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Servicezeit
Sendung vom 10. August 2011
Matratzenkauf: Wie man sich bettet, so liegt und schläft man
Rund ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Liegen und Schlafen. Grund genug, sich ordentlich zu betten. Denn falsches Liegen kann Grund für Rückenschmerzen und Verspannungen sein. Schlechter Schlaf wirkt sich auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aus.
Eine Ursache für schlechtes Schlafen kann die falsche Unterfederung sein, und Matratzenkäufe stellen sich häufig als Fehlkauf heraus. Das Problem aller Schlafgeplagten: Wie findet man die optimale Matratze? Latexmatratzen, Kaltschaummatratzen, viskoelastische Matratzen, Bonnellfederkernmatratzen oder Taschenfederkernmatratzen – das Angebot ist verwirrend.
Werbeversprechen und überholte Vorstellungen von gutem Schlaf machen es dem Verbraucher nicht leichter. So ist etwa die „Brett im Bett“-Empfehlung längst überholt. Entscheidend ist ein ausbalanciertes Liegen, das sich an den individuellen Anforderungen und Bedürfnissen orientiert. Deshalb ist eine gute Beratung empfehlenswert. Am besten sollte man übrigens vormittags Matratzen testen, denn nach einem langen Arbeitstag liegt es sich fast überall bequem.
Neben der Körperstatik, also Größe, Form und Gewicht, sollten vor allem die Schlafgewohnheiten (Seiten-, Rücken- oder Bauchlage) in die Wahl der optimalen Matratze einfließen. Je genauer die Beratung ist, umso einfacher gestaltet sich später die Suche nach dem passenden Matratzenmodell.
Es gibt weder ein optimales Bettensystem, das gleichermaßen für alle Menschen und Anforderungen geeignet ist, noch eine ideale Matratze für jedermann. Guter Schlaf und richtiges Liegen sind sehr subjektiv. Das ist auch eine Herausforderung für Hotels. Denn kein Gast kommt wieder, wenn er mit Rückenschmerzen aufgewacht ist. Hotels aber müssen den Anforderungen unterschiedlichster Körper und Liegevorlieben gerecht werden. Die Servicezeit hat in einem Schlosshotel nachgefragt: Wie begegnet man hier diesem Problem? Die erstaunliche Antwort: Nicht etwa Latex oder Kaltschaum machen hier das Rennen, sondern Federkern, in diesem Fall hochwertiger Tonnentaschenfederkern. Damit liegt das Hotel im Trend.
Federkern erlebt eine wahre Renaissance. Der Clou sind innovative, thermisch vergütete Spiralen. Vorbei sind die Zeiten quietschender Modelle, die mehr an ein Trampolin denn an eine komfortable Ruhestätte erinnerten.
Das Basismodell der Federkerne ist der sogenannte Bonnellfederkern. Er besteht aus einem System von Stahlfedern, die oben und unten miteinander verbunden sind. Deshalb können sie sich der Körperform nur bedingt anpassen.
Hochwertiger als Bonnellfederkerne sind Taschenfederkernmatratzen. Jede Feder ist in eine eigene Tasche genäht und kann deshalb individuell dem Druck nachgeben. Die übrigen Federn bleiben gespannt und stützen den Liegenden.
Besonders komfortabel sind Tonnentaschenfederkernmatratzen, auf die man auch im Schlosshotel gebettet wird. Die Federn haben eine bauchige Form und sind dadurch noch flexibler, sie haben aber auch einen stolzen Preis. Gute Modelle kosten um die 1.000 Euro pro Einzelmatratze, allerdings haben sie auch einiges zu bieten.
Federkernmatratzen gibt es mit mehreren Liegezonen. Dafür werden Federn unterschiedlicher Größe, Form und Widerstandsfähigkeit in die Matratze eingebaut. Viele Hersteller werben mit bis zu sieben Zonen. Nach Meinung vieler Experten sind aber drei Zonen ausreichend. Wichtig sind die Liegezonen im Schulter- sowie im Hüft- und Beckenbereich.
