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Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 13. Dezember 2011
Bobby-Car: das Leid mit dem Radwechsel
„Das kann doch nicht so schwer sein“, dachte sich Servicezeit-Moderator Dieter Könnes, als er zu seiner neuesten Mission aufbrach. Das Ziel: sich selbst und anderen lärmgeplagten Eltern die Weihnachtsruhe zu retten! Denn auch sein Nachwuchs steht auf Bobby-Cars, die kleinen, meist roten Flitzer für das Kinderzimmer. Seit knapp 40 Jahren gehören sie zu den beliebtesten Rennern der „Pampers-Liga“, mit einem Haken: die „Rennrunden“ auf Parkett und Fliesenboden gehen gewaltig auf die Ohren!
Aber glücklicherweise gibt es ja sogennante Flüsterreifen im Angebot. Also nichts wie runter mit den alten Schlappen und rauf mit brandneuen Flüsterreifen – einfach wechseln und entspannen, oder? So hatte sich das auch Dieter Könnes gedacht. Aber ist der Reifenwechsel wirklich ein Kinderspiel?
Erster Boxenstopp bei Familie A. Auch Papa Ali hat zwei Bobby-Car-begeisterte Kinder – und Parkettboden. Das ergibt eine ohrenbetäubende Kombination. Neben den Ohren leidet aber auch das Holz unter den Hartplastikreifen des Bobby-Car. „Ich habe schon öfter gedacht, warum ich nicht Teppich verlegt habe“, gesteht der Familienvater.
Aber Gott sei Dank ist ja Dieter zur Stelle. Der hat die Lösung mitgebracht: Flüsterreifen, die durch ihre spezielle Gummimischung deutlich leiser sind. Also ran ans Werk. Zwei Männer, ein Bobby-Car: Das sollte kein fünf Minuten dauern.
Bobby-Car-Hersteller BIG liefert eine nach eigenen Angaben „leicht verständliche Montageanleitung“ mit. Mit einem Hammer und einer ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen „Klopfhilfe“ – einem kleinen Metallrohr – sollen die Verschlusskappen (bei Bobby-Car Hutclips genannt) der Räder aufgeschlagen werden. Im Internet schreibt die Firma: „Schlagen Sie mit einem Hammer fest auf die Metallklopfhilfe, bis sich die Krallen des Hutclip lösen. Entfernen Sie den Hutclip mithilfe eines Schlitzschraubenziehers. Danach können Sie das Rad entfernen.“
Doch erstmal tut sich nichts! Egal, wie oft Dieter und Ali die Hutclips mir Schlägen traktieren, die Kappen halten die Räder eisern fest.
Der Einsatz von Alis Metallsäge macht das Ganze zwar gefährlicher, aber nicht erfolgreicher. Im Internet empfiehlt der Bobby-Car-Hersteller den Einsatz einer Bohrmaschine (!), um die Verschlüsse aufzubohren. Aber das erscheint unseren beiden Hobbymechanikern zu Recht dann doch zu gefährlich. Das Risiko, mit dem Bohrer von den Metallkappen abzurutschen, ist zu groß.
Eine Suche im Internet zeigt Ali und Dieter immerhin: Sie sind nicht allein. In Elternforen finden sich unzählige Einträge von verzweifelten Eltern, wie: „Sind wir einfach zu blöd dafür?“
Dieter macht sich samt Bobby-Car auf den Weg zur Fachhochschule Köln. Hier hat das Team von FH Köln Motorsport seine Garage. Die Studenten sind mit ihrem Renner beim Langstreckenpokal auf dem Nürburgring im Einsatz. Dort erledigen sie den Reifenwechsel im Handumdrehen.
Doch am Bobby-Car beißen auch sie sich die Zähne aus. So sehr sich die drei Mechaniker auch mit Hammer, Metallklopfhilfe und Schraubenzieher bemühen: Die Kappen bleiben dran. Wie war das noch in der Anleitung? Ganz einfach?
Und dann der Skandal! Hersteller BIG hat das auch so geplant. Auf Anfrage der Servicezeit antwortet die Firma: „Wir wissen, dass sich die sogenannten Hutclips des BIG-Bobby-Car für den Reifenwechsel nur schwer lösen lassen. Das ist unsererseits auch ganz bewusst so konzipiert (...), so soll es nur Erwachsenen möglich sein, die Hutclips zu entfernen.“
Dieters letzte Hoffung: eine Bobby-Car-Expertin. Beate Mockschan aus Odenthal bei Leverkusen fängt da an, wo „Mann“ verzweifelt die weiße Fahne hisst! Hier, in der ländlichen Diaspora, residiert ihr Onlineshop www.hierfindestdu.com, das Mekka für die Tuningszene des Wohnzimmerboliden. Seit über acht Jahren tunt sie mittlerweile die roten Flitzer – und weiß deshalb um das Hersteller-gemachte Reifenproblem. „Wir kriegen viele Anrufe von Eltern, die mit der Anleitung von BIG nicht weiterkommen“, erzählt Beate.
Ihr Tipp: eine handelsübliche Monierzange. „Damit greifen Sie mit einer Seite unter den Rand, mit der anderen Seite über diese Manschette des Clips und ziehen sie hoch. Das ist ein bisschen so, als wenn sie eine Apfelsine schälen.“ Dieter setzt die Zange an, zieht und ruckelt hin und her – und dann schließlich ist der erste Hutclip ab. Der Rest wehrt sich tapfer, aber am Ende bekommt Dieter mit der Zange alle herunter und die neuen Flüsterreifen drauf.
Könnes hat gekämpft – und gewinnt den Familienfrieden! Auch wenn es nur um ein vergleichsweise kleines, rotes Rutscheauto ging. Aber das bedeutet immerhin die Welt für seinen Nachwuchs!
Einer ruhigen Weihnacht steht damit – ausgedehnte Langstreckenrennen um den Tannenbaum hin oder her – auch am heiligen Abend nichts mehr im Wege, getreu dem Motto: „Stille Nacht, heilige Nacht.“
Steffen Berner
Stand: 13.12.2011
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