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Carsharing mit Privatfahrzeugen

  • SendeterminMittwoch, 15. Februar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.

Statistisch gesehen wird ein Auto in Deutschland nur eine Stunde am Tag genutzt. Die restlichen 23 Stunden steht es ungenutzt in der Garage. Verschenktes Potenzial, zumal das Auto dennoch Kosten produziert: Fixkosten für Steuer, Versicherung etc.

Junge Frau steht vor einem Auto
23 Stunden am Tag steht ein Auto statistisch gesehen still. Verschenktes Potenzial, das man durch privates Carsharing nutzen kann.

Auf Internetportalen wie tamyca.de, nachbarschaftsauto.de oder autonetzer.de können Autobesitzer ihre Privatfahrzeuge mit anderen Autofahrern teilen: Carsharing – nicht kommerziell durch traditionelle Anbieter wie Stattauto, Flinkster oder Greenwheels, sondern von Privat zu Privat. Der Clou: Autos werden viel effizienter genutzt, und im Unterschied zu herkömmlichen Carsharing-Angeboten kann man durch das Vermieten seines Autos sogar Geld verdienen.

Auch Klapperkisten im Angebot

Das Prozedere: Hat man sich einmal – kostenfrei – registriert, kann man sich im Angebot das Auto aussuchen, das einem am besten gefällt – von der gehobenen Klasse bis hin zur „Klappermöhre“ Baujahr anno dazumal. Gewünschte Nutzungszeit und Kilometerzahl eingeben, dann zeigt das Portal an, wie viel die Miete kosten wird. Den Preis für sein Auto legt der Vermieter fest. Via Internetportal stimmen sich Mieter und Vermieter ab und vereinbaren Ort und Termin für die Schlüsselübergabe. Die Kosten für das Auto muss der Mieter schon im Vorfeld überweisen, auch das läuft über das Internetportal.

Auf einem Carsharing Portal werden Daten eingegeben
Bei privaten Carsharing-Portalen kann man sich zum gewünschten Reisetermin ein Auto aussuchen.

Für eine zweitägige Buchung mit einer Fahrt von 700 Kilometern zahlt der Mieter eines alten Opel Corsa zum Beispiel 80 Euro. 24 Euro gehen davon an die Versicherung und das Internetportal. Immerhin 56 Euro bekommt der Vermieter des Autos.

Ein Vergleich mit alternativen Reisemöglichkeiten ergibt (Spritverbrauch jeweils einberechnet):

  • privates Carsharing: 147 Euro
  • traditionelles Carsharing: 159 Euro (für ein neueres Fahrzeug, allerdings plus geringe monatliche Fixkosten, die beim Privat-Carsharing nicht anfallen)
  • Mietwagen (günstigster Anbieter): 172 Euro (dort können aber Kosten hinzukommen, etwa für Winterreifen)
  • Deutsche Bahn (ohne Bahncard): 163 Euro

Das private Carsharing ist in dieser Stichprobe also das günstigste Angebot. Ein Trend, der sich bei geringerer Kilometerzahl in weiteren Stichproben eher verstärkt.

Auflistung: Kosten Carsharing im Vergleich mit anderen
Reisemöglichkeiten
In unserer Stichprobe war das private Carsharing das günstigste Angebot.

Die Schlüsselübergabe

Vor der Schlüsselübergabe schauen sich Mieter und Vermieter das Auto genau an und protokollieren mögliche Schäden, damit es nachher nicht heißt, der Mieter hätte die Schäden verursacht. Nach Kontrolle von Fahrzeugpapieren und Führerschein kann es losgehen.

Für die Dauer der Mietzeit ist der „neue“ Fahrer komplett versichert: Haftpflicht, Vollkasko, Pannenservice, Unterschlagungsschutz – alles ist dabei.

Nachdem das Auto zurückgegeben wurde, bewerten sich Mieter und Vermieter gegenseitig über das Portal. Dies bietet möglichen neuen „Kunden“ eine Orientierung darüber, wie seriös die Carsharer sind, oder auch, wie gut das Auto in Schuss war.

Übergabeprotokoll privater Carsharer
Vor der Schlüsselübergabe wird der Zustand des Fahrzeugs genau protokolliert.

Noch Lücken auf dem Land

Noch ist privates Carsharing eher etwas für junge Leute aus der Großstadt – mit wenig Geld und viel Idealismus. Leute, denen das Auto als Statussymbol nicht viel bedeutet und die ihr Auto gerne teilen und bestehende Ressourcen nutzen möchten. Das Portal tamyca.de aus Aachen hat immerhin schon 2.500 Kunden – Tendenz steigend.

Auf dem Land ist die Auslastung dagegen eher mau und das Netz aus Mietern und Vermietern noch grob geknüpft. So kann es sein, dass der nächstgelegene Anbieter eines Autos viele Kilometer vom Wohnort des Mieters entfernt lebt. Ein Problem, denn wie soll der Mieter ohne Auto zum Vermieter kommen? Doch wenn sich der Trend des privaten Autoteilens weiter fortsetzt, wird das Netz auch auf dem Land immer enger geknüpft und somit immer attraktiver.

Autor:

Michael Bisping

Link:

Stand: 15.02.2012


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