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Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 13. Dezember 2011
Spekulationen mit Lebensmitteln
Weihnachtszeit ist Spendenzeit, viele helfen dann gerne. Doch kaum einer ahnt, dass seine Spenden verpuffen, weil er gleichzeitig über seine eigenen Geldanlagen zum Hunger in der Dritten Welt beiträgt. Denn Banken treiben mit Spekulationen die Lebensmittelpreise in die Höhe – so zum Beispiel bei Weizen, Reis oder Mais. Das zumindest kritisieren foodwatch, Misereor und die Deutsche Welthungerhilfe in eigenen Studien.
Einer der schlimmsten „Hungermacher“ ist nach Ansicht von foodwatch die Deutsche Bank: Sie sei die größte und habe ihren Kunden 2004 als erste in Deutschland Spekulationsgeschäfte mit Lebensmitteln verkauft. Dabei wirbt sie mit sogenanntem „Banking on Green“, und ihr Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann sagte noch vor wenigen Monaten in einem Vortrag mit dem Titel „Ethik der Geschäfte“: „Alle unsere Geschäfte müssen nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch einwandfrei sein. Davon dürfen wir keine Ausnahme dulden.“
Aber die Deutsche Bank handle nicht so ethisch, wie versprochen, so der Vorwurf von foodwatch in einer vor Kurzem gestarteten Kampagne. Denn gerade sie spekuliere über Geldanlagen ihrer Kunden in Lebensmittelrohstoffe, erhöhe künstlich die Nachfrage und treibe so die Lebensmittelpreise in der Dritten Welt in die Höhe.
Auf Nachfrage der Servicezeit teilt die Deutsche Bank mit, sie prüfe diesen Vorwurf – und das schon seit Wochen, und es werde noch weitere Wochen dauern. Des Weiteren erklärt sie: „Sollten sich dabei ausreichend Belege für die Behauptung von foodwatch finden, werden wir entsprechende Konsequenzen daraus ziehen.“
Bis zum Ende ihrer Prüfung laufen die Geschäfte der Deutschen Bank mit Lebensmittelspekulationen weiter.
Sogar genossenschaftliche Volks- und Raiffeisenbanken sowie kommunale Sparkassen mischen bei solchen Geschäften mit. Zum Beispiel Union Investment, Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Diese teilte beispielweise ihren Kunden in ihrem „Investment Ticker“ noch im August dieses Jahres mit: „In den letzten Wochen setzte das Fondsmanagement bei Mais und Zuchtvieh mit Erfolg auf steigende Notierungen und konnte in diesen beiden Sektoren von den Wetterkapriolen in den USA profitieren.“
Dennnoch wehrt sich Union Investment gegenüber der Servicezeit gegen den Vorwurf, Lebensmittelpreise in der Dritten Welt in die Höhe zu treiben. Solche Vorgänge würden ständig geprüft. Bisher aber offenbar ohne Folgen für Spekulationsgeschäfte mit Lebensmitteln. Denn solche Anlagen werden von Union Investment auch weiterhin angeboten.
Auch mit dabei: die DekaBank, Fondsgesellschaft der Sparkassen. Auch sie teilt der Servicezeit mit, sie prüfe diese Geschäfte. Und, so wörtlich: „Sollten sich die Zusammenhänge eindeutig belegen lassen, wird die DekaBank die entsprechenden Konsequenzen für sich ziehen.“
Auch hier keine Angaben, bis wann die Prüfung beendet ist – und natürlich läuft das Geschäft auch hier erst einmal weiter.
Doch es gibt auch Banken, die nicht mit Lebensmittelrohstoffen spekulieren. Ein Beispiel, so der foodwatch-Experte Harald Schumann, sei die größte französische Bank BNP Paribas, die aus ethischen Gründen aus diesem Geschäft ausgestiegen sei.
Auch in Deutschland gibt es Banken, die saubere Geldanlagen anbieten. Informationen dazu gibt es zum Beispiel bei Ökotest und Finanztest.
H.-C. Schultze und Gregor Witt
Stand: 13.12.2011
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