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Sendung vom 01. Februar 2012
Überflüssige Nahrungsergänzungsmittel
Eigentlich ist die Idee der Vorbeugung ja gut: mit der Einnahme von Substanzen den Ausbruch von Krankheiten verhindern. Ein Segen, wenn es funktioniert. Aber viele der Prophylaktika, für die in Deutschland über eine Milliarde Euro ausgegeben wird, bringen nachweislich keinen Nutzen.
Ein Beispiel: Cholesterinsenker zum Schutz vor Herzinfarkt. Auch vollkommen gesunde Menschen, die keinen anderen „Makel“ als hohe Cholesterinwerte haben, bekommen Cholesterinsenker verschrieben. Das Erklärungsmodell ist ja auch überzeugend: Ein hoher Cholesterinspiegel im Blut birgt das Risiko, dass Gefäße verstopfen. Am schlimmsten ist es, wenn Blutgefäße am Herzen betroffen sind. Dann droht ein Herzinfarkt. Allerdings besteht dieser Zusammenhang von hohem Cholesterinspiegel und Herzinfarkt nur bei Patienten, die bereits eine Herzerkrankung haben.
In einer großen, aktuellen Übersichtsstudie bekamen 65.000 Gesunde, die lediglich hohe Cholesterinwerte hatten, Präparate verabreicht: entweder echte Cholesterinsenker oder Placebopräparate ohne Wirkstoff. Die vorbeugende Wirkung der Cholesterinsenker blieb aus. Es gab gleich viele Todesfälle in der Gruppe mit den echten Cholesterinsenkern und in derjenigen der Placeboprobanden. Cholesterinsenker wirken nur bei Patienten, die schon eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.
Es gibt zahlreiche Präparate, die Schutz vor Altersdemenz versprechen – ein wichtiges Thema in einer alternden Gesellschaft. Zu den prominentesten Mitteln gehören B-Vitamine und Ginkgo. Die Blätter des Ginkgo-Baumes werden schon seit Jahrtausenden als Heilmittel genutzt. Tatsächlich kann der Wirkstoff Tebonin in Ginkgo-Präparaten die Durchblutung verbessern und damit auch die Durchblutung im Gehirn fördern.
Das Gehirn benötigt auch B-Vitamine, zum Beispiel für das Gedächtnis. Allerdings: Alle Versuche, die vorbeugende Wirkung von Ginkgo zu beweisen, sind gescheitert. Und auch B-Vitamine schützen nicht vor Demenz, das haben zahlreiche wissenschaftliche Studien gezeigt.
Die Vitamine A, C und E sind die Klassiker der Vorbeugung. Sie versprechen unter anderem Schutz vor Herzinfarkt und Krebs. Auch hier ist das Wirkmodell plausibel: In den Zellen entstehen aggressive Moleküle, sogenannte freie Radikale. Sie können das Erbmolekül angreifen und so zum Beispiel Krebs auslösen. Vitamine können die Radikale abfangen und damit den Schaden verhindern. In der Petrischale funktioniert das auch hervorragend. In der größten jemals zusammengefassten Vitaminstudie am Menschen zeigte sich allerdings das gegenteilige Bild. Die Metastudie mit annähernd 200.000 Teilnehmern ergab: Die Vitaminpillen erhöhten das Risiko für vorzeitigen Tod.
Aloe Vera ist der Shootingstar unter den Vorbeugern. Die Präparate versprechen Schutz vor fast allen Altersleiden und vielen andern Krankheiten. Bei Aloe Vera klaffen Versprechen und bewiesene Wirksamkeit besonders weit auseinander. Äußerlich angewendet – als Creme – kann sie der Haut guttun. Innerlich angewendet ist die positive Wirkung von Aloe Vera nur für eine Anwendung bewiesen: Die Substanz wirkt als Abführmittel.
Darüber hinaus gab es einige wenige wissenschaftlich seriöse Studien, in denen ein vorbeugender Effekt von Aloe Vera gegen Alterskrankheiten gezeigt werden sollte. Dabei hat Aloe Vera schlicht versagt.
Frank Wittig
Stand: 01.02.2012
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