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Sendung vom 11. Mai 2011
Beraten und verkauft
Bankberater sind oft freundlich, sie vermitteln uns Kompetenz, sie können oft gut erklären – oder es scheint zumindest so. Was man aber nicht vergessen sollte: Sie sind oft nichts anderes als Verkäufer, und zwar von Finanzprodukten.
Kerstin B. aus Leverkusen hat das am eigenen Leib erfahren müssen. Als ihre Mutter starb, erbte sie Geld. Das wollte sie sicher anlegen – fürs Alter. Die 29-Jährige wandte sich an einen Anlageberater der Postbank und traf sich mit ihm in der Wohnung.
Schnell duzten sich die beiden, und der Berater stellte ihr ein Produkt vor, einen „ganz heißen Tipp“: der Immobilienfonds „MCT Südafrika 3“. Mit dem Geld sollte der Ausbau eines Hotels in Kapstadt finanziert werden. Da diese Beratung relativ kurz vor der Fußball-WM in Südafrika stattfand, zu welcher Tausende Gäste aus aller Welt erwartet wurden, konnte nichts schiefgehen – diesen Eindruck vermittelte der Bankberater und überzeugte damit Kerstin B. Sie investierte fast 10.000 Euro. Was sie nicht ahnte: Die Anlage war alles andere als sicher.
Im Februar 2010 kam dann die Ernüchterung: Die Fondsgesellschaft teilte ihr in einem Schreiben mit, dass die Gesamtfinanzierung des Projekts gefährdet sei. Kerstin B. suchte Rat bei einem Anwalt. Als Fachanwalt für Geld- und Kapitalmarktrecht betreut Guido Lenné gleich mehrere Kunden, die in den „MCT Südafrika 3“-Immobilienfonds investiert haben. Von ihm erfuhr Kerstin B., dass die Gelder des Fonds offenbar veruntreut wurden. Ihre investierten 10.000 Euro, die sie fürs Alter zurücklegen wollte, waren verschwunden.
Die zweifelhafte und oft auch falsche Beratung bei Banken hält Verbraucherschützer ständig auf Trab. Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW weiß: Viele Kunden vertrauen ihrem Bankberater einfach blind und vergessen, dass dieser nicht unbedingt nur das Wohl der Kunden im Blick hat, sondern auch seine eigene Provision.
Beim Gespräch mit einem Bank-, Anlage- oder Finanzberater sollte man einige Regeln beachten:
Wie viel Geld kann oder möchte ich anlegen und für welche Zeit? Welche Risiken sind dabei für mich vertretbar? Welche Rendite erwarte ich für meine Anlage? Wie steht es mit meiner Liquidität? Darüber sollte man sich im Klaren sein, bevor man in ein Gespräch geht, denn: Wer weiß, was er will, dem kann man nicht so schnell etwas vormachen.
Zertifikate, Genussscheine oder Aktien – auf dem Finanzmarkt wird eine Vielzahl an Produkten angeboten, und alle bergen spezielle Risiken und Chancen. Sie kann nur derjenige abwägen, der versteht, wie die Produkte funktionieren. Eine Faustregel: Je höher die Rendite ist, desto höher ist auch das Risiko eines Verlustes. Was ist der schlimmste Fall, der eintreten kann, und was passiert dann mit meinem Geld? Darüber sollte sich jeder kundig machen, und zwar nicht nur bei der Bank, sondern auch an unabhängiger Stelle, zum Beispiel bei der Stiftung Warentest oder den Verbraucherzentralen.
Wenn ein Anlageberater Zeitdruck aufbaut, sollte man hellhörig werden, denn das „Schnäppchen“ oder die „einmalige Gelegenheit“ gibt es bei keiner Geldanlage. Oft handelt es sich hierbei um eine Masche, um kritische Nachfragen nach den Risiken oder versteckten Kosten zu umgehen. Selbst wenn man sich schon für eine Geldanlage entschieden hat, ist es besser, die Entscheidung in Ruhe zu überdenken und im Zweifel an anderer Stelle Erkundigungen einzuholen. Gegebenenfalls lohnt es sich auch, bei der Konkurrenz entsprechende Angebote zu erfragen.
Viele Kunden halten die Beratung bei einer Bank oder einem Finanzdienstleister für kostenlos. Sie vergessen dabei, dass die Bank- oder Finanzberater an den Abschlüssen durch Provisionen beteiligt sind. Honorarberater dagegen finanzieren sich nicht über Provisionen von Produktanbietern, sondern werden vom Kunden für die Beratungsleistung bezahlt. So können sie unabhängig und ausschließlich im Interesse des Kunden beraten. Einen Honorarberater findet man über das Internet oder bei der Verbraucherzentrale. Dort kostet eine dreieinhalbstündige Anlageberatung 150 Euro.
Kerstin B.s Anwalt will die Postbank nun verklagen, denn der Berater hat bei dem Gespräch offenbar Fehler gemacht. Einer der entscheidenden Punkte: Kerstin B. wollte ihr Geld sicher anlegen – angeboten hat man ihr dann aber ein hochriskantes Investment mit der Möglichkeit des Totalverlusts. Zudem investierte Kerstin B. in den südafrikanischen Rand, eine Währung, die gemessen am Dollar oder am Euro alles andere als stabil ist. Guido Lenné schätzt die Chance, dass Kerstin B. auf dem Klageweg zumindest einen Teil des Geldes wiederbekommt, als gut ein. Denn sie hatte eine Freundin beim Gespräch dabei, die nun als unabhängige Zeugin auftreten kann.
Sybille Schultz
Stand: 11.05.2011
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