
Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 13. Februar 2012
Alcopops, Speed – Modedrogen und ihre Gefahren
Den ersten Kontakt mit Drogen haben die meisten in der Pubertät. Mit durchschnittlich 13,2 Jahren trinken Jugendliche zum ersten Mal Alkohol. Bei Cannabis liegt das Durchschnittseinstiegsalter bei 16,4 Jahren. Statistisch gesehen geht in Deutschland die Anzahl jugendlicher Drogenkonsumenten insgesamt leicht zurück. Das klingt zunächst positiv, doch gleichzeitig wächst die Zahl derjenigen Jugendlichen, die Drogen regelmäßig und exzessiv konsumieren.
Eine aktuelle Studie der DAK ergab: Immer mehr Jugendliche trinken bis zum Umfallen – vor allem in Nordrhein-Westfalen. Dort landeten im Jahr 2009 knapp 6.580 Jugendliche nach Alkoholmissbrauch im Krankenhaus, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
Ähnlich sieht es bei der illegalen Droge Cannabis aus. Zwar geht der Probierkonsum von Haschisch bei Jugendlichen in NRW insgesamt zurück, doch die Zahl derjenigen, die exzessiv „kiffen“, nimmt zu.
Deutlich verringert haben sich in Deutschland dagegen der Konsum von Speed, Ecstasy, Kokain und ähnlichen Drogen. Seit 2003 nehmen Jugendliche zunehmend Abstand von den sogenannten Partydrogen. Diejenigen, die nach wie vor die illegalen Amphetamine konsumieren, haben meist schon sehr früh mit anderen Drogen begonnen. „Nikotin ist das Erste, dann Alkohol, dann Cannabis, und kurz danach kommen die Partydrogen. Das ist oft das Alter zwischen 11 und 14 Jahren“, berichtet Psychiater Thomas Kuhlmann von der Psychosomatischen Klinik Bergisch Gladbach.
Viele der Jungkonsumenten probieren die Drogen ein paar Mal und lassen dann schnell die Finger davon oder nehmen sie unregelmäßig in größeren Abständen. „Aber es gibt auch eine kleinere Gruppe, die Drogen häufiger konsumiert und die einen richtigen Suchtmittelkonsum entwickelt bis hin zur Abhängigkeit“, so Chefarzt Thomas Kuhlmann. In solchen Fällen ist es in der Regel sehr schwer, ohne fachliche Hilfe einen Weg aus dem Drogenproblem zu finden. Für Betroffene gibt es in NRW verschiedene Anlaufstellen, die „Drogenhilfe Köln“ ist eine von ihnen. Der Verein bietet neben Beratung und Suchtprävention auch ambulante und stationäre Therapien für die Hilfesuchenden an.
Viele der jungen Drogenkonsumenten führen ein Leben rund um die Droge. Oft ist der gesamte Tagesablauf auf den Konsum ausgerichtet, und das soziale Umfeld bricht dabei zunehmend auseinander. Der Verlust von Freunden, Arbeitsstelle oder der Familie ist jedoch nur das eine. Das andere sind die möglichen körperlichen und psychischen Folgen des Drogenmissbrauchs. Ob Alkohol, Cannabis oder Amphetamine – die Gefahren sind besonders für Kinder und Jugendliche groß, denn ihre Nervensysteme befinden sich noch im Aufbau und passen sich dem Drogenrausch schnell an. Es kann zu Schäden der inneren Organe kommen, Konzentrationsprobleme und Schlaflosigkeit können auftreten – bis hin zu Depressionen, Psychosen und Wahnvorstellungen.
Oft leiden nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihr soziales Umfeld. Freunde und vor allem Eltern sind in einer solchen Situation meist hilflos und überfordert. „Die Angehörigen sind genauso betroffen wie diejenigen, die Drogen konsumieren“, betont Psychiater Kuhlmann. „Es gibt deshalb in diversen Kliniken und allen Drogenberatungsstellen Sprechstunden nur für Angehörige. Ich kann nur jedem raten: Suchen Sie sich dort fachlichen Rat und Unterstützung.“
Jörg E. Mayer
Stand: 13.02.2012
Seite teilen