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Sendung vom 11. Januar 2012
Gefährliche Schlankmacher
Schlank und topfit das ist für die Frau schon lange und zunehmend auch für den Mann das Modeideal und bedeutet für viele den reinsten Schönheitsterror. Rund 60 Prozent der Deutschen sind übergewichtig, fast 25 Prozent adipös. Kein Wunder, dass mit dem Versprechen der „Topfigur“ gute Geschäfte zu machen sind. In Apotheken und Discountern werden dutzende Schlankmacher und Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei angeboten. Sie alle versprechen dasselbe: Gewicht könne auf einfache Weise reduziert werden, ganz nebenbei, schnell und sogar im Schlaf.
Diese Produkte ersetzen – in Flüssigkeit eingerührt – komplette Mahlzeiten und geben dem Körper die notwendigen Kalorien. Wer nur ein paar Kilogramm abnehmen möchte, für den kann das geeignet sein. Für eine dauerhafte Gewichtsreduktion jedoch nicht. Lässt man die Drinks nach einer Weile wieder weg, kommt es zu Heißhungerattacken als Kompensation für die wochenlange „Flüssigkeitsdiät“. Drinks verändern auch nicht ungünstige Ernährungsgewohnheiten. So hat man meist nach kürzester Zeit das Doppelte des verlorenen Gewichts wieder auf den Hüften. Ungünstige Gewohnheiten ändert man nur, indem man seine Nahrung auf Dauer umstellt.
Diese Produkte sind darauf aus, ein Sättigungsgefühl zu erzeugen, indem sie im Magen aufquellen. Hier gilt dasselbe wie für die Schlankheitsdrinks: Setzt man die Präparate ab, muss der Magen anderweitig gefüllt werden, und schon setzen die alten Gewohnheiten wieder ein. Hinzu kommt: Essen ist auch eine Möglichkeit, sich selbst zu „belohnen“ – nach einem stressigen Tag und wenn man frustriert und genervt ist. Essen ist Ausgleich und verschafft Wohlgefühl sowie das wichtige Gefühl von Befriedigung – und das können Sättigung erzeugende Präparate nicht erreichen.
Die sogenannten „Fatburner“ schmelzen das Fett leider nicht einfach weg. Diese Präparate sorgen nur dafür, dass Fett aus der aufgenommenen Nahrung nicht resorbiert wird, es wird einfach unverdaut wieder ausgeschieden. Das führt zu sehr unangenehmen Durchfällen, den sogenannten „Fettstühlen“. Auch packt man das Problem wieder nicht an der Wurzel, weil das bereits im Körper angelagerte Fett dadurch nicht reduziert wird.
Frei erhältliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel, die den Stoffwechsel aktivieren sollen, haben in der Regel nur eine sehr geringe Wirkung, erklärt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt, der Schlankmacher im Auftrag der Zeitschrift Öko-Test getestet hat. Auch unser Experte im Beitrag, Dr. med. Karl Peter Rheinwalt, leitender Arzt der Adipositaschirurgie am Franziskus-Hospital in Köln, rät: „Finger weg von solchen Substanzen. Sie sind teuer und im Grunde unwirksam.“
Im Internet werden jedoch viele pflanzliche Produkte wie grüner Tee, Mate oder Guarana als Wundermittel anpriesen. Die Seiten sind häufig sehr professionell gemacht (wie in unserem Beispiel Nuvoryn) und werben sogar mit ärztlicher Empfehlung. Es war uns jedoch nicht möglich, zu dem genannten Dr. Weis einen Kontakt herzustellen. Auch hat der genannte Anbieter kein Impressum – was aber gesetzlich vorgeschrieben ist. Es gibt im Internet mehrere Käufer, die sich darüber beschweren, abgezockt worden zu sein, das heißt, für ihr Geld keine Ware bekommen zu haben.
Unser Tipp: Bestellen Sie keine Ware in Onlineshops, die Sie nicht kennen, und leisten Sie keine Vorkasse!
Insbesondere warnt die Verbraucherzentrale vor Anbietern, die gefährliche, stoffwechselaktivierende Medikamente vertreiben, wie beispielweise das in Deutschland verbotene Sibutramin (Reductil). Diese Substanzen können lebensgefährliche Nebenwirkungen haben – bis hin zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. In vielen Fällen – zum Beispiel bei etlichen Anbietern aus Asien – wird Sibutramin nicht einmal deklariert, oder die Nebenwirkungen werden – wie in unserem Beispiel – verharmlost.
Erst wenn die drei konventionellen Maßnahmen unter medizinischer Beobachtung nicht zum gewünschten Erfolg führen, kommt bei sehr beziehungsweise extrem übergewichtige Menschen eine chirurgische Maßnahme eventuell infrage. Einfach kann eine solche Entscheidung nicht sein, denn ein Magenbypass ist für den Körper immer eine Belastung und ein Risiko.
Die Zeitschrift Öko-Test hat im „Jahrbuch Kosmetik & Wellness für 2011“ Schlankheitsmittel und Arzneimittel getestet.
Iris Rohmann
Stand: 11.01.2012
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