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Sendung vom 29. November 2004
Crossroads - Harmonie Bonn Highlights Teil 2
Seit 1996 arbeiten FINK an ihrem eigenen Entwurf relevanter, dabei aber lässiger deutschsprachiger Musik. Mit volksliedhafter Wucht und lakonischen Texten, mit Abstand zu sich selbst. Beeindruckende Beobachtungsgabe und das Talent, Geschichten auf assoziative Art zu erzählen, zeichnen sie aus. Die erste Person Singular ist meistens weit entfernt. Und doch weben die Hamburger innige Balladen und sehnsüchtige Liebeslieder in ihren bunten musikalischen Teppich. Mehr Vielfalt als auf ihrem fünften Album „Haiku Ambulanz“ war nie. Mittlerweile auf eine zweiköpfige Kernbesetzung (Nils Koppruch und Andreas Voss) mit wechselnden Gästen geschrumpft, verstehen es Fink, durch spielerische Energie und Freude am unbedarften Experiment, ihren karg-knarzigen Kosmos zu erweitern. Reggae-Bassläufe kreuzen sich mit asthmatischen Mundharmonikas, Mariachi-Trompeten vereinen sich mit holpernden Drumloops. Django-Reinhard-Gitarren gehen Hand in Hand mit klappernden Folk-Banjos, und Jazzgrooves wechseln sich mit luftigen Beatnummern ab. All das nach wie vor auf der instrumentalen Basis der Folkmusic, auf Banjos, Pedalsteel- und Bottleneck-Gitarren. Das stolpert stolz nach vorne, durch alle Häfen und Kaschemmen dieser Erde, das strotzt vor doppeldeutiger Textpoesie. Die vielleicht originellste Band Deutschlands.
Besetzung
Nils Koppruch - vocals, guitar, harp
Andreas Voss - bass
Red - guitar, banjo, organ, backing vocals
Oliver Stangl - pedal steel, lapsteel, guitar,
backing vocals
Christoph Kähler - drums, percussion
Im zarten Alter von 22 Jahren kann die Norwegerin Maria Solheim bereits auf eine imposante Karriere zurückblicken: entdeckt mit 16, veröffentlicht sie dieser Tage bereits ihr drittes Album. Mit „Frail“ hat sie sich endgültig als moderne, innovative Songwriterin etabliert, die stets nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht und mit faszinierender Stimme kleine Liedjuwelen jenseits üblicher Genres kreiert. Zu einer wahren Pop-Prinzessin indes wird sie durch ihr höchst einnehmendes, charmantes Wesen – sie umgibt eine natürliche doch geheimnisvolle Aura, der sich zu entziehen schwer fällt. Unbedingt jetzt, da sie noch im Club um die Ecke auftritt, ansehen!
Besetzung
Maria Solheim - vocals, guitar
David Wallumrød - keyboards
Tor Egil Kreken - bass, banjo
Nick Saloman gilt als einer der produktivsten Köpfe britischen Psychedelic-Rocks. Unter dem Namen Bevis Frond nahm er bisher zwar 17 Alben im Alleingang auf – live indes ist BEVIS FROND eine weltweit Beachtung findende personell fest besetzte Band mit u.a. dem Ex-Hawkwind Bassisten Adrian Shaw. Zwischen dreiminütigen Pop-Songs und heavy ausufernden Jams darf man sich bei dem Londoner Quartett auf alle Spielarten melodischer Psychedelia freuen. Darüber hinaus ist Saloman ein bemerkenswerter Entertainer, der das loyale Gefolge gerne an den abstrusesten Geschichten und humorigsten Anekdoten aus über 30 Jahren aktiven Rockmusiker-Daseins teilhaben lässt. Rocken immer noch wie Hölle, die Herren.
