
Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 26. Oktober 2011
Mogelpackung: Mineralwasser
Haushaltsexpertin Yvonne Willicks zeigt, wie gesund Wasser in Flaschen tatsächlich ist.
Nahezu jedes Lebewesen braucht Wasser, um zu überleben. Doch wir Menschen versäumen oftmals, regelmäßig Wasser zu trinken. Dabei bemerken wir gar nicht, wie dieses nachlässige Trinkverhalten uns im Alltag beeinflusst: Zu wenig Wasser im Körper kann die Konzentrationsfähigkeit einschränken und die Harnproduktion stören. Auch das Herz muss wesentlich mehr arbeiten, was zu Kopf- und Muskelschmerzen führt. Im schlimmsten Fall kann ein zu hoher Wasserverlust im Körper ein Nieren- oder Kreislaufversagen verursachen. Auch wenn der menschliche Körper zu mehr als 60 Prozent aus Wasser besteht, ist das Trinken von Wasser genauso lebenserhaltend wie das Atmen. Nach Ansicht vieler Ernährungsexperten sollte jeder Erwachsene zwei bis drei Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt zu sich nehmen.
Gerade die im Wasser gelösten Mineralien sind für den Körper lebensnotwendig. Kein Wunder, dass mittlerweile weit mehr als 700 amtlich zugelassene Mineralwässer um die Gunst der Kunden buhlen. Ein riesiges Angebot, das viele Verbraucher regelrecht erschlägt. Verschärft wird das Problem nicht zuletzt wegen der riesigen Preisunterschiede. So kostet ein Liter Mineralwasser beim Discounter kaum mehr als 0,20 Euro. In der oberen Preisklasse scheint es dagegen keine Grenzen zu geben. Kenner des Fachs schmecken angeblich die kleinsten Mengen an Mineralstoffen heraus und zahlen für die höchste Reinheit im Wasser bis zu 75 Euro und mehr.
Haushaltsexpertin Yvonne Willicks testet in einem Kölner Getränkemarkt die Geschmacksnerven der Kunden. Zur Wahl stehen Kölner Leitungswasser, ein mittelpreisiges Mineralwasser und ein Luxuswasser mit dem exotischen Namen „Fiji“. Letzteres kommt von den Fiji-Inseln und entspringt einer Quelle, die für ihr reines Wasser berühmt ist. Auf der Internetseite des Herstellers begründet dieser die hohe Qualität mit Aussagen wie: „Weit weg von Verschmutzung, saurem Regen und Industriemüll.“ Deshalb und aufgrund des weiten Weges bis nach Deutschland kostet das Wasser hierzulande rund fünf Euro pro Liter.
Die Kunden im Getränkemarkt bemerken keinen großen Unterschied zwischen den Wässern: Drei von zehn Testtrinkern schmeckte das Mineralwasser am besten, drei Testern das Leitungswasser und vier Testtrinkern das Fiji-Wasser. Große Unterschiede konnte aber kaum jemand erschmecken. Und Wasser für fünf Euro pro Liter würde sowieso niemand kaufen.
Warum also überhaupt Wasser kaufen, wenn es für wenig Geld aus der Leitung kommt? Immerhin kostet ein Liter Kölner Leitungswasser gerade einmal 0,0016 Euro. Da kann kein Mineralwasser mithalten.
Dass mit Wasser in Flaschen vor allem Profit gemacht wird, zeigt sich besonders deutlich beim Tafelwasser. Während im Mineralwasser die Mineralien von Natur aus enthalten sind und das Wasser direkt aus der Quelle in Flaschen abgefüllt wird, handelt es sich beim Tafelwasser um normales Leitungswasser, dem lediglich einige Mineralien künstlich beigemengt werden. Für Haushaltsexpertin Yvonne Willicks ein besonders dreister Trick der Hersteller, ihren Umsatz zu steigern. Denn ein Liter Tafelwasser kostet im Durchschnitt 0,48 Euro. Zur Erinnerung: Ein Liter Leitungswasser kostet in Köln nur 0,0016 Euro, also 300-mal weniger als Tafelwasser. Vielen Verbrauchern ist das überhaupt nicht bewusst, sie glauben, ein qualitativ hochwertiges Wasser zu kaufen.
