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Servicezeit
Sendung vom 12. Dezember 2011
Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn AG
Seit gestern gilt ein Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn AG, und mit dem Stichtag 11. Dezember 2011 erhöht die Bahn auch ihre Preise – im Durchschnitt um 3,9 Prozent. Fahrgastverbände kritisieren, dass die Bahn zwar teurer werde, aber nicht besser. Im Gegenteil: Der Service verschlechtere sich, weil die Bahn ihre Kundenzentren abbaut. Die Reservierungen werden teurer, genauso wie die BahnCard für Vielfahrer.
Bestärkt wird dieser Vorwurf durch eine aktuelle Untersuchung der Kollegen des NDR-Magazins Markt: Auf Sitzen, Armlehnen und Türöffnern fand man durch eine mikrobiologische Untersuchung jede Menge gefährliche Keime und Bakterien – vermutlich dank unzureichender Reinigung.
Weniger Kundendienst, stattdessen höhere Preise: „Das macht die Bahn genauso wie jeder andere Unternehmer auch: Da, wo es richtig Kohle zu verdienen gibt, schlägt er eher etwas mehr zu“, so Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Auf eine Anfrage zu Preisbeispielen für viel befahrene Strecken gibt die Bahn keine Antwort. Auch zu einem Interview ist der Logistikriese nicht bereit: „Aus Kapazitätsgründen“, so ein Sprecher.
Die Preiserhöhungen rechtfertigt die Bahn mit gestiegenen Energie- und Personalkosten. Dabei setzt sie seit Jahren auf energieeffiziente Techniken. Der Energieverbrauch liegt bei unter zehn Prozent der Gesamtkosten. Auch am Personal spart die Bahn seit Jahren. Künftig sollen auch in den Reisezentren 700 Stellen abgebaut werden. Denn laut Bahn kauft ein Großteil der Kunden Tickets heute online.
Zwei Rentnerinnen machen für uns einen Ticketkauftest. Ihre Aufgabe: Ohne Hilfe ein Ticket am Automaten ziehen. Für Gerda und Luise ist es das erste Mal. Zu groß war bisher ihr Respekt vor der Technik. Nach wenigen Sekunden schon die ersten Probleme: das Menü zu unübersichtlich, die Beschreibung der einzelnen Punkte zu diffus.
Immer wieder müssen sie „Hilfe“ drücken und im Menü zurückgehen. Mehr als 15 Minuten brauchen die beiden Frauen, bis sie das Bezahlmenü erreichen – was ihnen nur durch gegenseitige Unterstützung gelingt.
Luises Fazit: „Das Ganze verwirrte zu sehr. Man wusste nicht genau, wo man drücken sollte, und dann haben wir auch oft auf Wiederholung gedrückt, damit wir das richtig hinkriegten. Aber im Nachhinein braucht es nur etwas Übung, würde ich sagen. Es geht nicht einfach so aus dem Stehgreif.“
Für Gerda ist klar: „Noch fahre ich Auto, aber ich will auch im Alter noch wegfahren, und dann bin ich auf die Hilfe und den Service der Bahn angewiesen.“
Eine Platzreservierung kostet künftig 4 Euro – also 1,50 Euro mehr.
Die Sparpreise 25 und 50 fallen künftig weg.
Auch die Gültigkeitsdauer der verbleibenden Sparpreistickets ändert sich. Das Ticket ist nicht mehr zwei Tage, sondern nur noch bis 10.00 Uhr des Folgetages gültig.
Mitfahrer bei Sparpreistickets zahlen nicht – wie bisher – nur 50 Prozent, sondern den Gesamtpreis minus 9 Euro Preiserlass. Ein Rechenbeispiel: Heute fahren Gerda und Luise mit einem Sparpreis von 59 Euro. Sie zahlen zusammen hin und zurück ohne BahnCard 177 Euro, denn Luise bekommt als Mitfahrerin 50 Prozent Rabatt. Nach der Preiserhöhung bekommt sie nur noch 9 Euro Rabatt. Für die gleiche Fahrt zahlen die beiden zukünftig also 218 Euro – also 23 Prozent mehr. Auch bei den BahnCards hat der Logistikriese ordentlich draufgeschlagen.
Die Bahn bietet auf ihren Internetseiten den sogenannten Sparpreisfinder an. Hier wird man auf der Suche nach einem günstigen Ticket oft fündig. Meist muss man sich dann allerdings auf bestimmte Züge festlegen und kann nicht spontan einen Zug früher oder später nehmen.
Wenn Sie für Ihren Ziel- oder Ausgangsbahnhof kein günstiges Ticket mehr bekommen, versuchen Sie einen leicht abweichenden Bahnhof. Wählen Sie beispielsweise eine Haltestelle vor Ihrem eigentlichen Ausgangsbahnhof. Hier bekommt man dann manchmal noch ein günstigeres Ticket. Aber aufgepasst: Ihre Platzreservierung gilt dann ab dem neuen Ausgangsbahnhof und für maximal 15 Minuten. Danach verfällt die Reservierung.
Wenn Sie bei Ihrer Reise zeitlich etwas flexibler sind, nutzen Sie im Fernverkehr andere Züge, beispielsweise eine Kombination aus RE-Zug und IC. Diese sind in der Regel wesentlich günstiger als die ICE-Züge. Und auf einigen Strecken sind sie erfahrungsgemäß nicht wirklich langsamer.
Ab Januar bekommt die Bahn Konkurrenz: Dann sind in Deutschland auch Fernbuslinien gesetzlich erlaubt. Sie dürften zwar länger brauchen, dafür aber auch wesentlich günstiger sein. Experten vermuten, dass die Buslinien vor allem auf den sogenannten Rennstrecken der Bahn eine günstige Alternative anbieten werden.
Lena Wendt
Stand: 12.12.2011
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