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Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 26. Oktober 2011
Schon BEZahlt? Vorsicht, Kaffeefahrt!
Das Logo ist bis auf einen kleinen Buchstabendreher – BEZ statt GEZ – vertrauenerweckend, und die Versprechen im offiziell aussehenden Schreiben klingen vielversprechend. Ein neuer Flachbildfernseher und ein Jahr Gebührenbefreiung winken als Kundenprämie, außerdem ein Preis in Höhe von 2.500 Euro. Da scheint es sich doch zu lohnen, zur „Gewinnübergabe“ anzureisen? Irrtum!
Denn zu gewinnen gibt es erfahrungsgemäß nichts, und wegen der dreisten Logo-Ähnlichkeit mit der Gebühreneinzugszentrale ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg. Die vermeintlichen Gewinner sollen auf eine Kaffeefahrt gelockt werden. WDR-Reporter sind mitgefahren und haben festgestellt: Wer sich zur Gewinnübergabe anmeldet, bekommt zunächst nur einen Treffpunkt mitgeteilt und wird mit dem Bus zu einem bis dahin geheimen Ort gefahren, zum Beispiel einem Landgasthof. Dort findet eine mehrstündige Veranstaltung statt, die mit den Versprechen im Brief nichts zu tun hat. Das ist typisch für solche Kaffeefahrten: Es sollen Produkte und Reisen verkauft werden.
Eine Servicezeit-Zuschauerin hat uns ihre Gewinnbenachrichtigung geschickt. Am 27. Oktober sollte die Gewinnübergabe stattfinden. Doch die Zuschauerin wurde misstrauisch.
„Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre Gebühren und haben als Dankeschön unter allen registrierten Teilnehmern eine Verlosung veranstaltet“, behauptet der Veranstalter auf der Einladung. Doch mit der Kölner Gebühreneinzugszentrale, GEZ, an die Radiohörer und Fernsehzuschauer ihre Rundfunkgebühren zahlen, hat das alles nichts zu tun. Das betont auch die GEZ: „Die GEZ hat wegen dieser Schreiben bereits vor mehr als einem Jahr Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Seit diesem Zeitpunkt warnen wir auch auf unserer Internetseite vor diesen Schreiben. Das Ermittlungsverfahren wird bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg geführt, da die mutmaßlichen Täter auf den Schreiben für die Rückantworten Postfächer aus der dortigen Region angegeben haben.“
Unklar ist noch, woher die Absender, die sich zum Beispiel hinter einem Postfach im niedersächsischen Vahren verbergen, die Adressen haben. Möglicherweise handelt es sich um Daten von Menschen, die an Preisausschreiben teilgenommen haben. Besonders dreist: Um dem Anschreiben einen amtlichen Charakter zu geben, drucken die Veranstalter private Daten wie Geburtsdatum und Handynummer auf die sogenannte „Gewinn-Ausgabe-Urkunde“ und vergeben ein „Aktenzeichen“.
Wer ein solches Schreiben erhält, sollte auf keinen Fall an der Kaffeefahrt teilnehmen, auch nicht aus Neugier, sagen Verbraucherschützer. Denn wenn man einmal in einer Verkaufsveranstaltung sitzt, ist man psychologischen Tricks und Zermürbungstaktiken ausgesetzt. Mit denen wurde schon mancher weichgekocht und zum Verkauf verleitet, der ursprünglich nur mal gucken wollte, was dort abläuft.
Informieren Sie stattdessen lieber die Polizei, damit auch andere mögliche Opfer gewarnt werden können.
Jana Tosic
Stand: 26.10.2011
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