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Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 19. Mai 2011
Sonnenküchen
Mediterranes Leben liegt im Trend und damit auch die Lust am Kochen unter freiem Himmel. Gartenküchen sind en vogue, und die Auswahl der Modelle wird immer größer und ausgefallener. Wer dabei noch besonders umweltfreundlich kochen will, probiert es mit Sonnenenergie. Sonnenöfen gibt es in verschiedenen Ausführungen, und die Kraft der Sonne reicht auch in Deutschland an 100 bis 150 Tagen im Jahr zum Kochen und Backen aus – vollkommen ökologisch und lecker.
Die Servicezeit ist zu Gast auf dem kulinarischen Fest der Kölner Gärtnerei La Cava, wo viele Outdoor-Küchen zu besichtigen sind. Je nach Geschmack und Geldbeutel ist für jeden etwas dabei: Zu besichtigen ist beispielsweise eine exklusive Küchenzeile, ausgestattet mit Herdplatten, einer praktischer Teppan-Platte, einer Technik aus Japan, und einer Spüle. Betrieben wird das Modell mit Strom. Das Luxusmodell in Edelstahl und Teak kostet rund 14.000 Euro.
Kochen unter freiem Himmel ist auch deshalb so angenehm, weil Gerüche nicht weiter stören. Ein anderes Modell, eine Außenküche aus Italien, ist schon für rund 3.000 Euro zu haben. Sie ist mit einer Fritteuse, einem großen Gasgrill mit Edelstahlgrillrosten, integrierter Spüle und einer Schneidfläche aus Gummibaumholz ausgestattet.
Auch unter den Grills gibt es ungewöhnliche Ausführungen, sowohl was die Form als auch die Funktion betrifft. Zu besichtigen ist zum Bespiel ein Grill in Form eines Rieseneies. Mit ihm kann man auch backen, kochen, räuchern, garen und dörren. Er besteht vollständig aus Keramik und kann außerordentlich heiß werden. Jedes Gerät wird in Handarbeit gefertigt und ist für knapp 1.000 Euro zu haben. Zum Grillen gibt es Zusatzausstattungen. Gegart wird immer bei geschlossenem Deckel.
Nebenan wird mit Grillbriketts aus Kokosfasern geheizt. Der Clou: Nach einer Minute ist er einsatzbereit. Der passende Minigrill kann bequem auf jeden Tisch gestellt werden und kostet rund 120 Euro.
Kochen unter freiem Himmel wird in Deutschlands Gärten immer beliebter, und es gibt auch neue Gartenmöbel mit Küchenfunktion. In Köln sind exklusive Möbel ausgestellt: edle Anrichten aus Marmor und alter Eiche.
Am Rande des Festes stellt ein wohltätiger Verein seine Öfen aus, die Lazola-Initiative zur Verbreitung solaren Kochens e. V. Die schicken Modelle sind aus Metall gefertigt und heißen Lazola-Öfen. Sie werden von dem Verein gebaut und verkauft. Für den Hausgarten sind sie optimal geeignet. Sie kosten rund 350 Euro. Preiswerter wird es, wenn man sie selbst fertigt. Auf Anfrage stellt die Lazola-Initiative umfangreiche Fertigungshilfen zum Selbstkostenpreis zur Verfügung, so zum Beispiel Bauanleitung, Papierschablonen für alle Metallteile in Originalgröße, Fertigungsvorrichtungen und vieles mehr.
Das Grundstück der Familie Behringer wirkt fast wie ein Messegelände für Sonnenöfen. Rolf Behringer ist engagierter Sonnenofenkenner und sammelt, baut und entwickelt die ökologischen Öfen. Riesige Exemplare für Großveranstaltungen stehen neben kleinen, die für den Hausgarten geeignet sind. Rolf Behringer besitzt auch ungewöhnliche Modelle, zum Beispiel winzige Öfen, die ausschließlich der Herstellung von sonnengekochtem Espressokaffee dienen. Inge Behringer, seine Mutter, ist ebenso begeistert von der umweltfreundlichen Technologie und versucht beim täglichen Kochen jeden Sonnenstrahl zu nutzen. Ihr macht Kochen mit der Sonne Spaß, und sie bereitet fast sämtliche Gerichte damit zu. Manchmal kocht sie mit einem Boxofen, manchmal mit einem Parabolspiegelkocher. Wichtig ist nur, dass der Solarkocher zur Sonne hin ausgerichtet ist. Je nach Kochdauer wird er hin und wieder nachgeschoben, sonst ist alles ganz einfach.
Boxöfen sind im Grunde isolierte Kisten mit einem Klappdeckel aus Glas. Von innen sind sie schwarz ausgekleidet, genauso wie das Kochgeschirr. So wird die Sonnenwärme besser aufgenommen. Die Töpfe werden zum Kochen einfach hineingestellt. In Boxöfen entstehen Temperaturen von bis zu 180 Grad Celsius. Inge Behringer zeigt uns, wie sie damit Kuchen und Brot backt, Marmelade einkocht und Kirschen konserviert. Ihr Sohn führt uns vor, wie man darin sogar Eier kochen kann – ganz ohne Wasser. Die Eier können einfach in der Packung in die Box gelegt werden, und dann heißt es – je nach Sonnenintensität – warten. Wir waren an einem heißen Tag zu Gast bei der Familie, und die Eier waren schon nach wenigen Minuten hart gekocht. Fazit: Boxöfen sind einfach gebaut und praktisch in der Anwendung.
Ganz anders konstruiert sind sogenannte Parabolspiegelkocher. Sie bestehen aus Spiegelflächen. Diese sind so gebogen, dass sich die einfallenden Sonnenstrahlen alle in einem Punkt bündeln, nämlich dort, wo der Kochtopf hängt. Diese Kocher erreichen höchste Kochtemperaturen, man kann mit ihnen sogar Fleisch oder Fisch braten. Im Brennpunkt kann es mehrere Hundert Grad Celsius warm werden. Damit die Sonnenergie optimal genutzt wird, ist das Kochgeschirr im Parabolspiegelkocher immer schwarz.
„In der Zukunft wird es auf jeden Fall deutlich mehr Solarkocher geben als heute“, sagt Rolf Behringer. „Allein schon, weil die Energiekosten steigen und die Ressourcen knapper werden.“ Solarkocher können selbst gebaut werden, oder man kauft sie fertig. Anleitungen findet man im Internet, und sie sind in der Regel kostenfrei. Fertige Sonnen-Kochgeräte gibt es schon ab 200 Euro zu kaufen. Weitere Kosten entfallen, denn die Sonne ist ja umsonst.
Sabine Fricke
Stand: 19.05.2011
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