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Payclubs im Internet

  • SendeterminMittwoch, 08. Februar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.
  • WiederholungsterminDonnerstag, 09. Februar 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.).

Mit Gleichgesinnten eine Gemeinschaft bilden – viele schätzen dabei die Exklusivität eines Clubs. Das hat meistens seinen Preis, aber dafür ist man unter sich. Auch im Internet erfreuen sich sogenannte „Bezahlclubs“ (Payclubs) steigender Beliebtheit. Abgedeckt werden dabei die unterschiedlichsten Interessenbereiche: Ob Rumgenießer, Modellautosammler, Hobbyarchäologen oder Schnäppchenjäger, für jeden gibt es scheinbar den passenden Club. Aber was bekommt man dort tatsächlich für sein Geld geboten?

Vermeintliche Vorteile von Payclubs - schematisch mit
Bauklötzen dargestellt
Wie exklusiv sind die Vorteile eines Payclubs tatsächlich?

Das Prinzip ist fast immer das gleiche: Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag und müssen persönliche Daten wie Namen, Alter und Anschrift preisgeben. Viele Clubs interessieren sich außerdem für Hobbys und Interessen ihrer Mitglieder. Im Gegenzug gibt es dann oft ein Begrüßungsgeschenk, Kontakt zum Mitgliedernetzwerk, exklusive Inhalte und Rabatte bei den Partnern.

Die Idee dahinter

„Bezahlclubs haben das Ziel, Geld zu verdienen“, weiß Online-Marketingexperte Jens Scholz. „Das schaffen sie, indem sie Premium-Inhalte bieten oder vermeintlich bieten und Exklusivität erzeugen.“ Ganz nach dem Motto: „Dabei sein ist alles.“ Neben den Mitgliedsbeiträgen verdienen die Bezahlclubs außerdem durch Provisionen der Partner. Diese bekommen im Gegenzug eine auf sie zugeschnittene Zielgruppe.

Bezahlclub für Radfahrer

Einer der neusten Bezahlclubs nennt sich „Zweiradhelden“ und richtet sich gezielt an Radsportler. 49 Euro (ermäßigt 45 Euro) kostet die exklusive Mitgliedschaft. Dafür gibt es ein Begrüßungsgeschenk, Rabatte bei den Partnern und Zugang zum Mitgliedernetzwerk. Hinter dem Club steckt der Zeitschriftenverlag Motor Presse Stuttgart, der unter anderem diverse Radsportmagazine verlegt. 49 Euro Jahresbeitrag findet Jens Vögele, einer der Initiatoren von Zweiradhelden, nicht viel: „Ambitionierte Radsportler sind bereit dazu, viel Geld für ihr Hobby auszugeben. Das sind so im Schnitt zweieinhalbtausend Euro alle zwei Jahre für ein neues Fahrrad, 1.000 bis 1.500 Euro jährlich für Zubehör, dann noch viel Geld für Reisen. Das heißt, 49 Euro sind im Vergleich dazu noch wenig Geld. Vor allem kann ich das als Zweiradheld ja wirklich sehr, sehr schnell refinanzieren, wenn ich die ganzen Angebote und Rabattaktionen der Partner nutze.“

Internetseite des Bezahlclubs Zweiradhelden
Die Servicezeit hat zusammen mit Testperson Frank Z. das Angebot des Payclubs „Zweiradhelden“ getestet.

Zur Begrüßung ein Geschenk

Aber funktioniert das wirklich? Frank Z. aus Sankt Augustin passt genau in diese Zielgruppe. Der Diplom-Ökonom ist leidenschaftlicher Radsportler und betreibt sein Hobby gerne mit Gleichgesinnten. Mit ihm zusammen wollen wir das Portal genauer unter die Lupe nehmen. Nach unserer Anmeldung erhalten wir ein Begrüßungspaket: Es enthält jede Menge Werbematerial, Nahrungsergänzungsmittel, einen Aufkleber und ein Trikot. Laut Betreiber des Bezahlclubs hat dieses Paket einen Wert von über 80 Euro. Die Frage ist, ob man so ein Trikot oder Nahrungsergänzungsmittel wirklich braucht und wie sich der Mitgliedsbeitrag langfristig lohnt, da er ja jährlich beglichen werden muss.

Zwei Männer packen Begrüßungspaket aus
Das Begrüßungspaket soll einen Wert von über 80 Euro haben.

Wie exklusiv sind die Rabatte?

Wir nehmen die Angebote des Clubs unter die Lupe: Viele der rund 20 Partner bieten derzeit zwischen 10 und 15 Prozent Rabatt auf ihre Artikel. Nicht viel, findet unser Tester Frank Z.: „Das haben wir bei unserem Radsportladen an der Ecke auch.“

Auch die restlichen Angebote reißen den Radsportler nicht vom Hocker. So gibt es von einem Hersteller beispielsweise beim Kauf einer Gesäßsalbe zwei Packungen Mandelölcreme kostenlos dazu. Ein anderer bietet Fahrtechnikkurse mit einer Ermäßigung von zehn Euro an – allerdings nur für Mountainbikes. Und die Seminare eines Radlabors scheinen dem Radsportler selbst ermäßigt noch relativ teuer zu sein. Zudem sind die Standorte der Partner in ganz Deutschland verteilt, in der direkten Umgebung finden wir aber keinen.

Das Fazit

Rein mathematisch mag man von all den Angeboten und Rabatten sicherlich profitieren, sodass sich der jährliche Mitgliedsbeitrag schnell rechnen könnte. Doch die Realität sieht so aus, dass viele der Rabatte und Angebote für unseren Tester kaum infrage kommen. Entweder sind sie für ihn nicht interessant, nicht wettbewerbsfähig oder zu weit weg.

Online-Marketingexperte Jens Scholz hat dies allgemein bei Payclubs beobachtet: „Diese Premium-Inhalte sind alles andere als Premium. Ich bekomme eigentlich nichts innerhalb der Clubs, was ich außerhalb von Clubs nicht auch bekomme. Das heißt, die Rabatte sind nicht so hoch, als dass ich sie nicht woanders auch aushandeln könnte. Es gibt also keinen Grund, dafür Geld auszugeben.“

Wer wirklich in einen Online-Bezahlclub eintreten möchte, sollte gründlich prüfen, ob sich die Mitgliedschaft lohnt. Frank Z. jedenfalls hat sich entschieden: Für ihn kommt ein Bezahlclub nicht infrage. Er lebt sein Hobby lieber im lokalen Verein mit Freunden: aktiv im Sattel statt online auf der Couch.

Eine Gruppe von Rennradfahrern
Frank Z. hat für sich entschieden, dass er den Payclub nicht benötigt. Er lebt sein Hobby lieber aktiv mit Freunden aus.
Autor:

Stefan Servos

Stand: 08.02.2012


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