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Altkleider: Neue Ideen für alte Kleider

  • SendeterminMittwoch, 04. Januar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.
  • WiederholungsterminDonnerstag, 05. Januar 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.).

Der Winter steht vor der Tür, Platz für die dicken Pullis muss her! Aber was tun, wenn der Kleiderschrank ohnehin schon überquillt?

Jedes Jahr fallen in Deutschland 750.000 Tonnen an gebrauchter Kleidung an. Vieles ist eigentlich zu schade, um im Müll oder in einem x-beliebigen Altkleidercontainer zu landen. Denn ein Großteil der Sachen aus dem Container wird am Ende geschreddert und nur noch als Rohstoff genutzt. Umweltfreundlicher und auch finanziell ergiebiger ist es, sich Zeit zu nehmen und den Kleiderschrank etwas kritischer auszusortieren. Denn für fast jedes Kleidungsstück gibt es die passende Lösung.

Ausrangierte Kleidung
Was tun, wenn der Kleiderschrank überquillt? Für fast jedes aussortierte Kleidungsstück gibt es eine passende Lösung.

Verkaufen im Netz

Das schicke Abendkleid zum Beispiel, für das der Anlass fehlt, noch einmal getragen zu werden: Hier sollte man sich schnell entscheiden, ob es weg soll, denn am leichtesten und zum besten Preis wird man es los, bevor es unmodern geworden ist.

Eine Möglichkeit: das Kleid über Internetportale anbieten. Der Klassiker eBay ist allerdings nur für Menschen empfehlenswert, die sich gerne mit der digitalen Welt beschäftigen und sich gut auskennen. Denn das Kleidungsstück muss ansprechend fotografiert und richtig im Internet platziert werden, um unter Tausenden Angeboten überhaupt Interesse zu wecken, und selbst dann ist nicht gesichert, wie viel Geld es bringt. Die Auktion ist Glückssache, manchmal sind die Gebote schmerzhaft niedrig. Außerdem werden zusätzlich Gebühren fällig, und man muss sich in der Regel selbst um den Versand kümmern.

Weniger Risiko geht man bei Internetportalen ein, die nicht mit Auktionen, sondern mit Festpreisen arbeiten, so zum Beispiel kalaydo. Dort kann man festlegen, dass man zum Beispiel 50 Euro für das Abendkleid haben will und nur zu diesem Preis verkauft. Das Ganze funktioniert ähnlich wie eine Kleinanzeige in der Zeitung, auch dafür muss man natürlich das Kleid fotografieren. In der Regel holen die Käufer die Ware persönlich ab. eBay nimmt die Konkurrenz solcher Seiten mittlerweile ernst und bietet nach ähnlichen Spielregeln neuerdings als „Parallelkosmos“ zur großen eBay-Welt ein eigenes, kostenloses Kleinanzeigenportal an.

Internetbild: Angebot eines gebrauchten Abendkleides im Internet
Praktisch ist der Verkauf über das Internet. Neben Auktionsportalen wie eBay gibt es auch solche, die mit Festpreisen arbeiten.

Klamottentausch mit eigener Währung

Möchte man kein Geld, sondern schlichtweg ein anderes Kleidungsstück, kann man es bei einer Internettauschbörse wie „Webtauschen“ probieren. Dort bekommt man für das eingestellte Kleid Tauschpunkte, mit denen man sich etwas Neues aussuchen kann. Ob es allerdings etwas Passendes gibt, ist natürlich nicht sicher.

Tauschen kann man nicht nur im Internet. Sogenannte Swap-Partys gibt es mittlerweile in jeder Großstadt. Dorthin bringt man einfach die Kleidung mit, die man nicht mehr haben möchte und erhält dafür Tauschpunkte, die man dann gleich vor Ort wieder umsetzen kann. Je moderner und besser erhalten die Kleidung ist, desto mehr Punkte gibt es.

Frauen bei einer Kleidertauschbörse
Tauschpartys, sogenannte Swap-Partys, gibt es mittlerweile in jeder Großstadt.

Abgeben in die zweite Hand

Ein Klassiker für gebrauchte Kleidung sind natürlich Floh- und Trödelmärkte. Doch das bedeutet wieder Aufwand. Am Anfang steht die Recherche, denn die Märkte sprechen unterschiedliche Zielgruppen an, und nicht jeder Markt eignet sich für den Verkauf von Kleidungsstücken. Schließlich muss man früh am Platz sein, eine Standmiete zahlen und sich etwas einfallen lassen, damit die eigenen Stücke auffallen. Auch hier ist ein guter Preis am Ende eine Sache von Zufall und Glück.

