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Laserdrucker: die verharmloste Gefahr

  • SendeterminMittwoch, 14. Dezember 2011, 18.20 - 18.50 Uhr.
  • WiederholungsterminDonnerstag, 15. Dezember 2011, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.).

Trotz schlechter Büroluft können jetzt viele Menschen aufatmen, die glauben, von Laserdruckern krank geworden zu sein. Denn nun wurde erstmals nachgewiesen, dass Lungenzellen genetische Schäden aufweisen, wenn sie den Emissionen von Laserdruckern und -kopierern ausgesetzt sind.

Laserkopierer im Labor
Eine aktuelle Untersuchung belegt nun zweifelsfrei die krankmachende Wirkung von Tonerstäuben.

Für die Betroffenen sind diese Ergebnisse enorm wichtig, da sie erst jetzt eine wissenschaftliche Grundlage für ihre Beschwerden haben, an deren Ursache immer noch gezweifelt wurde. Betroffen sind insbesondere Menschen, die allergisch vorbelastet sind und die ein angegriffenes Immunsystem haben.

Mehr als 2.500 Menschen krank durch Lasergeräte

Die Innenraumluft ist mit vielen Stoffen belastet, zum Beispiel mit Ausdünstungen aus Möbeln oder Teppichen. Wenn dann noch die Emissionen aus Laserdruckern oder -kopierern hinzukommen, klagen viele Menschen immer häufiger über geschwollene Nasenschleimhäute, Hustenanfälle und Kopfschmerzen. Viele leiden unter psychischen Problemen. Die Stiftung nano-Control führt mehr als 2.500 Betroffene in einer Datei, die durch Tonerstäube und Lösemittel aus Lasergeräten offenbar krank geworden sind.

Betroffener bei einer Lungenuntersuchung mit einer Atemmaske
Viele Menschen, die Emissionen aus Laserdruckern ausgesetzt sind, klagen über Atemwegs-beschwerden und Kopfschmerzen.

Siegel „Blauer Engel“ bezieht sich nicht auf den Partikelausstoß

Viele Menschen konnten nicht nachvollziehen, warum sogar Geräte mit dem Ökolabel „Blauer Engel“ diese ultrafeinen Partikel, die sich in der Lunge festsetzen können, auspusten. Doch das Umweltzeichen bezieht sich auf andere Bereiche, etwa auf einen geringen Energiebedarf oder den leisen Betrieb, nicht aber auf die Partikelemissionen.

Diese hat die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) erst jetzt untersucht. Ergebnis: Es gibt Laserdrucker, die bis zu 7,6 Milliarden Partikel pro gedruckter Seite ausstoßen. Die Unterschiede bei den untersuchten Geräten sind enorm. „Es gibt Drucker, die 100.000-mal mehr emittieren als andere“, so der Leiter der Untersuchung. Auf Grundlage dieser Untersuchung wird es ab dem Jahr 2013 auch einen „Blauen Engel“ für emissionsarme Geräte geben.

Die Namen derjenigen Drucker, die die BAM im Herbst 2011 auf ihre Emissionen hin untersucht hat, werden erst veröffentlicht, wenn 2013 der „Blaue Engel“ für Emissionen vergeben und eingeführt wird.

Bundesumweltministerium verharmlost Gefahren

Viel zu spät, klagt nano-Control. Seit zehn Jahren bemüht sich die Stiftung um Aufklärung und Schutzmaßnahmen. Und tatsächlich ist sehr wenig geschehen. Das Bundesumweltministerium ( BMU) verharmlost die möglichen Gefahren ebenso wie die Gerätehersteller. Das BMU schreibt uns, dass von den Druckern „keine sicher identifizierbaren, gesundheitlichen Gefahren ausgehen.“ Das sieht der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien BITKOM genauso. Es seien „bei bestimmungsgemäßem Gebrauch der Geräte keine Gesundheitsrisiken zu erwarten.“

Schild "BITKOM"
Offizielle Stellen wie das Umweltministerium oder der BITKOM verharmlosen bislang die Gefahren.

Arbeitgeber lehnen Geräteaustausch ab

Das klingt für die Betroffenen wie Hohn. Sie kämpfen oftmals alleine in den Betrieben für einen Austausch der Lasergeräte oder eine Versetzung in ein anderes Büro. Leider vielfach vergeblich. Denn die Arbeitgeber machen sich die Bewertungen der Behörden und der Industrie zu eigen. So schreibt uns ein Arbeitgeber: „Nach unserer Kenntnis wird sowohl von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin als auch dem Bundesinstitut für Risikobewertung als auch von der Berufsgenossenschaft die Auffassung vertreten, dass beim derzeitigen Wissensstand und bei bestimmungsgemäßem Betrieb eine Gesundheitsgefährdung der Mitarbeiter durch Tonerstaub ausgeschlossen werden kann.“

Auch Joachim Stelting von der Stiftung nano-Control kennt die Ablehnung der Arbeitgeber. Für ihn ist aber klar, „dass Arbeitsmediziner, Betriebsärzte und Berufsgenossenschaften da an einem Strang ziehen. Es geht ums Geld.“ Denn würden die Beschwerden als Krankheit anerkannt, müssten die Berufsgenossenschaften zahlen. Außerdem verursacht der Austausch der Lasergeräte oder die Schaffung eines zentralen Kopier- und Druckraumes erhebliche Kosten, die viele Arbeitgeber scheuen.

Verschiedene Druckermodelle
Auch viele Arbeitgeber reagieren bislang nicht auf die Hinweise von Mitarbeitern. In den seltensten Fällen werden Geräte ausgetauscht.

Lungenschädigungen erstmals beleg- und messbar

Mit den neuesten Untersuchungen und der neuen Studie zum Thema „Emissionen aus Laserdruckern“ wird der Zusammenhang zwischen Partikelemissionen und Erkrankungen aber immer deutlicher. Das sieht auch der Toxikologe Dr. Hermann Kruse so: „Wir haben zum ersten Mal den ganz deutlichen Beleg dafür, dass die Partikel, freigesetzt aus den Laserdruckern, bei den Lungenzellen Schäden anrichten können, die belegbar und messbar sind.“

Eine große Hoffnung für die Betroffenen im Kampf um die Anerkennung ihrer Krankheit.

Autor:

Rainer Mueller-Delin

Stand: 14.12.2011


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