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:Gesundheit
Sendung vom 23. November 2009
Diagnose: HIV-Positiv
In Deutschland sind über 63.000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Trotz stark verbesserter Behandlungsmöglichkeiten ist eine HIV-Infektion für die Betroffenen ein dramatischer Einschnitt ins Leben.
Zum Beispiel für Michèle. Sie ist zweifache Mutter, sie ist Ehefrau. Sie lebt mit ihrer Familie auf dem Land. Doch ihr Leben ist keine Idylle mehr, sondern ein Kampf – gegen die Berührungsängste, gegen die offenen und versteckten Vorurteile, die ihr tagtäglich begegnen. Denn sie bekennt sich offen dazu, „positiv“ zu sein.
Auch Jörg aus Köln verheimlicht nichts. Er hat schon lange keine Lust mehr, irgendeine Fassade aufrecht zu erhalten. Sein größtes Problem ist zurzeit die Gesundheit: Die alten Medikamente haben Anfang des Jahres ihre Wirkung verloren. Das Virus begann, sich wieder in seinem Körper zu vermehren. Er probiert jetzt eine neue Medikamententherapie, seine inzwischen fünfte. Erste Bluttests zeigen: Die Mittel schlagen glücklicherweise an. Doch Jörg weiß, dass für ihn nicht mehr viele Möglichkeiten bleiben, sollte auch diese Therapie eines Tages versagen. „Ich lebe in den Tag hinein, denke nicht darüber nach, was in zwei oder drei Jahren ist“, sagt Jörg.
Anders Michael Schuhmacher. Der gelernte Bankkaufmann und Chef der Aidshilfe Köln ist überzeugt: „Ich werde 80 Jahre alt“. Tatsächlich haben sich die medizinischen Möglichkeiten so deutlich verbessert, dass die Lebenserwartung HIV-Infizierter stark angestiegen ist. Michael Schuhmacher widmet sich daher in seiner Freizeit einem Projekt, das langen Atem erfordert: der Renovierung eines 150 Jahre altes Fachwerkhauses im Hunsrück. Jedes Wochenende verbringt er dort, trotzdem werden noch Jahre vergehen, bis alles fertig ist. Doch dass er tatsächlich irgendwann hier seinen Lebensabend verbringen wird, daran hat der 52-Jährige keinen Zweifel.
Thomas Liesen
Stand: 23.11.2009