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Sendung vom 09. August 2011
Absetzbarkeit von Haushaltshilfen
Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln brachte die erschreckende Wahrheit ans Licht: Fast jeder dritte Deutsche beschäftigt im Haushalt Schwarzarbeiter. Am häufigsten werden Handwerksarbeiten an der Steuer vorbei erledigt (18,7 Prozent), dicht gefolgt von Haushaltsarbeiten wie Putzen, Einkaufen oder Gartenpflege (15,8 Prozent).
Das sogenannte Familienförderungsgesetz soll diesem Trend Einhalt gebieten und sowohl die privaten Arbeitgeber als auch die Beschäftigten wieder zu legaler, angemeldeter Arbeit motivieren. Am Beispiel von auf 400-Euro-Basis arbeitenden Haushaltshilfen haben wir geprüft, wie attraktiv diese Anreize tatsächlich sind.
Grundsätzlich ermöglicht das Familienförderungsgesetz privaten Arbeitgebern, bei sogenannten „haushaltsnahen Dienstleistungen“ einen Teil des Lohnes der privat Beschäftigten von der Steuerschuld abzuziehen. Diese Förderung ist zum 1. Januar 2009 auf immerhin 20 Prozent erhöht worden.
„Von der Steuerschuld abziehen“ bedeutet aber nicht „absetzen“, denn im Unterschied zur bloßen „Absetzbarkeit“ – wodurch lediglich das zu versteuernde Einkommen verringert wird – kann man die 20 Prozent der Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen direkt von der bereits errechneten Steuerschuld abziehen. Ein großer Vorteil für jeden, der als privater Arbeitgeber eine „haushaltsnahe Dienstleistung“ in Anspruch nimmt. Einzige Voraussetzung: Das Geld muss überwiesen werden. Barzahlungen gegen Quittung reichen nicht aus.
Doch der 20-Prozent-Förderung sind Grenzen gesetzt, und diese hängen von der Art der Beschäftigung ab.
Doch wer beschäftigt in seinem privaten Haushalt schon sozialversicherungspflichtig eine Haushaltshilfe? Wer stellt zu Hause schon einen eigenen Gärtner an? Wer lässt sich täglich von einem eigenen Koch verpflegen? Die Realität zeigt: Die Anstellung einer Haushaltshilfe wird in der Regel über Minijobs gelöst – und oftmals schwarz.
Zwar werden auch Jobs auf 400-Euro-Basis mit 20 Prozent gefördert, doch beträgt die Förderung maximal 510 Euro. Außerdem muss der private Arbeitgeber bei Anmeldung seiner Haushaltshilfe 14,27 Prozent an Sozialabgaben, Versicherungen und Steuern abführen. Inwiefern er durch die Förderung finanziell profitiert, hängt von der Summe des Lohns für die Haushaltshilfe ab. Zahlt ein privater Arbeitgeber seiner auf 400-Euro-Basis arbeitenden Reinigungskraft zum Beispiel 200 Euro im Monat, so ergibt sich daraus folgende Rechnung:
Gegenüber einer Beschäftigung an der Steuer vorbei zahlt er also immerhin 137 Euro weniger im Jahr – statt 2.400 Euro nur 2.263 Euro.
Zahlt der Arbeitgeber allerdings 320 Euro im Monat, fällt die Förderung aufgrund der Höchstgrenze von 510 Euro so gering aus, dass er gegenüber der illegalen Beschäftigung sogar noch draufzahlt:
In diesem Fall zahlt der private Arbeitgeber 38 Euro mehr als bei einer illegalen Beschäftigung seiner Haushaltshilfe: also 3.878 Euro statt 3.840 Euro.
Folge: Kaum ein privater Arbeitgeber wird motiviert, eine Haushaltshilfe auf 400-Euro-Basis nur unter der Bedingung zu beschäftigen, wenn diese auch bereit ist, angemeldet zu arbeiten. Dafür ist die Förderungshöchstgrenze von 510 Euro (noch immer) zu niedrig.
Im Regelfall haben 400-Euro-Jobber mehrere Minijobs und wollen gar nicht legal arbeiten. Anders kämen sie kaum über die Runden.
Nur wenige denken an die Zukunft und sichern sich privat auf Eigeninitiative ab. Die wenigsten sind zum Beispiel über einen Ehepartner krankenversichert, kaum jemand hat etwas für die Renten- oder gar eine Unfallversicherung übrig. Jeder verdiente Euro wird dringend gebraucht, die Absicherung für morgen muss warten. Altersarmut ist da geradezu vorprogrammiert.
Eine angemeldete Beschäftigung bedeutet immerhin, automatisch eine Unfallversicherung zu haben. Allein deshalb sollte man, trotz der bei Minijobbern noch immer dürftigen Förderungen, seine Haushaltshilfe unbedingt anmelden. Allein die Unfallversicherung ist gerade bei Arbeiten im Haushalt ein nicht zu unterschätzender Vorteil – auch für den privaten Arbeitgeber. Verletzt sich eine illegal beschäftigte Putzhilfe ernsthaft, kann das auch für den privaten Arbeitgeber unabsehbare finanzielle Folgen haben! Deshalb: Besser immer anmelden!
Michael Bisping
Stand: 09.08.2011
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