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Servicezeit
Sendung vom 08. Februar 2012
Mogelpackung: Zuschauervorschläge
Seit anderthalb Jahren ist Haushaltsexpertin Yvonne Willicks nun schon in Supermärkten und Fachgeschäften, aber auch im Internet unterwegs und enthüllt raffiniert getarnte Mogelpackungen. Ob künstlich aufgeblähte Luftverpackungen, falsche Unverbindliche Preisempfehlungen oder teure Schnäppchenläden – in fast jedem Marktsegment werden Verbraucher getäuscht und an der Nase herumgeführt. Oft sind die Verkaufstricks der Hersteller und des Handels nur schwer zu durchschauen, und in vielen Fällen wird die Täuschung erst nach dem Kauf offensichtlich.
Bei ihren Recherchen ist Yvonne Willicks auch auf die Mithilfe der aufmerksamen Servicezeit-Zuschauer angewiesen. Diese berichten ihr tagtäglich von immer neuen Mogelpackungen. Über einige hat Yvonne in der Sendung bereits berichtet, viele andere blieben bisher unerwähnt. Doch das will die Haushaltsexpertin ändern und zumindest vor den dreistesten Verbrauchertäuschungen warnen.
Servicezeit-Zuschauer Herr P. hatte bei Aldi das Mineralwasser Aqua Culinaris Classic in zwei verschiedenen Größen gekauft: in der 1,5-Liter-PET-Flasche und als 0,5-Liter-Variante für unterwegs. Als er den Mineraliengehalt beider Gebinde verglich, staunte er nicht schlecht: Die Konzentrationen unterscheiden sich deutlich. Während das eine Mineralwasser als „natriumarm“ (17,2 Milligramm pro Liter) bezeichnet werden kann, überschreitet das andere sogar den in der Trinkwasserverordnung empfohlenen Grenzwert von 200 Milligramm pro Liter: Tatsächlich sind 247 Milligramm darin enthalten. Auf den ersten Blick ist dieser Unterschied nicht erkennbar: Die Etiketten beider Flaschengrößen sind gleich gestaltet, beide tragen dieselbe Produktbezeichnung. Lediglich ein großer, aber dennoch unscheinbarer Schriftzug an der Seite verweist auf die Quelle, aus der das jeweilige Wasser stammt: aus der Kurfels-Quelle bei der 1,5-Liter-Flasche, aus der Noé-Quelle bei der 0,5-Liter-Flasche. „Um Verwechslungen auszuschließen, sollte die Aufmachung der Flaschen umgehend verändert werden“, findet Yvonne. „Denn für Menschen mit hohem Blutdruck, die das natriumarme Wasser in der 0,5-Liter-Flasche für sich entdeckt haben und nun zur großen Flasche greifen, kann das sogar gefährlich werden, da eine hohe Natriumzufuhr Bluthochdruck negativ beeinflussen kann.“
Auch Bernadette Z. aus Konz in Rheinland-Pfalz schickte Yvonne eine Mogelpackung: zwei Verpackungen mit Wundverband von Leukomed. Beide Packungen haben denselben Inhalt: 50 einzeln verpackte Pflaster derselben Größe. Eine Packung ist allerdings doppelt so groß wie die andere (1.437 gegenüber 716 Kubikzentimeter). Hier wurde vor allem Luft verpackt. Und auch die Pflaster-Umverpackung legte bei der großen Schachtel an Material zu. Bernadette Z. ärgert sich vor allem über die Umweltbelastung – einmal durch den Mehrverbrauch an Verpackungsmaterialien, viel mehr aber durch das doppelte Transportvolumen. Denn laut Beschriftung werden diese Pflaster in alle Herren Länder exportiert. Bei der großen Packung entstehen dabei sehr viel mehr CO2-Emissionen.
Viel Luft wurde auch in der Ultra Haftcreme von Corega verpackt. Das schreibt H. H. aus Aachen. Von außen ist das für den Verbraucher nicht erkennbar. Erst wenn man die Tube aufschneidet, wird deutlich, dass diese zu einem Drittel leer ist.
Yvonne fährt nach Aldekerk am Niederrhein. Hier wohnt Zuschauer Klaus F. Sensibilisiert unter anderem durch die Servicezeit, achtet der 66-jährige Rentner bei jedem Einkauf auf sogenannte Mogelpackungen. Bisher konnte er diese erfolgreich meiden, jetzt hat es ihn aber kalt erwischt.
