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Sendung vom 11. Oktober 2011
Hartz-IV-Möbel
Der Berliner Architekt Le van Bo hat sogenannte Hartz-IV-Möbel entworfen und seine Entwürfe unter diesem Namen im Internet präsentiert. Die Idee dafür war ihm in einem Volkshochschulkurs gekommen, in dem er selbst das Arbeiten mit Holz lernte. Mittlerweile haben über 2.000 Interessierte die Baupläne bei ihm angefordert und weltweit nachgebaut.
„Also eigentlich habe ich den ersten Sessel für meine Verlobte gemacht, um ihr zu imponieren“, sagt Architekt Le van Bo. „Ich hätte ja nicht gedacht, dass so viele Menschen sich auf einmal dafür interessieren, was irgendein Typ in Berlin in der Volkshochschule zusammenwerkelt. Überall auf der Welt – von Australien über Mosambik bis nach Griechenland und in den USA und Kanada – werden diese Hartz-IV-Möbel gebaut. Und ich weiß gar nicht so genau, ob die Leute überhaupt wissen, was Hartz IV bedeutet. Die denken bestimmt, Hartz IV ist so ein Designerbegriff oder eine bestimmte Marke oder so.“
Wir haben Sofia, Klaus und Christian – einem Hartz-IV-Empfänger, einer Studentin und einem Studenten – dabei zugesehen, wie sie versuchten, einen Hartz-IV-Sessel zu bauen, den „24-Euro-Chair“. Dieser Sessel hat eine geschätzte Bauzeit von 24 Stunden und soll 24 Euro kosten.
Das erste Problem gab es im Baumarkt: Der 24-Euro-Chair wird aus einem Brett gebaut, dass man sich im Baumarkt zusägen lassen soll. Die Baumärkte haben aber nur bis zu einer Breite von mindestens zehn Zentimetern gesägt. Also haben sich die drei eine Handkreissäge besorgt und die kleineren Teile selbst geschnitten.
Den Bauplan haben die drei per Internet von Le van Bo bekommen. Der verschickt seine Pläne kostenlos, aber nicht umsonst. Als Gegenleistung möchte er von den Bestellern eine Geschichte: Was haben sie vor mit dem Plan, und wie sind ihre Erfahrungen? Fotos sind erwünscht!
Das kleinste und einfachste Stück aus der Hartz-IV-Kollektion ist der „Berliner Hocker“. Er wird aus einem Brett gefertigt und ist als Hocker, als Regal oder als Kindertisch einsetzbar. Der Hocker ist in zehn Minuten fertig, und das Material kostet zehn Euro.
Aufwendiger und teurer ist der „Kreuzberg 36 Chair“, vor allem für die Krümmung der Sitzfläche braucht man etwas Geschick. Dazu werden Furnierschichthölzer mit einer Schraubzwinge zu einer Rundung gezogen und gepresst. Pfiffig ist dazu die Idee eines Bestellers des Bauplans: Er hat die Sitzfläche aus alten Werbeplakaten von einer Litfasssäule angefertigt.
Das „Siwo-Sofa“ ist nicht nur ein Schlafsofa, man kann es auch als Bank benutzen. Dazu legt man einfach ein Brett auf das Gestell. Das „Siwo-Sofa“ ist besonders für kleine Einraumwohnungen gedacht. In der Mitte des Raumes platziert, hat man auf der einen Seite den Schlafbereich und auf der anderen den Wohnbereich.
Das am häufigsten nachgebaute Möbelstück ist der „24-Euro-Chair“. Die Sitzfläche und die Rückenlehne werden mit Spanngurten umspannt, sodass die Sitzkissen nicht durchfallen. Kostengünstiger und genauso haltbar sind alte Sicherheitsgurte vom Schrottplatz.
Klaus, Christian und Sofia haben sich wie bereits erwähnt an dem „24-Euro-Chair“ versucht – und sich prompt bei der Fingerverzahnung vermessen. Diese Form der Verzahnung zweier Holzstücke ist ein schwieriges Detail. Man sitzt in dem Sessel aber auch gut, wenn man darauf verzichtet.
„Die Leute, die meine Baupläne anfordern, haben unterschiedliche Ansprüche“, erläutert Le van Bo. „Manche verschrauben die Teile, manche verdübeln sie mit Holz, und manche belegen wirklich einen Kurs irgendwo in einer Schreinerei oder einer Volkshochschule oder einer offenen Werkstatt.“
Sofia, Christian und Klaus haben keinen Kurs besucht und zu Hause gearbeitet. Nach acht Stunden gemeinsamer Arbeit – also insgesamt 24 Stunden Arbeitszeit – ist der „24-Euro-Chair“ fast fertig.
Dieter Schug und Monika Geisler
Stand: 11.10.2011
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