Secondhandläden sind eine Alternative. Auch da gibt es heute längst nicht mehr nur alte, verstaubte Geschäfte, sondern viele Spezialisierungen – hübsch präsentiert. Zum Beispiel gibt es Läden nur für Kinderkleidung oder für teure Designerware. Man findet kleine Läden und sogar ganze Ketten, die damit ihr Geschäft machen. Meistens gibt man seine Kleidung für eine bestimmte Zeitspanne in Kommission. Der Verkaufspreis wird gemeinsam festgelegt. Allerdings bekommt man vom Verkaufspreis nur die Hälfte. Die andere Hälfte streicht der Laden ein. Also sollte man sich vorher gut überlegen, ob man sich über diese Gewinnverteilung später ärgern wird. Denn der eigene Erlös ist am Ende meist niedriger als beim Internetverkauf.

Wenn die Ware im festgelegten Zeitraum nicht verkauft wird, kann man sie wieder abholen und woanders einen neuen Versuch starten. Man kann sie auch dem Secondhandladen überlassen, damit er sie an karitative Einrichtungen weiterreicht.

Secondhand-Laden
Secondhandläden verkaufen für den Kunden die Kleidung und bekommen dafür die Hälfte des Erlöses.

Altkleider: Sammelaktionen und Container

Selbst wenn man einen ganzen Haufen unliebsam gewordener Kleidung einfach nur schnell loswerden will, um Platz zu schaffen, sollte man genau schauen, wohin man die Sachen gibt. Besonders dann, wenn man damit noch etwas Gutes tun möchte. Denn nicht jeder Altkleidercontainer ist so karitativ, wie er vielleicht erscheint.

Es gibt mittlerweile viele gewerbliche Kleidersammler, die einen karitativen Zweck nur vorgaukeln. Hinter wohlklingenden Namen wie „Kinderhilfe“ oder „Babynothilfe“ können betrügerische Geschäftemacher stecken. Eine Altkleidersammlung ist nicht genehmigungspflichtig und deshalb auch nur schwer zu kontrollieren. Tipp: Genau hinschauen, ob am Container oder auf den verteilten Säcken für eine Sammlung ein ausführlicher Kontakthinweis geschrieben steht. Angegebene Webseiten zu Hause ruhig einmal kritisch absurfen und das Impressum lesen. Oft ist auch nur eine Handynummer angegeben, die sich bei einem Anruf als nicht vergeben herausstellt oder unter der man auf eine volle Mailbox geleitet wird. Vorsicht ist auch bei Sammlungen mit Wäschekörben oder Tonnen geboten. Hier sind viele gewerbliche Sammler am Werk, die einen real existierenden Vereinsnamen samt Logo gemietet haben und damit schlicht Missbrauch betreiben.

Weniger Gedanken muss man sich machen, wenn das Logo von „FairWertung“ zu sehen ist, dem Dachverband der Altkleidersammlungen, der eine faire, karitative Verwertung garantiert.

Aber selbst wenn der Anbieter seriös ist, kann beim Altkleidercontainer noch eine Menge schief gehen. Leider entsorgen immer wieder Menschen ihren Hausmüll und Bauschutt in Altkleidercontainern, sodass ein großer Teil der Kleidung verschmutzt und damit nicht mehr zu gebrauchen ist. Zudem sind viele der gesammelten Kleidungsstücke in den Containern minderwertig, schon aufgrund billiger Stoffzusammensetzungen mit hohem Polyesteranteil.

Altkleidercontainer
In Altkleidercontainern entsorgen leider immer wieder Menschen ihren Müll und Schutt, sodass die Kleidung dadurch unbrauchbar wird.

Manchmal taugt die Kleidung tatsächlich nur noch dazu, mithilfe des Reißwolfs zerkleinert und zu Putzlappen für die Industrie recycelt zu werden. Nach Angaben von FairWertung betrifft das etwa 16 Prozent der gesammelten Textilien. Etwas mehr, circa 21 Prozent, werden zu anderen Recyclingprodukten weiterverarbeitet. Rund 20 Prozent ist Abfall, er landet in der Müllverbrennungsanlage und wird im besten Fall noch zur Energiegewinnung eingesetzt.

Wer gut erhaltene Kleidung in den Container wirft, muss daher wissen: Jedes Teil muss aufwendig und kostspielig per Hand aus dem Haufen herausgefischt werden, bevor es zum Beispiel an Bedürftige weitergegeben oder verkauft werden kann, um mit dem Erlös einen guten Zweck zu unterstützen.