In Yvonnes Heimatstadt Kamp-Lintfort war Klaus F. im Penny-Markt über ein vermeintliches Sonderangebot gestolpert: eine Drei-Liter-Flasche Lenor zum Preis von 2,39 Euro. Da die Ein-Liter-Flasche 1,65 Euro kostet, glaubte der 66-Jährige, ein echtes Schnäppchen gefunden zu haben. Zu Hause machte er allerdings eine verblüffende Entdeckung: Laut Dosierungsanleitung sind mit der Ein-Liter-Flasche 28 Waschgänge möglich, mit der Drei-Liter-Flasche aber nur 27! „Aus dem vermeintlichen Preisvorteil wurde ein erheblicher Preisnachteil“, ärgert sich der Rentner.
Unglaublich, findet auch Yvonne. Handelt es sich bei der Angabe der Waschgänge eventuell nur um einen Druckfehler? Leider nicht. Für einen Waschgang werden bei der Drei-Liter-Flasche 110 Milliliter Waschmittel benötigt, bei der Ein-Liter-Flasche nur 35 Milliliter. „Ich vermute, dass man hier mit zwei Litern Wasser den Weichspüler gestreckt und den Preis dafür weichgespült hat“, mutmaßt Klaus F. „Das grenzt doch an Betrug. Seit Jahren werden die Verbraucher auf Literpreis und Kilopreis konditioniert, um dann mit veränderten Konzentrationen hinters Licht geführt zu werden.“
Yvonne Willicks: „Diese Masche des Lenor-Herstellers Procter & Gamble ist zwar nicht neu, trotzdem fallen immer wieder auch gut informierte Verbraucher wie Klaus F. darauf herein. Denn nur wer, wie hier, die beiden Flaschen direkt miteinander vergleicht, kann diese Mogelpackung auch entlarven. Egal, ob Waschmittel oder Lebensmittel, lassen Sie sich bei Ihrem nächsten Einkauf nicht von den vermeintlich günstigeren Großpackungen verführen.“
In Erftstadt trifft Yvonne Zuschauerin Renate W. Die 57-jährige Hausfrau gehört zu den Stammzuschauern der Servicezeit. Deshalb hatte auch sie angenommen, niemals auf eine Mogelpackung hereinzufallen. Leider wurde auch sie eines Besseren belehrt.
Da Renate W. gerne mit Freunden und den Nachbarskindern spielt, kauft sie regelmäßig neue Spiele. Die letzten drei hatten es allerdings in sich – oder eben auch nicht. Als sie die Packungen zu Hause öffnete, staunte die 57-Jährige nicht schlecht. Die Spiele waren zwar vollständig, in der Packung war aber noch sehr viel Platz: ein Drittel beim „Leiterspiel“, zwei Drittel bei Domino und 80 Prozent beim Kartenspiel „Abenteuer auf den Kristallinseln“. „Die Schachteln hätten deutlich kleiner sein können, um alles zu verstauen“, findet Renate W. „Es war von außen nicht sichtbar, und vom Gewicht her kann man bei den heutigen Materialien auch nicht erahnen, wie voll oder leer die Packungen sind.“ Die Hausfrau ärgert sich vor allem über das Dominospiel. Denn auf der Packung steht „mit großen Spielsteinen“, auch das Gewicht lässt vermuten, dass der Karton voll sein müsste. Tatsächlich ist dieser aber nicht einmal zur Hälfte gefüllt.
Auch aus Umweltaspekten sind solche Luftverpackungen für Renate W. ein Ärgernis. „Wenn man bedenkt, wie viele Bäume für den Papp- und Papierverbrauch draufgehen, ist das doch wirklich nicht nötig“, so Renate W. Und dann demonstriert sie, dass alle drei Spiele auch in einen einzigen Karton gepasst hätten. Dieser nähme dann auch deutlich weniger Platz im Schrank weg.
Yvonne Willicks: „Solche klassischen Mogelpackungen, die mehr Inhalt vortäuschen, sind für die meisten Verbraucher nicht nur ärgerlich, sondern belasten auch die Umwelt. Das Einzige, was Sie als Verbraucher tun können – und das kann ich gar nicht oft genug wiederholen: Meiden Sie solche Produkte und üben Sie so Druck auf die Hersteller aus. Was nicht mehr gekauft wird, verschwindet irgendwann ganz von selbst aus den Regalen.“
Mogelpackungen sind ein Ärgernis, das jeden Verbraucher betrifft. Wenn auch Sie sich von einem Produkt getäuscht fühlen, schreiben Sie uns:
Westdeutscher Rundfunk
Servicezeit
Vorsicht Mogelpackung! Mit Yvonne Willicks
50608 Köln
Oder
E-Mail: servicezeit@wdr.de
Betreff: Vorsicht Mogelpackung! Mit Yvonne
Willicks
Sebastian Schiller
Stand: 08.02.2012
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