Beim Leitungswasser ist ein Großteil der Verbraucher davon überzeugt, dass es entweder durch Kupfer, Blei oder Keime belastet ist oder zu viel Kalk enthält. Doch gerade Kalk macht Leitungswasser zum wahren Mineralienlieferanten. Der Kalkgehalt wird anhand der Wasserhärte gemessen. Je härter das Wasser, desto mehr Mineralien sind im Wasser enthalten. Für Kaffee- oder Waschmaschinen ist Kalk schädlich, zum Trinken aber geradezu ideal. Gerade in hartem Leitungswasser sind meist mehr Mineralien gelöst als im Mineralwasser (siehe die Vergleichstabelle Mineralwasser vs. Leitungswasser).
Wer es ganz genau wissen will, kann die Wasserhärte zu Hause ganz einfach selbst nachmessen. Teststreifen gibt es in Apotheken, im Aquarium-Fachgeschäft oder im Internet. Neben der Wasserhärte können mit Teststreifen auch andere Inhaltsstoffe, etwa der Kupfer- und Eisengehalt, aber auch der pH-Wert, bestimmt werden. Die genaue Zusammensetzung des Leitungswassers erfahren Kunden bei ihrem Wasserversorger. Der ist verpflichtet, Auskunft über die Bestandteile seines Trinkwassers zu geben und tut dies auch meist auf seiner Internetseite. Den Mineraliengehalt Ihres Mineralwassers finden Sie auf der Verpackung.
Unser beispielhafte Vergleich des Mineralstoffgehalts von „Cristaline“-Mineralwasser und Kölner Trinkwasser (linksrheinisch) zeigt eindeutig, dass im Leitungswasser mehr wichtige Mineralstoffe enthalten sind als in Mineralwasser:
| 1 Liter Mineralwasser "Cristaline" | 1 Liter Kölner Trinkwasser (linksrheinisch) | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Kalium | 1,6 Milligramm | 4,6 Milligramm | + 188 Prozent |
| Kalzium | 70 Milligramm | 107 Milligramm | + 53 Prozent |
| Magnesium | 2,1 Milligramm | 14,4 Milligramm | + 589 Prozent |
| Natrium | 4,4 Milligramm | 35,5 Milligramm | + 707 Prozent |
| Hydrogen-carbonat | 200 Milligramm | 268 Milligramm | + 34 Prozent |
Allerdings ist die Wasserhärte je nach Region unterschiedlich. Tatsache ist aber, dass Leitungswasser das am besten kontrollierte Lebensmittel Deutschlands ist.
Die fünf wichtigsten Mineralstoffe, die der menschliche Körper aus Wasser gewinnen kann:
Viele Wasserliebhaber, die fälschlicherweise befürchten, der Kalk in ihrem Wasser würde ihnen nicht gut tun, vertrauen auf teure Wasserfilter. Besonders beliebt: Wasserfilter der Firma Brita. Kosten für ein Standardgerät: rund 17 Euro. Der monatliche Filterwechsel kostet jedes Mal rund fünf Euro. Doch das ist reine Geldverschwendung, findet Haushaltsexpertin Yvonne Willicks. Denn kalkhaltiges Wasser ist mineralstoffreich und damit gesund. Zwar schmeckt das Wasser nach der Filterung deutlich weicher, die guten Mineralien, vor allem Magnesium und Kalzium, werden aber herausgefiltert.
Sinn machen Wasserfilter lediglich für Kaffee- oder Teeliebhaber, die den feinen Geschmack ihrer Getränke schätzen. Auch zum Schutz vor Kalkbildung in Kaffeemaschinen, Wasserkochern und ähnlichen Geräten sind Wasserfilter zweckmäßig. Durch den Kalkabbau leiden die Geräte seltener an Kalkablagerungen, sodass die Kochstellen an den Geräten reibungslos funktionieren können und weniger Strom verbrauchen.
Sebastian Schiller
Stand: 26.10.2011
Seite teilen