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Sendung vom 06. April 2011
Fitness an der Konsole im Test
Vor einigen Jahren brachte die Firma Nintendo mit ihrem „Wii“-System einen Meilenstein in Sachen Spielsteuerung am Bildschirm auf den Markt. Die Wii war die erste Spielkonsole, mit der der Benutzer nicht nur mit den Daumen einen Joystick bewegte, sondern mit dem ganzen Körper aktiv werden konnte. Mittlerweile haben auch die Xbox 360 (von Microsoft) und die Playstation 3 (von Sony) Bewegung, Sport und Fitness im Programm.
Doch kann man wirklich fit an der Konsole werden, sind die Spiele einfach, und können sie den Sport vor der Tür, auf dem Spielfeld oder im Fitnessstudio ersetzen?
Wir baten eine Familie aus Köln, für uns die drei Konsolen zu testen. Da die Systeme nur zum Teil vergleichbar sind, interessierte uns auch, welche Nutzer welche Konsolen bevorzugen. Tim A. (18 Jahre) treibt wöchentlich mehrfach Sport, hat eine Playstation und möchte Sportlehrer werden. Sein Bruder Tom (13 Jahre) bezeichnet sich als Fitnessmuffel und hat Erfahrung mit der Wii. Susi A., die Mutter der beiden, ist sportlich, hat aber keine Ahnung von Konsolenspielen.
Wir hatten auch einen Sportwissenschaftler dabei, der gleichzeitig als Personal Coach arbeitet: Patrick Eurich aus Köln schaute sich an, wie gut die getesteten Programme waren.
Bei der Playstation 3 wird der Spieler durch eine Kamera gescannt. Das Scanning mit den „Move-Controllern“, die man dann in der Hand behält (als Schläger etc.) ist sehr genau, sodass auch spätere Armbewegungen, zum Beispiel beim Tischtennis, präzise ausgeführt werden können. Solche Geschicklichkeit braucht ein wenig Zeit und Üben, dann machen die Spiele viel Spaß.
Die Grafik ist gut gestaltet, die Programmierung zeigt unterschiedlichste Perspektiven, wie bei einem guten Adventure-Spiel. Man kann zwischen Tischtennis, Beachvolleyball, Boccia, Bogenschießen, Disc-Golf und Gladiatorenduell auswählen. Der Favorit unserer Tester war das Gladiatorenduell – hier konnte man richtig ins Schwitzen kommen und hatte den Spielespaß obendrein. Beim Bogenschießen und Boccia kommt es mehr auf Genauigkeit und Präzision an, die Bewegung hält sich in Grenzen. Da der von der Kamera erfasste Bereich relativ klein ist, werden im Großen und Ganzen nur der Oberkörper und die Arme bewegt.
Unser Experte sagt: Das Spiel ist nicht als Fitnessprogramm konzipiert, sondern bringt eher Spaß und ist vielleicht ein guter Anfang für Bewegungsmuffel, einmal mehr als den Joystick zu bewegen.
Die Xbox arbeitet nicht mit einer Kamera, sondern mit einem Ganzkörpercontroller und Bewegungsmelder, die sogenannte Kinect. Sie scannt den Körper des Spielers ein und projiziert ihn inklusive Kleidung und Foto direkt ins Spiel. Man sieht also keine Spielfigur (Avatar), sondern sein eigenes virtuelles Abbild und hat dadurch das Gefühl, wirklich mittendrin zu sein, was stark motivierend wirkt. Man hat etwa einen Ausfallschritt nach allen Seiten hin Platz, ist also auch flexibel mit Füßen und Beinen, was andererseits bedeutet: Man braucht vor der Kinect viel Platz.
Alter, Gewicht und Größe werden registriert und die über 100 Übungen auf ein persönliches Training abgestimmt und der Trainingsverlauf gespeichert. Am Bildrand werden die verbrauchten Kalorien gezählt. Manche Übungen macht man allein, andere mit einem virtuellen Trainer. Die Übungen kommen aus allen Bereichen –von Aerobic bis Boxen und Yoga – und können einen schon gut ins Schwitzen bringen. Die Ansprache gibt es in fünf Sprachen, und der Übende wird stets motiviert und angefeuert.
Unser Experte meint: Hier kommen schöne Grafik und gute Fitnessübungen zusammen! Der einzige Nachteil, der übrigens für alle Konsolensysteme gilt: Niemand kann die Übungen kontrollieren und Rückmeldung darüber geben, ob die Bewegungen auch korrekt ausgeführt werden.
Über 40 Übungen laden bei der Wii zur klassischen Fitness ein. Auch hier werden vor Trainingsbeginn die Bodymaße genommen, und es gibt eine Menge Informationen, die man entweder lesen oder vorgesprochen bekommen kann, was insbesondere für Anfänger gut ist.
Grafik und Umsetzung sind einfach. Bei den meisten Übungen steht man mit einem oder zwei Füßen (oder, wie zum Beispiel beim Liegestütz, mit den Händen) auf dem Balanceboard. Damit kann man auch jederzeit kontrollieren, ob man den Körperschwerpunkt wirklich in der Mitte hat.
Unser Experte sagt: Für Anfänger ist dieses Programm sehr geeignet, und es kommen alle Fitnessübungen darin vor, die er auch beim Training durchführen würde.
Eindeutiger Favorit von dreien unserer Tester ist die Xbox 360: Tom, Susi und Patrick Eurich waren angetan von der futuristischen Grafik, den vielen Übungen und den völlig identischen und fließenden Bewegungen ihres virtuellen Abbildes, während die beiden anderen Systeme mit Avataren arbeiten. Die Wii brachte alle sehr gut ins Schwitzen, machte vor allem für Anfänger Pluspunkte, ging aber Susi auf die Nerven durch demotivierende Kommentare wie: „Sitzgemüse“, „Du hast es wohl noch nicht ganz drauf …“. Auch Tom fand die „beleidigenden Kommentare“ entnervend.
Für Tim war die Playstation mit Sports Champions von Sony der Testsieger: Da er mehrmals in der Woche Sport treibt, war für ihn hier der Spielespaß entscheidend vor einem gut organisierten Fitnessprogramm. Allerdings ist Tim mit unserem Sportwissenschaftler Patrick Eurich einer Meinung: Richtigen Sport kann keine dieser Konsolen ersetzen.
Iris Rohmann
Stand: 06.04.2011
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