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Morbus Menière – Leck im Innenohr

  • SendeterminMontag, 28. Juli 2008, 18.20 - 18.50 Uhr .
Hörschneckenmodell; Rechte: WDR (TV-Bild)
Auch Ohrerkrankungen können Schwindel hervorrufen

Morbus Menière (oder die „Menièresche Erkrankung) wurde 1861 vom französischen Arzt Prosper Menière erstmals beschrieben. Bei dieser Innenohrerkrankung kommt es zu einer vermehrten Flüssigkeitsansammlung im häutigen Labyrinth des Innenohres, sodass der Druck sich erhöht. Ähnlich wie bei einem Luftballon wird der Druck schließlich so groß, dass die feinen Membranen leck werden und die typischen Attacken auslösen: Drehschwindel, einseitige Ohrgeräusche (Tinnitus) und auf Dauer einseitige Schwerhörigkeit oder gar Hörverlust. Während der Drehschwindelattacken können Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Lange Odyssee

Gespräch Arzt und Patientin; Rechte: WDR (TV-Bild)
Luitgard G. konnte erst nach vielen Fehldiagnosen geholfen werden

Die Patientin Luitgard G. kam nach einer gut zweijährigen Odyssee mit Fehldiagnosen – unter anderem war von Migräne die Rede – und unwirksamen Behandlungen in die Schwindelambulanz München, wo ihr geholfen werden konnte. Zuvor hatten Ärzte zwar schon den Verdacht auf Morbus Menière geäußert und Medikamente verschrieben, aber ihre Beschwerden besserten sich nicht. Sie hört heute immer noch auf einem Ohr schlecht und hat Dauergeräusche im Ohr.

Verlauf

Morbus Menière beginnt mit Attacken auf einem Ohr. Zunächst kommen sie häufig, dann weniger häufig und insgesamt unregelmäßig. Sie können im Laufe von Monaten und Jahren auch das andere Ohr betreffen. Je länger Patienten leiden, desto wahrscheinlicher ist es, dass beide Ohren betroffen sind. Der Hörverlust ist irreversibel. Die Schwindelattacken hingegen verschwinden oft von selbst wieder – und das mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent innerhalb von fünf bis zehn Jahren.

Angst ist oft die Folge

Patientin mit Kopfhörern bei einer Untersuchung; Rechte: WDR
(TV-Bild)
Morbus Menière erhöht den Druck im Innenohr

Insbesondere die unberechenbaren Attacken machten Luitgard G. zu schaffen. Sie entwickelte Angstgefühle, die ihre Lebensqualität dramatisch einschränkten: „Ich wollte nicht mehr Auto fahren, weil ich einmal im Auto eine Attacke hatte.“ Und ihr Lieblingssport Nordic Walking war bald auch nicht mehr möglich, denn sie traute sich kaum allein aus dem Haus. Luitgard G. war auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen.

In ihrem Schwindeltagebuch, das sie nach ihrem ersten Besuch in München führte, notierte sie den Verlauf der Anfälle – ein wichtiger Hinweis für die Diagnose. Weitere Untersuchungen und Tests bestätigten Morbus Menière. Sie bekam ein Medikament mit dem Wirkstoff Betahistin in hoher Dosierung. Es reduziert den Druck im Innenohr. So lassen sich nach Erfahrungen der Schwindelambulanz München weitere Attacken bei neun von zehn Patienten verhindern. Wichtig ist aber, dass Patienten Betahistin konsequent und in relativ hoher Dosierung nehmen – zum Beispiel morgens, mittags und abends zwei Tabletten über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten.

Wer nach dem Besuch von zwei Ärzten weder eine exakte Diagnose hat noch Besserung verspürt, sollte eine Spezialambulanz aufsuchen. Ähnliche Sprechstunden wie in München gibt es in NRW zum Beispiel auch in Aachen oder Essen.

Noch ein wichtiger Hinweis: Bei plötzlich auftretendem, sehr heftigem Schwindel, begleitet von Sehstörungen, Doppelbildern, Schluckstörungen oder Lähmungserscheinungen sowie zum Beispiel auch Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit kann eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns die Ursache sein. Es können Warnzeichen eines Schlaganfalls sein. Deshalb sollte man schnell ärztliche Hilfe suchen und die Symptome abklären lassen. Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall!

Autorin:

Anne Welsing

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Stand: 28.07.2008


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