Für welche Matratze man sich auch entscheidet, das Wichtigste ist die optimale Lagerung der Wirbelsäule. Fachleute sprechen vom „axialgerechten Liegen“. Dieses wird während der Bettenberatung überprüft. Der Fachmann schaut dafür auf die Lagerung der Schulter, auf die Unterstützung im Lenden- und auf das Einsinkverhalten im Beckenbereich. Wenn alle Bereiche eine möglichst saubere Linie bilden, werden die Bandscheiben optimal entlastet.
Der Vorteil aller Federkernmatratzen ist die gute Durchlüftung. Körperbewegungen sorgen für einen Pumpeffekt und damit für einen permanenten Luftaustausch. Dadurch wird die Wärme- und Feuchtigkeitsregulation innerhalb der Matratze gefördert – ein Tipp für starke Schwitzer.
Das Federkernhighlight ist das Boxspringbettensystem, ein recht neuer Trend in Deutschland. Boxspring ist ein Bett mit zwei unterschiedlichen Federkernauflagen übereinander, ohne konventionelles Bettgestell oder Lattenrost. Die eigentliche Matratze liegt auf der sogenannten „Box“. Das ist ein Bettkasten mit integriertem Federkern, also im Prinzip eine Federkern-Untermatratze. Als dritte Schicht kommt in der Regel ein „Topper“ nach ganz oben, eine Auflage, die einen weichen und angenehmen Liegekomfort ermöglichen soll. Topper gibt es aus verschiedenen Materialien wie Latex, Schaumstoff oder Federkern.
Mit einem Topper lässt sich auch ein häufig auftretendes Ärgernis lösen: Er verdeckt die „Besucherritze“ und schafft für Paare eine gemeinsame Liegefläche trotz unterschiedlicher Matratzen.
Bekannt sind Boxspringbetten vor allem aus amerikanischen und britischen Luxushotels – auch die britische Königsfamilie soll auf das Bettsystem schwören. Mittlerweile gehört es aber auch in vielen deutschen Hotels zum Standard. Kein Wunder, dass Boxspring auch ein großes Thema auf der diesjährigen Kölner Möbelmesse war.
Besonders beliebt sind die Betten aufgrund einer Art majestätisches Schlafen und durch ihre sehr opulente Liegehöhe. Sie ermöglicht einen gelenkschonenden und bequemen Ein- und Ausstieg. Wer es besonders komfortabel wünscht, kann Boxspring auch als elektrisch verstellbare Variante erhalten.
Für die besondere Optik des Boxspringsystems sorgen exklusive Kopfteile, die austauschbar sind. Im Trend: Leder und Seide.
In einigen Onlineshops oder Versandhäusern gehört Boxspring mittlerweile zum Repertoire. Von einem Kauf auf diesem Wege ist aber abzuraten, denn auch ein Boxspringbett sollte ausreichend getestet werden. Je nach Vorliebe und Bedürfnis sollte eine optimale Obermatratze gewählt werden, die punktgenau passt.
Für gute Boxspringbetten muss man bereit sein, zu zahlen. Mehrere Tausend Euro sind nicht ungewöhnlich. Aber so viel muss man für gute Qualität natürlich nicht anlegen. Der Tipp für Sparfüchse und alle, die ihr altes Bettgestell behalten, aber Boxspringliegekomfort genießen möchten: eine Boxspringunterfederung. Verschiedene Hersteller bieten Boxspringunterfederungen aus klassischem Bonnellfederkern oder mit Taschenfederkern in diversen Höhen an. Diese Unterfederung ersetzt den Lattenrost im Bettgestell. Darauf kommen dann eine dicke Federkernmatratze plus Topper – Boxspringfeeling pur.
Matratzenkauf ist eine Wissenschaft für sich, aber es lohnt sich, viel Zeit für die Suche einzuplanen. Warum nicht mal ein Buch mitnehmen und es sich im Bettenfachgeschäft bequem machen? So spart man gewiss viel Ärger und Enttäuschung.
Karen Flunkert
Stand: 10.08.2011
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