your universe" heißt es jetzt im zehnten Glitter-Jahr. Wie wahr. Und Chris Eckman, Mastermind der Walkabouts, bringt es zum Abschluss auf den Punkt: "You can't compare this to any other festival in the world. This is special for everybody. It's a pleasure to be here."
- Rembert Stiewe -
Stand: 14.07.2009
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