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Sendung vom 14. Februar 2012
Irrtümer und Vorurteile über Gesichter
Wie oft urteilen wir über einen Menschen nur aufgrund seines Äußeren, finden jemanden nett oder spüren eine Abneigung, haben oftmals vorher schon ein Urteil parat. Was ist dran an populären Aussagen wie „je höher die Stirn, desto intelligenter“ oder „je mächtiger das Kinn, desto dominanter“? Alles nur Humbug? Die Antwort lautet: Nein, dazu gibt es wissenschaftliche Untersuchungen.
Wir haben fünf populäre Vorurteile respektive Irrtümer zusammengetragen und von einem Fachmann, einem sogenannten Antlitzdiagnostiker beziehungsweise Physiognomen, analysieren lassen.
So unterschiedlich die Menschen, so verschieden die Persönlichkeiten. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Aussehen und „Sein“? Unser Experte Gunnar Thomé räumt auf mit einigen Vorurteilen.
Laut Dr. Thomé ist das eine Scheinplausibilität. Man könne zwar meinen, dass aus einer großen Öffnung auch viel herauskommt, doch die Kommunikationsfähigkeit ist an anderen Merkmalen erkennbar. Zum einen sind es die Augenbrauenbögen, die für die Auffassungsgabe stehen, dann die Ohrform, die zeigt: Je runder und harmonischer, umso kommunikativer. Auch aus dem Augenstand und einem wachen Blick lassen sich Erkenntnisse zur Kommunikationsfähigkeit eines Menschen ableiten.
„Falsch!“, sagt Dr. Thomé. Die Dicke der Augenbrauen hat etwas mit Temperament zu tun. Je dichter und dicker die Augenbrauen sind, umso temperamentvoller ist der Mensch. Stehen die Augenbrauen zudem dicht zusammen, zeigt das, dass jemand überschießendes Temperament haben kann.
An den Lippen ist zu erkennen, welche Gefühle jemand hat. Und da unterscheidet man zwischen der Oberlippe und der Unterlippe. Die Unterlippe steht, wenn sie sehr groß ist, für Triebhaftigkeit; das sind Menschen, die sehr stark aus sich herausgehen können. Die Oberlippe zeigt, dass jemand sehr schöne Gefühle und Emotionen haben kann. Aber das Küssen an sich müsse man lernen, so Dr. Thomé.
Das Vorurteil stimmt in diesem Fall. Wichtig ist in jedem Fall zu berücksichtigen: Wie sind die Proportionen von Stirn, Mittelgesicht und Untergesicht? Die Stirn muss größer sein als die anderen beiden Partien.
An der Nase eines Mannes kann man nicht seinen „Johannes“ erkennen, so Dr. Thomé. Aber es gibt ein anderes Merkmal, das geeignet ist, den Testosteronspiegel eines Mannes zu erkennen – und das hat etwas mit Fortpflanzungsfähigkeit zu tun. Und zwar geht es um die Relation von Ringfinger zu Zeigefinger. Ist der Ringfinger länger als der Zeigefinger, dann ist der Testosteronspiegel höher. „Darauf auf den ,Johannes’ zu schließen, ist dennoch schwierig“, sagt Dr. Thomé. Es gäbe ein anderes Merkmal, womit man zumindest erkennen kann, wie kräftig ein Mann gebaut sei, wie widerstandsfähig und zeugungsfähig. Und zwar könne man das am Hinterteil erkennen, sagt der Physiognom. Und genau darauf schauten die Frauen auch immer als erstes beim Mann, auch wenn sie es nicht zugeben würden, so seine Beobachtung.
Ob Nase, Mund, Stirn oder Augenbrauen: Eine gewisse Einschätzung unserer Persönlichkeit ist offenbar tatsächlich möglich. Physiognomik (Kenntnis vom Körper) ist sehr komplex. Anhand von mehreren Hundert Einzelmerkmalen, die je nach untersuchter Eigenschaft in Beziehung zueinander gesetzt werden, findet eine sorgfältige und detaillierte Analyse statt.
In der Physiognomik – teilweise auch ergänzt mit dem Zusatz „Psycho-“ (Seele) – wird davon ausgegangen, dass das Äußere in einem engen Zusammenhang mit dem Inneren steht. Einen Beweis nach den Kriterien klassischer Wissenschaftstheorie konnte aber noch kein Erklärungsansatz hinreichend liefern.
Im Rahmen der Dissertation von Dr. Thomé und in seiner täglichen Arbeit als Personalberater hat er alle von ihm verwendeten Merkmale in über 2.000 Fällen verifiziert. Nichverifizierte Merkmale setze er nicht ein. Die Treffergenauigkeit der festgestellten Charaktermerkmale liegt bei ihm bei durchschnittlich 85 bis 90 Prozent, was über den Ergebnissen von Persönlichkeitstests liege.
Angelika Schleese
Stand: 14.02.2012
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