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Wasserfilter im Labortest

Wie gut sind die Wasserreiniger für den Hausgebrauch?

  • SendeterminMontag, 09. Januar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.
  • WiederholungsterminDienstag, 10. Januar 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.).

Die Wasserwerke in Deutschland erklären uns immer: Das Leitungswasser ist gut! Und viele trinken täglich „Kranenberger“, wie manche liebevoll sagen. Ist ja auch preisgünstiger als teures Mineralwasser. Aber ist das Leitungswasser wirklich so sauber und rein? Was ist mit Blei in den Leitungen und den Resten von Medikamenten im Wasser? Abhilfe versprechen Filter für zu Hause – endlich garantiert sauberes Trinkwasser. Doch Hersteller versprechen immer viel, sie wollen ja schließlich verkaufen, aber können sie ihre Versprechen auch halten? Wir haben nachgeschaut und getestet: Was können Wasserfilter für den Hausgebrauch wirklich?

Wasserfilter im Test
Wie gut sind die Wasserreiniger für den Hausgebrauch?

Gefahr: Wasserfilter können verkeimen

Die beliebten Wasserfilter für zu Hause können auch eine Gefahr bedeuten: Experten aus den Wasserwerken und vom Gesundheitsamt berichteten der Servicezeit, dass es sogar gefährlich sein kann, solche Wasserfilter zu nutzen, wenn sich darin Keime vermehren und ins Trinkwasser gelangen.

Aus einem Wasserhahn fließt Wasser in ein Glas
Wir wollten wissen: Ist das Wasser direkt aus dem Wasserhahn tatsächlich schlechter als gefiltertes?

Das haben wir mit einer Stichprobe überprüft: Bei mehreren Familien in Köln und Essen haben wir durch ein professionelles Wasser- und Umwelt-Analyse-Labor Wasserproben an insgesamt sieben Filteranlagen nehmen lassen.

Dabei testen wir verschiedene Methoden der Wasserfilterung: günstige Kannenfilter, wie man sie beispielsweise von der Firma Brita kennt, sogenannte Granderfilter für „belebtes Wasser“, Aktivkohlefilter und Umkehrosmoseanlagen.

Typisch ist der Wunsch der Benutzer, dass der Filter zumindest „das Wasser tatsächlich etwas entkalkt, weil wir ihn in der Hauptsache zur Füllung der Kaffeemaschine benutzen – wenn er mehr kann, wäre schön, aber das wissen wir nicht.“ Und die Hoffnung einer Nutzerin lautet: „Ich verspreche mir von dem Filter, dass weniger Schadstoffe in dem Wasser sind als im normalen Leitungswasser, und ich verspreche mir davon, dass das Wasser den Körper nicht so belastet.”

Testergebnisse Wasserfilter

Wir wollen vergleichen: Was ist drin im Filterwasser, und was ist drin im Leitungswasser? Wir testen beide auf Schwermetalle wie Nickel und Blei, auf Reste von Medikamenten und Chemie, außerdem darauf, ob Bakterien oder Keime im Wasser sind.

Teuer und gut? Wasserfiltern mit Umkehrosmose

Damit die Kinder nicht all die vermuteten Gifte im Wasser trinken müssen, hat Familie E. in Essen eine 1.000 Euro teure Umkehrosmoseanlage angeschafft. Von den Vorteilen ist Silvia E. überzeugt: „Ich trinke fast drei Liter, manchmal auch ein bisschen mehr, ist mir ganz ganz wichtig. Mir geht es auch gut dabei. Die Kinder trinken manchmal sogar noch mehr, denn die nehmen zwei bis drei Flaschen mit zum Sport.“

Viel Wasser zu trinken ist sicher gut für die Gesundheit. Aber die Osmoseanlage bedeutet auch viel Aufwand für sauberes Wasser – denn sicher weiß Familie E. gar nicht, was in ihrem Leitungswasser drin ist. Wir messen auch hier, welche Stoffe im Leitungswasser sind und welche sich im Filterwasser finden.

Das Essener Leitungswasser wird von den Stadtwerken Essen anders aufbereitet als in Köln: Am Rhein werden große Aktivkohlefilter verwendet, durch die alles Wasser aufbereitet wird. Das gibt es bei den Essener Stadtwerken bislang noch nicht. Das aber kann einen Unterschied ausmachen beim Leitungswasser – unsere Messungen sollen es zeigen. Erkennen werden wir auch, ob der Membranfilter der Umkehrosmoseanlage eine schöne Brutstätte für Keime ist. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse aus dem Labor.

Teurer Aufwand, absurdes Ergebnis: Filter können die Wasserqualität verschlechtern

Wir haben unsere Proben im Bergischen Wasser- und Umweltlabor in Wuppertal analysieren lassen. Dort werden tagtäglich Hunderte Proben analysiert – für Wasserwerke, Firmen oder Privatleute. Seit über 60 Jahren macht man das hier. Für unsere Stichprobe haben wir je fünf Proben vom Filterwasser und vom normalen Wasser aus der Leitung im jeweiligen Testhaushalt analysieren lassen. So einen Test hat auch der Leiter des Labors, Dr. Heinz-Günther Preis, noch nicht gemacht – und ist selbst überrascht vom ersten Ergebnis: „Insbesondere bei Brita-Filtersystemen mussten wir im Rahmen unserer Stichprobe feststellen, dass der Einsatz dieser Filtersysteme die Qualität des Trinkwassers auch verschlechtern kann. So haben wir bei unseren Untersuchungen festgestellt, dass insbesondere die Konzentration der Schwermetalle bei dem filtrierten Wasser deutlich höher war als in dem Wasser, das wir direkt aus dem normalen Zapfhahn in der Küche entnommen haben.“

Diese Stoffe werden durch den Filter zwar zunächst aus dem Trinkwasser entfernt, aber bei längerer Betriebsdauer – und ohne dass der Kunde es merkt – werden sie wieder freigesetzt.

