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Sendung vom 26. Oktober 2011
Stromwechsel über Internet-Vergleichsportale
Dank verschiedener kostenloser Preisvergleichsportale im Internet ist der Stromanbieterwechsel online kinderleicht. Aber kann man den Vergleichsrechnern überhaupt trauen?
Im September 2011 wurden Vorwürfe gegen das größte Vergleichsportal „Verivox“ laut. Nach Recherchen des Handelsblatts soll das nach eigenen Aussagen unabhängige Verbraucherportal Kunden gezielt zum Energielieferanten Teldafax geführt haben. Teldafax wiederum soll Verivox im Gegenzug höhere Vermittlungsprovisionen gezahlt haben. Verivox bestreitet die Vorwürfe vehement.
Doch die Verbraucher sind verunsichert. Verivox galt und gilt als verbraucherfreundlich und unabhängig – bei einem Vergleich der Tarifrechner durch der Stiftung Warentest von 2008 wurde Verivox klarer Testsieger.
Vielen Verbrauchern ist nicht klar, dass sich die meisten Vergleichsportale neben Werbeeinnahmen auch durch Provisionen und Analysen aus Kundendaten finanzieren.
Der Markt der Vergleichsrechner ist undurchsichtig. Verivox und Co. bieten kaum Einblicke in ihre Geschäftsbeziehungen. Verbraucherschützer fordern deshalb, dass die Vergleichsportale öffentlich machen, mit wem sie kooperieren und womit sie ihr Geld verdienen. Hubertus Primus, Chefredakteur von test, fordert sogar eine Überwachung durch die Bundesnetzagentur. Auf unsere Nachfrage erklärt man uns dort: „Solange wir keinen Auftrag vom Gesetzgeber haben, können wir diesbezüglich nicht handeln.“ Die Bundesregierung strebt jedoch derzeit kein Gesetz zur Kontrolle der Vergleichsrechner an.
Wenige Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Verivox lud der Anbieter FlexStrom Energiehändler und Onlineportale zu einem „Transparenzgipfel“ ein. Verbraucherschützer standen dem Treffen jedoch skeptisch gegenüber – wohl auch wegen der vielen Beschwerden von Verbrauchern gegenüber FlexStrom, die beispielsweise der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vorliegen.
Voreingestellte Häkchen wegnehmen
Um im Ranking weit oben zu stehen, versuchen Stromanbieter, ihre
Tarife durch Rabattaktionen möglichst günstig erscheinen
zu lassen. Darunter fallen Neukundenboni, Jahresvorauszahlungen
oder Kautionen. Viele Tarifrechner unterstützen diese Praxis,
indem sie per Standardeinstellung solche Tarife ganz oben in ihrem
Ranking anzeigen. Die Verbraucher können so Tarife schlechter
vergleichen und geraten schneller an unseriöse Angebote. Daher
raten Verbraucherschützer bei der Stromanbietersuche über
diese Portale, die voreingestellten Häkchen für
Vorauskasse, Bonuszahlung und Kaution zu deaktivieren.
Konditionen des neuen Anbieters
prüfen
Nicht immer sind die Angebote im Vergleichsportal auf dem neuesten
Stand. Schauen Sie daher besser auf der Homepage des betreffenden
Stromanbieters nach, oder rufen Sie ihn direkt an und lassen sich
die Angaben des Tarifrechners bestätigen. Sie können auch
direkt bei dem Anbieter den Vertrag abschließen, wenn Sie das
wünschen.
Vergleichsportale untereinander
vergleichen
Verbraucher sollten nicht auf die Ergebnisse einer einzelnen
Plattform vertrauen. Besser ist es, die Ergebnisse von zwei oder
mehr Tarifrechnern zu vergleichen. Mitunter zeigt ein anderes
Portal noch bessere Tarife für die eigene Postleitzahl an.
Allerdings kommt es bei einigen Vergleichsrechnern auch zu
identischen Ergebnissen. Nur ein Bruchteil der vielen Portale
betreibt einen eigenen Rechner – manchmal findet der
Wechselwillige auch nur die gleichen Ergebnisse unter einem anderen
Namen.
In jedem Fall gilt: Vor dem Wechsel immer über den Anbieter schlau machen!
Hanna Beckmann
Stand: 26.10.2011
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