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Kultur
Rockpalast
Sendung vom 26. November 2007
Crossroads - Die Highlights (1)
„Leichtherzige Rocksongs, zu denen man am besten in Lederjacke aussieht“ – ein treffendes Urteil über die Gods Of Blitz. Erst 2004 gegründet, wird das Berliner Quartett direkt aus dem Proberaum vom deutschen Label Fourmusic, das gemeinhin eher für Hip-Hop denn für rotzigen Rock steht, verpflichtet. Zwei Alben, unzählige Clubshows, Festivaltouren schließen sich an. Noch beeindruckender als ihre hochtourig drehende Karriere oder ihre von Torsten Otto (u. a. Beatsteaks) produzierten Tonträger sind die Gods Of Blitz auf der Bühne: Große, energisch dreckige Rock-Unterhaltung.
Die Melancholiker aus Münster und Osnabrück, die sich nach einem Kaff in der US-Provinz benannt haben, frönen klassischem Indie-Rock, wie er heute kaum noch gebaut wird. Ein Quartett, das sich auf Dynamik und Melancholie versteht, Post-Hardcore-Gitarren und flächige Feedbacks auffährt, zwischendurch beherzt schrammelt, hier ein Break, da einen Tempowechsel einstreut und die Lücke schließt, die Notwist hinterließen, als sie sich der Elektronik zuwandten. Wunderschöne Melodien werden von zuweilen aggressiven Ausbrüchen konterkariert. Cuba Missouri klingen durch und durch ernst - aber beseelt.
Wenn Sänger Spike dem Publikum selbstbewusst verkündet „We are The Quireboys... and this is Rock’n’Roll!“ ist klar, wohin die musikalische Reise geht. The Quireboys stehen seit 20 Jahren für scharfkantige Rockmusik, die ganz in der Tradition der Rolling Stones oder Guns N’ Roses steht. Stets charismatisch und mit unmissverständlichen Rock’n’Roll-Parolen nicht geizend, haben sich die Engländer ihren eigenen Platz in der Rockgeschichte gesichert. Ob bei „Monsters Of Rock“, dem „Castle Donington Festival“, im Vorprogramm der Rolling Stones oder auf schummrigen, kleinen Bühnen: The Quireboys sind eine ständig gut geölte Live-Maschine.
Colour Haze ist eine Stoner- und Psychedelic-Rock-Band aus München. 1994 gegründet, ergab sich 1999 die bis heute aktuelle Bandbesetzung. Anfänglich stark von Black Sabbath beeinflusst, finden heute bevorzugt warme, trancelastige Melodien und tief verzerrte Riffparts Verwendung wie auch komplexe Songstrukturen, Jazz-Elemente und zunehmend Jams. Liedmonumente von epischer Länge werden mittlerweile durch weltmusikalische Zutaten aufgebrochen, Stefan Kogleks Gesang ist zurückgenommen und wirkt oft eher als zusätzliches Melodieinstrument denn als erzählerische Kraft. Colour Haze geben Progressive-Rock das Progressive zurück.
Mit Fug und Recht kann man sie in einem Atemzug mit den Rolling Stones, den Animals, den Who oder den Yardbirds nennen. Wer von Van Morrison als „...one of the greatest R & B bands of all times“ geadelt und selbst von KISS angehimmelt wird („We adore them!“ – Paul Stanley und Gene Simmons), der hat seinen Platz im Pantheon des Rock’n’Roll gefunden. Zu Recht, im Falle der Pretty Things, der britischen R&B-Legende, die in den Sixties als lauteste, rüpelhafteste Band Londons galt. Phil May, Dick Taylor, Skip Allen – Namen, die für genuin britischen Umgang mit amerikanischen Wurzeln stehen. Die Pretty Things sind nach wie vor in Bestform und stets ein sensationeller Live-Act.
Bereits seit 1983 stehen The Cynics für ein kompromissloses Revival des in den 60er Jahren geborenen Garagenrocks. Den Sixties-Punk versucht das ursprünglich aus Pittsburgh, Pennsylvania stammende Quartett so authentisch wie möglich in die Gegenwart zu retten: Höchst verzerrte Gitarren, kurze, prägnante Stücke von klarer Struktur, hingebungsvoller Gesang, eine Rhythmusgruppe, die völlig auf Ausschmückungen verzichtet, Texte, die „teen-angst“ durch großmäulig-mystische Überhöhung thematisieren und eine manische Bühnenshow prägen den Sound der Cynics, die zusammen mit den Fuzztones, den Lyres und den Chesterfield Kings als prägende Gruppe des Sixties-Garage-Revivals gelten.
The Brandos gelten als eine der besten und zugleich originellsten US-amerikanischen Live-Rockbands. Zwischen 1987 und 1998 wechselten sich Tourneen und Veröffentlichungen ständig ab. Dann wurde es ruhiger um die Band. Ihr Mastermind David Kincaid konzentrierte sich mehr und mehr auf Solo-Projekte. Im Sommer 2006 lieferten sie wie aus dem Nichts kommend mit „Over The Border“ ihr Opus Magnum ab, das alle Facetten der Brandos-Historie kulminieren ließ. Der charismatische, an John Fogerty geschulte Gesangsstil Kincaids hat nichts von seiner Wirkung verloren, knackiger Rock wird durch Ausflüge in Irish Folk- und Tex-Mex-Gefilde konterkariert.
Von 1996 bis 2001 gehörte das Quartett aus Austin, Texas, zur Creme des Country-Rock/Roots-Pop-Genres. Nach längerer Pause veröffentlichten sie 2007 ihr Comeback-Album „Garden Rocket“, das auf der Basis feinsinnigen, dezent melodisch angerockten Popsounds seelenvolle Harmonien der Poco- oder Eagles-Schule mit Country Rock, Texas Folk und auch Cajun-Elementen paart. Andy Van Dyke singt darüber mit leicht angerauter, gefühlvoller Stimme herzzerreißende Geschichten, welche die Abgründe hinter wohlklingenden musikalischen Fassaden greifbar machen.
Stand: 04.09.2009
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