Aktivkohlefilter für zu Hause: fraglicher Effekt

Auch bei dem kleinen Aktivkohlefilter für die Küche bei einer jungen Kölner Familie mussten wir diesen Effekt feststellen: Das Leitungswasser ist völlig in Ordnung, aber das aus dem Filter enthielt eine größere Menge an den Schwermetallen Nickel und Zink. Zuerst lagern sich diese Schwermetalle an die Kohle im Filter an, später dann, wenn das Material gesättigt ist, gibt er es verstärkt wieder ab. Und das, obwohl die Familie die empfohlenen Wechselintervalle eingehalten hatte. „Ich bin irritiert bis schockiert – ich hätte jetzt erwartet, dass die Werte doch besser sind, also dass zumindest die Unterschiede größer sind, bei dem was herausgefiltert wird“, lautet die Reaktion der Frau. Ihr Partner geht noch weiter: „Die Konsequenz für mich ist: Der wird jetzt gleich abgeschaltet, abgenommen – das macht keinen Sinn.“

Das geht gar nicht: Keime aus dem Filter

Es kann aber sogar noch schlimmer kommen: In einem Fall haben wir zu den vermehrten Schwermetallen auch krankmachende Keime (Enterokokken) gefunden, berichtet Dr. Preis. „Bei den von uns in der Stichprobe untersuchten Aktivkohlefiltern und Brita-Filtern konnten wir in einem Fall auch feststellen, dass Verkeimungen tatsächlich stattgefunden haben, dies ist sicherlich kein Einzelfall. Generell muss man bei diesen Systemen – insbesondere bei längerer Betriebsdauer und normaler Aufbewahrung dieser Systeme bei Raumtemperatur in der Küche – davon ausgehen, dass eben Wasser, dass sich in diesen Gefäßen noch befindet, zur Verkeimung neigt.“

So wie es sich in der Wohnung einer Nutzerin zeigte: Sie hatte den Filter sechs statt vier Wochen in der Kanne gelassen. Vielleicht ein Grund für die extrem hohen Keimwerte, die ihr natürlich gar nicht gefielen.

Filterwechsel beachten!

Für alle Systeme gilt: Der regelmäßige Wechsel der Filter ist extrem wichtig. Hierzu schreibt uns der Kannenfilterhersteller Brita auf Anfrage der Servicezeit: es müsse beim Umgang mit den Filtern die Gebrauchsanweisung beachtet werden, „dazu gehört Sauberkeit im Umgang mit dem Filter genauso wie ein Kartuschenwechsel nach 100 Litern oder vier Wochen.“ Wer das nicht beachtet, riskiert gesundheitliche Schäden – die Keimbelastung kann enorm steigen, so wie es bei den Kannenfiltern in unserer Stichprobe war. Besonders im Sommer vermehren sich Keime sehr schnell. Filter und Wasserbehälter deshalb immer so kühl wie möglich halten, am besten im Kühlschrank – denn auch Wasser ist ein Lebensmittel, das verderben kann.

Osmose: zu viel des Guten

Und wie steht um die teuren Umkehrosmoseanlagen? Haben denn die wenigstens einen Sinn? Dazu Dr. Preis vom Bergischen Wasserlabor: „Umkehrosmoseanlagen entfernen alle im Wasser gelösten Stoffe, sie können hierbei nicht zwischen guten und schlechten Stoffen unterscheiden, sodass auch wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente entfernt werden.“

Umkehrosmosefilteranlage an Untertisch angebracht
Umkehrosmoseanlagen entfernen alle Stoffe aus dem Wasser – auch die wertvollen Mineralstoffe.

Zwar nahm die Anlage von Silvia E. auch Reste von Medikamenten und Chemie aus dem Essener Leitungswasser, aber eben auch die wichtigen Mineralien und Spurenelemente, die unser Körper braucht. Besonders Sportler oder sportlich Tätige, wie die Kinder von Familie E., müssen auf solche Stoffe achten. Die Mutter hat ihr eigenes Rezept dafür und will ihren Sportlern Mineralien und Salze über die feste Nahrung geben. Das ist nicht falsch, fraglich bleibt aber, warum man die Zufuhr von etwas Gutem verringert, um es danach auf andere Art und Weise wieder zuzuführen.

Fazit: Wozu eigentlich Wasserfilter?

Zusammengefasst ergab unsere Stichprobe bei den von uns getesteten Wasserfiltern:

  • Die Kannenfilter unserer Nutzer holen ein wenig Kalk aus dem Wasser, geben aber Schwermetalle wie Nickel und Zink bei langer Betriebsdauer ab und und können dazu noch stark verkeimen.
  • Die Wirkung des „Belebtes Wasser“-Filters ist für uns nicht messbar – kein Schadstoff war verringert.
  • Auch der Aktivkohlefilter gab Schwermetalle ins Filterwasser ab und verbesserte die Wasserqualität nicht.
  • Die teure Umkehrosmose holt alles aus dem Wasser – leider auch die guten Mineralien.

Wo wir keine schlimmen Gifte im Trinkwasser finden konnten, haben wir logischerweise keine im Filterwasser messen können. Denn grundsätzlich gilt: Bei keinem der Haushalte unserer fleißigen Wassertrinker war das Leitungswasser so schlecht, dass ein Filter unbedingt notwendig gewesen wäre.

Autor:

Marcus Bednarek

Stand: 09.01.2012


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