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Servicezeit
Sendung vom 30. August 2011
Hobbythek: edle Pflege für Schuhe
Schuhe können sooo schön sein, und bei guter Pflege halten sie viele Jahre. Wichtig: eine hochwertige Schuhcreme aus natürlichen Wachsen und feinen Ölen. Die Hobbythek in der Servicezeit hat experimentiert und eine edle und zugleich preisgünstige Schuhcreme entwickelt. Ob diese auch wirklich taugt, und worauf man bei der Schuhpflege sonst noch achten soll, haben wir Axel Himer gefragt, einen Maßschuhmacher aus Köln, der seine Schuhcreme auch gerne einmal selbst zubereitet.
Bekannte Persönlichkeiten geben sich in seiner Werkstatt die Klinke in die Hand – Oliver Kahn, Ralf Möller, Jochen Mass, Erol Sander und Heiner Lauterbach, um nur einige zu nennen. Schuhpflegeseminare veranstaltet Axel Himer regelmäßig, er kennt jeden Kniff, und auch sonst macht ihm kaum einer etwas vor, wenn es um unsere Schuhe geht: „Die kommen hier an wie arme Hunde, vertrocknet, verdörrt, verbogen, einfach nicht gepflegt“, erzählt er uns. Das liegt auch an der Schuhcreme, denn wir kaufen oft die falsche, weiß Axel Himer. „In den Massepflegemitteln heutzutage ist oft ein hoher Anteil Wasser enthalten, um Fülle vorzutäuschen. Dann aber fehlen Öle und Fette, die das Leder geschmeidig halten. Dann gibt es auch diese Schnellglanzmittel, der totale Dreck, das ist eigentlich die Möglichkeit, einen Schuh zu ruinieren, kleistert die Oberflächen zu. Damit ist nichts mehr in der Tiefe drin, und der Schuh trocknet quasi aus“, so das Fazit von Axel Himer.
Unter dem Mikroskop erkennt man die natürlichen Strukturen von Leder. Das muss Wind und Wetter aushalten. Nur bei richtiger Pflege bleibt es auch atmungsaktiv. Das ist wichtig, denn unsere Füße schwitzen – aus bis zu 700 Poren pro Quadratzentimeter. Da kommt eine Menge Schweiß zusammen – 200 Milliliter, also ein halbes Glas pro Tag. „Ein absolutes Muss: Schuhe auf Spanner und auslüften lassen. Zwei Tage mindestens ist das Minimum“, erklärt uns Axel Himer nachdrücklich. Als Faustregel gilt: einen Tag tragen, zwei Tage ruhen lassen.
Außerdem benötigt man eine gute Schuhcreme, damit Lederschuhe über Jahre Form, Funktion und Glanz bewahren. Warum nicht mal selbst machen? Für glatte Leder hervorragend geeignet ist die gute alte Hartwachscreme. Sie hält Leder geschmeidig, und man kann sie in jeder Farbe herstellen. Die Zutaten bekommt man für ein paar Euro und in kleinen Mengen im Biofarbhandel, Künstlerbedarf, in Apotheken oder auch im Internet.
(für eine Dose)
5 g gebleichtes
Bienenwachs
5 g Carnaubawachs
5 ml
Rizinusöl
30 ml
ätherisches Orangenöl (Orangenschalenöl,
Orangenterpene)
5 g Pigmentpulver, zum
Beispiel Erd- und Theaterfarben, für die Farbe Weiß
Titandioxid
Öle und Wachse in ein Gefäß geben und im Wasserbad schmelzen – fertig ist die farblose Lederpflege. Für farbige Creme Pigmente hinzufügen, kräftig rühren und dann in eine ausgediente Blechdose oder ein Cremetöpfchen gießen. Bis zur Aushärtung regelmäßig umrühren, damit sich die schweren Pigmente nicht am Boden absetzen.
Die Rezeptur haben wir Axel Himer gezeigt und auch die fertige Creme: „Donnerwetter, da hat die Hobbythek ja richtig Gas gegeben. Das sind so die Top-Ingredienzien, die eine gute Schuhcreme haben sollte“, war seine spontane Reaktion.
Übrigens: Bienenwachs sorgt für edlen Glanz und schützt vor Regenwasser. Carnaubawachs hinterlässt eine harte und glatte Schutzschicht. Rizinusöl macht das Leder geschmeidig. Pigmente frischen die Farben auf. Orangenöl dient als Lösungsmittel. Es hält die Wachse streichfähig und lässt diese tief ins Leder eindringen. Ganz nebenbei löst es Schmutz und verleiht der Schuhcreme einen unnachahmlichen Duft. Im Gegensatz zum üblich eingesetzten Testbenzin oder Terpentin ist Orangenöl besonders allergikerfreundlich.
Mit einem fusselfreien Baumwolllappen ein wenig von der selbst gemachten Hartwachscreme aufnehmen und damit den Schuh einreiben. Abweichend von der eigentlichen Schuhfarbe kann ab und zu auch eine etwas dunklere Creme eingesetzt werden. Das Aussehen wird dadurch „lebendiger“. Die Creme sollte mindestens eine Stunde ins Leder eindringen und aushärten. Anschließend mit einer kurzhaarigen Bürste polieren. Der Aufwand lohnt sich, erklärt uns Axel Himer, der Maßschuhmacher: „Wenn ich ihn gut pflege, hält ein Schuh mehr als doppelt bis dreimal so lange. Der Durchschnittsbilligschuh wird dann auch seine zehn Jahre halten. Wenn man bessere Schuhe nimmt, kommen die dann in den Bereich von 20 Jahren.“
Ganz bequem geht es auch mit einer Polierhaube. Das bringt so nebenbei auch tollen Glanz auf die Schuhe. Polierhauben gibt es im Kfz-Zubehör. Man benötigt außerdem einen Akkuschrauber mit vorgesetztem Schleifteller. Die Polierhauben werden dann einfach darüber gezogen. Sie bestehen aus feinem Lammfell, und es gibt sie ab drei Euro im Baumarkt. Noch komfortabler ist eine Bohrmaschine samt Bohrständer. Kommentar von Hobbythek-Experte Axel Himer: „Ganz schön abgedreht“, und „wird schon funktionieren.“ Durch die Reibungswärme verflüssigen sich die Wachse und verteilen sich optimal. Die Oberfläche wird ultraglatt.
„Jetzt fehlt euch in der Hobbythek eigentlich noch die Krönung der Politur, das ist die Wasserpolitur“, merkt Axel Himer dann an und zeigt, wie es geht: Mit einem um die Fingerspitzen gewickelten Tuch wird zunächst ein wenig Hartwachscreme aufgenommen und diese Stelle kurz in ein Schälchen Wasser gedippt. Kreisförmig einpolieren und die Prozedur mehrmals wiederholen. „So legt man Schicht für Schicht da drüber, das hat dann hinterher einen Glanz, der an den Glanz eines Lackschuhes herankommt, der aber eine viel höhere Eleganz hat“, erläutert der Maßschuhmacher. Das Ergebnis: Lieblingsschuhe, die schön aussehen und lange halten.
Sabine Fricke und Horst Minge
Stand: 30.08.2011
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