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Sendung vom 03. August 2011
Lebensmittelverpackungen
Viele Lebensmittel sind verpackt, als müssten sie einen Krieg überstehen. Eine aktuelle Untersuchung in Großbritannien hat gezeigt, dass es dort beim Versuch, Lebensmittel mit Werkzeug zu öffnen, jedes Jahr 70.000 Verletzungen gibt. In Deutschland dürfte die Zahl entsprechend höher sein.
An der Technischen Universität Chemnitz wurden verschiedene Produkte darauf getestet, wie einfach sie zu öffnen sind – und zwar ohne gefährliche Hilfsmittel und schweres Gerät. Egal, ob günstig oder teuer, erklärt Ingenieur Christian Hentschel, die meisten Produkte seien schwer zu öffnen. Das ärgere ihn, denn es gebe durchaus auch gute Öffnungsmechanismen, aber, so Hentschel: „Die Hersteller schauen auf die Kosten. Sie sind nicht gewillt, die höheren Herstellungskosten für bessere Öffnungsmechanismen zu bezahlen.“
Im Labor konnten ältere Personen nur jede zehnte Verpackung gut öffnen. Den Jüngeren fiel es zwar etwas leichter, aber auch sie hatten Probleme. Oft dauerte es zwei Minuten und länger, um eine Packung ohne schweres Gerät zu öffnen. Dabei könnte es meist viel einfacher gehen, meint Hentschel: „Bei einer Folien-Umverpackung ist zum Beispiel ein Aufreißfaden sehr hilfreich. Dieser müsste dann auch einfach zu sehen sein, sodass man ihn sofort findet.“ Bei Drehverschlüssen sei es wichtig, dass man die Kraft gut anbringen könne – etwa auf geriffelten oder aufgerauten Oberflächen. „Wenn man zum Beispiel bei einem Gurkenglas feststellt, dass die Verpackung von allen Probanden schlecht zu öffnen ist, müsste man über eine neue Art der Verpackung nachdenken“, so Christian Hentschel.
Wir hätten zu diesem Thema auch gerne direkt bei den Herstellern nachgefragt. Doch beim Lebensmittelriesen Unilever wartet unsere Redaktion seit Langem auf den versprochenen Interviewtermin. Auch bei Kühne sieht es nicht besser aus. Bei dem großen Gurken- und Gemüseverarbeiter heißt es: Alle Mitarbeiter, die sich mit Verpackungen auskennen, seien im Urlaub oder krank. Und auch Winfried Batzke vom Deutschen Verpackungsinstitut, dem Verband der Hersteller, macht den Verbrauchern nur wenig Hoffnung. Denn bessere Verpackungen würden die Produkte verteuern. Da das für viele Käufer nicht akzeptabel sei, blieben nur Kompromisse. „Da werden wir nie die Eier legende Wollmilchsau finden“, prognostiziert er.
Auch an der Universität des Saarlandes beschäftigt man sich schon lange mit Verpackungen und dem Einkaufsverhalten von Jung und Alt. Ein Ergebnis: Ältere Verbraucher geben mehr Geld aus und sind bei der Produktwahl anspruchsvoller als jüngere Käufer. Das wäre für die Hersteller eigentlich eine Chance, die aber nur selten genutzt wird.
Konsumforscherin Andrea Gröppel-Klein rät den Herstellern, vor allem leichtere Verpackungen anzubieten. Denn für viele Senioren sei das Einkaufen der Anlass für den täglichen Spaziergang – und schwere Verpackungen seien dabei hinderlich. „Allerdings sollte man jetzt nicht glauben, die Älteren hätten andere Wünsche, Bedürfnisse oder Vorstellungen vom Leben als die Jüngeren“, meint die Professorin. „Ältere reagieren sehr sensibel darauf, wenn sie den Eindruck haben, dass sie diskriminiert werden. Eine solche Diskriminierung könnte zum Beispiel auch dadurch zum Ausdruck kommen, wenn man versuchen würde, so etwas wie einen Seniorenfachmarkt aufzubauen.“
Lars Ohlinger
Stand: 03.08.2011
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