Besetzung
Nick Saloman - vocals, guitar
Adrian Shaw - bass, backing vocals
Paul Simmons - guitar
Julian Fenton - drums
Das Quintett aus Norwegen schafft es, die perfekte Balance aus Tradition und Innovation, Talent und Energie auf die Bühne zu bringen. Viel Sixties-Euphorie, von Farfisa-Orgel und schneidender Gitarre vorangetriebene Garage-Rock-Emphase, eine überragende Performance, verschwitzte Eleganz und feinste Songs: Als würden sich die Doors mit Soundtrack Of Our Lives paaren – oder als wären die Animals eine heilige Allianz mit Madrugada eingegangen. Cool aber ungestüm, tief aber laut, sowohl zynisch, als auch romantisch. Monolithische Lieder über verlorene Liebe und ihre Folgen. Trauer, Reflexion und Selbstzerstörung werden nicht, wie bei diesen Themen üblich, in introspektive Watte gepackt, sondern eher hedonistisch behandelt, laut heraus geschrieen. Es ist ihnen Ernst damit. Es geht die Mär von Schlägereien während ihrer Auftritte – nicht vor, sondern auf der Bühne. Dunkel und brachial, rotzig und selbstbewusst – Norwegens spektakulärste und vielleicht beste Rock’n’Roll Band.
Besetzung
Trond Andreassen - vocals, harmonica, tambourine
Alexander Kloster-Jensen - guitar, steel-guitar,
backing vocals
Knut Olsen - bass, backing vocals
Svenn Poppe Jr. - keyboards
Paul Alexander George Haglung II - drums
Ikonen der skandinavischen Psych-Rock-Szene seit 1989, verstehen es On Trial aus Dänemark, heftigen Sixties-Space-Rock mit melodischen Gesangsmelodien zu einem psychedelischen Stoner-Rock-Cocktail zu verquirlen, der einerseits an Love, andererseits an MC 5, die 13th Floor Elevators, oder gar an Black Sabbath erinnert. Schwere Bässe, noch schwerere Orgeln, kreischende Gitarrensoli, dazu dem Westcoast-Rock entlehnte ätherische Passagen mit prägnanten Gitarrenlinien, konterkariert durch Fuzz- und Wah-Wah-Effekte. Auch Monster Magnet oder Hawkwind dürften sie beeinflusst haben. Entsprechend ihrem Ruf als beeindruckende Live-Band, ist ihr jüngst veröffentlichtes, fünftes Album konsequenterweise live aufgenommen. Und heißt auch so: „Live“. Beeindruckend und mitreißend.
Besetzung
Bo Morthen - vocals
Anders - guitar
Henrik - guitar
Nik - bass
Guf - drums
Nach etlichen Jahren als Begleitmusiker hoch angesehener Künstler (Lucinda Williams, Robert Randolph) kehrt der nun in Los Angeles heimische Neal Casal endlich wieder zu seiner Solo-Karriere zurück. Speziell in Europa hatte Casal sich seit Beginn der 90er Jahre ein treues Publikum erspielt. Durch sechs Alben und unzählige Tourneen wurde deutlich, dass er einer der profundesten Sachwalter brillianten, zeitlosen Westcoast-Rocks mit unendlichen Talenten ist: Abwechslungsreiches Songwriting, eine modulationsfähige Stimme und sein überragendes Gitarrenspiel ließen die Kritik jubeln und brachten schnell Vergleiche mit etwa Tom Petty hervor. „Neal Casal ist ein später Gralshüter des wahren Rock’n’Roll“ konstatierte etwa Die Zeit und der Musikexpress erkannte: „Einer der zukunftsträchtigsten jungen Songpoeten der USA. Es gibt hin und wieder Fälle, da muss der Kritiker auf den Berg klettern und die frohe Kunde verbreiten: Gehet hin und höret!“ Live sind seine Shows stets durch Variabilität und gehörigen Rock-Schub gekennzeichnet. Aus einem umfassenden Fundus begeisternder Songs aus eigener Feder schöpfend, sind seine Konzerte dazu angetan, Rock-Fans aller Altersstufen in seligem Genuss zu vereinen.
