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Sendung vom 05. Januar 2012
Window Gardening: Fenster als Kräutergarten
Mitten in der Großstadt eigene Kräuter und Gemüse anbauen? Sehen, wie die Lebensmittel wachsen, und wissen, was man isst? Die Amerikanerin Britta Riley hat es vorgemacht. Am sonnigen Fenster baute sie sich einen Minigarten in der Vertikalen und stellte die Anleitung dazu ins Netz. Ihre Idee war ein Riesenerfolg, und inzwischen gibt es in der ganzen Welt Tausende begeisterte Fenstergärtner.
Britta Riley lebt in New York. Die Designerin kocht gerne und mag besonders frisches Gemüse und Salat. Irgendwann wollte sie ihr Essen selbst anbauen – zum Teil zumindest. Doch wie sollte das gehen mitten in Brooklyn? Britta Riley tüftelte so lange, bis sie die Lösung gefunden hatte: Sie baute einen Minigarten in die hohen Fenster ihres Ateliers. „Wenn Ihr Euer Essen selbst anbauen wollt, geht das sehr gut in der Vertikalen, denn am Fenster könnt Ihr das Licht ausnutzen“, erklärt die Hobbygärtnerin.
Als Pflanzbehälter dienen aufgeschnittene Plastikflaschen, die sie umgedreht ineinandersteckt und mit einem Schlauch verbindet. Eine Aquariumpumpe transportiert Wasser aus der untersten in die oberste Flasche, von dort tropft es zu den anderen Flaschen hinunter. Das Wasser ist mit einer Nährlösung versehen. In die Flaschen kommt Hydrokultursubstrat „Made in Germany“. Da die Tonkugeln so gut wie kein Wasser aufnehmen, halten die Pflanzen ihre Wurzeln ständig im Substrat.
Britta Riley stellte ihre Bauanleitung ins Internet und stieß auf riesige Resonanz: 28.000 Fenstergärtner aus aller Welt haben bereits die Anleitung heruntergeladen. Ländergruppen tauschen ihre Erfahrungen mit Salat, Kräutern und Gemüse im Fenstergarten aus. Auch in Deutschland ist der Trend angekommen. In Köln kann man bei Niklas Wagner vom Design Quartier Ehrenfeld (DQE) lernen, wie man eine „windowfarm“ baut – allerdings in etwas abgewandelter Form.
Niklas verwendet leere Getränkekartons und Erde statt Plastikflaschen und Hydrokultur. Auf die elektrische Pumpe verzichtet er ganz. Aus den Getränkekartons wird der Boden herausgeschnitten und in den Deckel ein Loch gebohrt. Durch das Loch zieht er einen dünnen Schlauch und dichtet diesen mit einem Stück Luftballon ab. Der Deckel wird wieder auf den Karton gedreht und in den Deckel ein Stück Schwamm gestopft. Er dient als Sieb, denn durch den Schlauch soll keine Erde, nur Wasser gelangen. Der Karton wird mit Erde gefüllt, bepflanzt und mit einem Haken an einer Kette befestigt. Der Schlauch des obersten Kartons wird in die Erde des darunter hängenden gesteckt und so weiter, bis man unten angekommen ist. Der Schlauch des untersten Kartons kann in eine Topfpflanze oder ein Wasserschälchen geleitet werden – in jedem Fall sollte man dafür sorgen, dass das Wasser abfließen kann. Fertig ist der Fenstergarten!
Die fertige Konstruktion mit den Kräuter- und Salattöpfen hängt Niklas Wagner in der veganen Kölner Kaffeebar „Signor Verde“ ins Fenster. Betreiber Erik Puchert erklärt, warum er einen Fenstergarten haben wollte: „Weil wir hier unsere Küchenkräuter gerne selbst anbauen möchten. Der Laden ist von der Größe her nicht so riesig, da bietet es sich an, das Fenster zu nutzen. Wir haben hier das ganze Jahr über eine wunderbare Sonnenlage, da wächst und gedeiht eigentlich alles.“
Wer geschickt ist, kann wie Britta Riley sogar Miniauberginen, verschiedene Minzsorten und Minikürbis anpflanzen. So kommt ein bisschen Landwirtschaft in die Stadt. Und jeder, der es einmal ausprobiert hat, weiß: Gemüse und Kräuter schmecken einfach viel besser, wenn man sie selbst gepflanzt, gepflegt und geerntet hat.
Caroline Nokel
Stand: 05.01.2012
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