Spenden an ein Sozialkaufhaus

Ein Sozialkaufhaus ist eine gute Adresse, um Kleidung direkt an Bedürftige zu geben. Denn Hartz-IV-Empfänger können hier besonders günstig einkaufen. Gut erhaltene Saisonware wird gerne genommen. Manche Sozialkaufhäuser nehmen auch Kleinmöbel, Geschirr und andere Haushaltswaren an, auch elektrische. Viele Sozialkaufhäuser bieten einen kostenlosen Abholservice. Oft kann man doppelt Gutes tun, denn die Arbeitskräfte werden hier qualifiziert, um sie wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Träger von Sozialkaufhäusern sind in der Regel Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder Sozialämter. Sozialkaufhäuser funktionieren ähnlich wie Kleiderkammern. Dort werden die Textilien aber meist sogar kostenlos an Bedürftige abgegeben.

Verkaufsfläche in einem Sozialkaufhaus
Sozialkaufhäuser werden in der Regel von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen oder Sozialämtern betrieben.

Aus Alt mach Neu

Eine Idee für ganz ausgefallene Schrankschätzchen, die in ihrer jetzigen Form aber eben doch nicht mehr gefallen, ist das Mode-Recycling, eine kleine Frischzellenkur für Schrankhüter. Denn mit wenig Aufwand, ein paar Knöpfen hier, einer schicke Borte dort, kann alte Kleidung wieder aufgepeppt werden. Samt-Applikationen, kleine Stickereien, glitzernde Pailletten oder aufgenähte Federn – nur der eigene Geschmack setzt hier die Grenzen, entweder selbst gemacht oder vom kreativen Änderungsschneider. Dieser ist immer eine Option, wenn es darum geht, Kleidungsstücke an die aktuelle Mode anzupassen.

Manchmal wird auch gleich etwas ganz Neues daraus. Viele junge Designer haben sich darauf spezialisiert, aus alten, ausgefallenen Stoffen neue Produkte wie Gürtel oder Taschen zu machen. Das ist vor allem eine gute Lösung für Stoffe mit ideellem Wert, etwa das Kleid der Oma oder die Babydecke. Designer mit solchen Angeboten finden sich in jeder größeren Stadt. Nicht immer haben sie eigene Geschäfte, oft vermarkten sie ihre Produkte über das Internet und mieten Fächer in mehreren Shops an, um zusammen mit anderen Kreativprodukten zu werben. Und manchmal gibt es dort sogar Angebote wie Nähworkshops, in denen man lernt, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Eine gute Sache, gerade in puncto Nachhaltigkeit.

Aus zwei Hemden kann man so zum Beispiel ein neues, mehrfarbiges nähen. Ein Hingucker! Aber auch eine Tasche aus einer Jeans oder Röcke aus alten Leinenbeuteln, Kleider aus Decken, Bettlaken oder Gardinen sind machbar.

Selbst die Stoffreste, die bei der Umarbeitung anfallen, lassen sich verwerten. Eine Brosche oder Ansteckblume ist schnell gemacht – zum Beispiel aus Baumwolle, Jersey und einem Lederknopf. Natürlich kostet es Geld, wenn man einen Designer an seine abgelegten Kleider heranlässt. Aber heraus kommt eine schickes neues Modestück, das eben nicht von der Stange ist und das garantiert niemand sonst hat. Wer eine Idee zum Umstyling eines alten Teiles hat und ihr noch nicht so recht traut, kann seine Kleiderschrankhüter einfach auch erst einmal anders anziehen oder drapieren als gewohnt, um mit der „Modechirurgie“ warm zu werden: Kleider zum Beispiel als Top zu Jeans tragen.

Ein fast schon nahtloser Übergang vom Mode-Recycling zur Recycling-Mode, die zurzeit schwer in Mode ist. Dabei entsteht neue Mode nicht aus alter Kleidung, sondern aus ganz fremdem Material: Taschen aus Lkw-Planen, Kleidung aus Bergarbeitertüchern etc. Selbst namhafte Hersteller fertigen Kleidung aus recyceltem Müll.

Und schließlich: Auch die alte, löchrige Socke kann zu Hause noch dienlich sein – als Polierlappen beim Schuheputzen zum Beispiel. Und mit dem durchgelegenen Bettlaken lassen sich prima Fenster putzen oder Schränke für Malerarbeiten abdecken.

Noch eine Anregung zum Schluss: Vielleicht gibt es eine Freundin, die auf das ausrangierte Kleidungsstück schon immer scharf war? So hätte man dann schon ein kleines, persönliches Geschenk – und gleichzeitig Platz geschaffen.

Autoren:

Silke Hempel und Christian Schön

Links:

Stand: 04.01.2012


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