Besetzung
Neal Casal - vocals, guitar
Jeff Hill - bass
Mike Shapiro - piano, organ
Dan Fadel - drums
Die ehemalige “Queen of Neo-Folk” ist nach längerer Pause zurückgekehrt, um ihre eigene Variante von erwachsenem, glockenklarem Folk-Pop zur endgültigen Blüte zu bringen. So sparsam die Rhythmik, so perlend die Gitarren, so warm die Orgelsounds – der pure Wohlklang ist lediglich vordergründig. Denn was die ehemalige Sängerin der legendären kalifornischen Punk-Band The Avengers seit jeher auszeichnet, ist das Talent, wunderbare Melodien durch düstere Themen und bedrohliche Szenarien zu konterkarieren. Die brennscharfe Beschreibung dunkler Seiten menschlichen Zusammenlebens war immer zentraler Inhalt ihres Songwritings, das sich heute mehr denn je als kunstvoll, frisch, beherzt und gleichermaßen cool und reif offenbart. Penelope Houston, zwischenzeitlich in den 90er Jahren zur Ikone des neuen amerikanischen Folk-Rocks geworden, beschränkt sich nun bewusst auf im Bandkontext geradezu sparsame Arrangements, die deutlich der Sixties-Szene San Franciscos geschuldet sind. Wundervoll.
Besetzung
Penelope Houston - vocals, autoharp, melodica
Pat Johnson - guitar
Mike Theriau - guitar
Ned Doherty - bass
Dave Leonard - drums
Man kann sie mit Fug und Recht in einem Atemzug mit den Rolling Stones, den Animals, den Who oder den Yardbirds nennen. Wer von Van Morrison als „...one of the greatest R & B bands of all times“ geadelt und selbst von KISS angehimmelt wird („We adore them!“ – Paul Stanley und Gene Simmons), der hat seinen Platz im Pantheon des Rock’n’Roll gefunden. Zu Recht, im Falle der Pretty Things, der britischen R&B-Legende, die in den Sixties als lauteste, rüpelhafteste Band Londons galt. Phil May, Dick Taylor, Skip Allen – Namen, die für genuin britischen Umgang mit amerikanischen Wurzeln stehen. Waren sie nach ihrem selbstbetitelten, kompromisslos derben Debüt in den späteren Sechzigern eher psychedelischen Experimenten gegenüber offen - und veröffentlichten mit „S.F. Sorrow“ gar das erste Konzeptalbum der Rockhistorie – so kehrten sie anlässlich ihres 40jährigen Bühnenjubiläum zu ihren raueren, dem geraden, bösen Rock’n’Roll geschuldeten Anfängen zurück. Die Pretty Things sind nach wie vor in Bestform und stets ein sensationeller Live-Act.
Besetzung
Phil May - vocals
Dick Taylor - guitar
Frank Holland - guitar
John Povey - keyboards, harp, percussion
Wally Allen - bass
Skip Alan - drums
Guests:
Arthur Brown - vocals
Mark St. John - drums, percussion
Cary Hudson war einst der Kopf von Blue Mountain, der Band, die neben Uncle Tupelo, den Jayhawks und Whiskeytown Alternative Country als neues, aufregendes Genre definierte. Nach dem Ende Blue Mountains setzte er seine Karriere unter eigenem Namen fort – um seither in Triobesetzung tief in seiner Heimat Mississippi verwurzelten Roots-Rock oberster Qualität zu zelebrieren. Von Leidenschaft und beseelter Spielfreude geprägt, lässt er Erinnerungen an die großen Ahnen des Americana-Rocks wach werden, an die Allman Brothers etwa, auch an Little Feat oder an Creedence Clearwater Revival. Hudson setzt allerdings nicht lediglich ihre Tradition fort, sondern glänzt durch Eigenständigkeit, Vitalität und Authentizität, versteht sich demnach eher als Chronist unvermeidlicher Veränderungen denn als bloßer Nostalgiker. Entspannte Balladen, dem Country-Blues entlehnt, bringt Hudson ebenso beeindruckend dar wie rüde rockende Blues- oder Boogie-Kracher. Musik, die den alten Süden der USA atmet, die im besten Sinne unprätentiös ist, die Frust und Stagnation in Trotz, Energie und Sentiment wandelt. Kaum ein amerikanisches Power-Trio dürfte derzeit in der Lage sein, Cary Hudson & Band das Wasser zu reichen.
Besetzung
Cary Hudson - vocals, guitar, harmonica
Thomas Jackson - bass, backing vocals
Ted Gainey - drums
Stand: 09.09.2009
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