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Kultur
Rockpalast
Sendung vom 07. Dezember 2008
Crossroads mit Tito & Tarantula und Michael J.Sheehy & the
Hired Mourners
Tito & Tarantula erlangten Kultstatus durch ihren Auftritt in Quentin Tarantino’s „From Dusk Till Dawn“: Dort rocken sie die „Titty-Twister“-Bar, verwandeln sich in Vampire und sind die einzigen Nicht-Menschen, die das Schlachtfest von George Clooney und Gefährten überleben. Trotz des jähen Leinwand-Ruhmes können Tito & Tarantuala auf einen soliden musikalischen Hintergrund verweisen. Als sie sich 1992 in LA gründen, haben Frontmann Tito Lariva und seine wild gewandeten Spießgesellen in einer Vielzahl von Bands gespielt, fühlen sich im Punk wie im Rock heimisch und kreieren durch die Hinzunahme von Tex-Mex-Zutaten einen musikalischen Chili, der extra feurig daherkommt. Flirrende Wüstenhitze, Klapperschlangen, ein Tequila, der seinen Namen verdient und eine Mariachi-Band, die den müde in der Sonne herumlungernden Hunden den Marsch bläst – diese Klischees werden von Tito & Tarantula bedient und gleichzeitig aufgebrochen. Denn der stets nach vorne preschende Tex-Mex-Rock des Quartetts ist äußerst infektiös und hat noch jeden Zuschauer in seinen Bann gezogen.
Aus superb erzählten Geschichten erwachsen Sheehys bittere Erkenntnisse, seine bewegenden Parabeln und Storys von der Finsternis der Alltäglichkeiten transportieren allerdings auch plötzlich einsetzende Befreiung. Brodelnd intensiv durchmisst der in London lebende Ire Sünde, Rettung, Himmel, Hölle und nächtliche Albträume – das Leben, eben. Die dunklen Seiten von Folk und Country sind präsent, auch morbider Groove aus den Sümpfen des Mississippi-Deltas, Gospel und Acoustic Blues. Sheehy darauf zu reduzieren, wäre jedoch falsch. Nicht umsonst wird seinem Folk Noir, der live in Sextett-Umsetzung ein explosives Potpourri faszinierenden Ideenreichtums bietet, nachgesagt, Spuren von Elvis, Mark Lanegan, Dr. John oder Leonard Cohen aufzuweisen. Musikalität und würdevoller Umgang mit stilvollen Versatzstücken finden Platz in einer atmosphärischen Tiefe, wie sie wohl nur aus starkem Schuldbewusstsein erwachsen kann. Sheehy „verharrt jedoch nicht in der Pose des Schmerzensmannes“(Tip) sondern würzt seine lebensgebeutelten, lakonischen Betrachtungen mit subtilem Humor, der die Grenze zum Sarkasmus freudvoll überschreitet.
Stand: 25.06.2009
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