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Ratgeber
Servicezeit
Sendung vom 15. Februar 2012
Prosecco im Geschmackstest
Lange Zeit durfte der Name „Prosecco“ für Weine überall in der Welt verwendet werden, handelte es sich doch bei Prosecco um eine alte Rebsorte, die grundsätzlich an vielen Orten gedeihen kann. Doch mit einer EU-Verordnung vom November 2009 hat sich das geändert. Die frühere „Prosecco“-Traube heißt danach „Glera“, und „Prosecco“ ist seitdem eine Herkunftsbezeichnung für Weine aus einem fest umschriebenen Anbaugebiet im Nordosten Italiens.
Prosecco DOC (Denominazione di Origine Controllata) wird in bestimmten Regionen von Veneto und Friaul-Julisch Venetien produziert. Nur Weine, die den vorgeschriebenen Qualitätsstandards entsprechen und aus dem klassischen engeren Anbaugebiet um die beiden Orte Conegliano und Valdobbiadene stammen, dürfen die Bezeichnung DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) tragen.
Nicht nur als Aperitif ist prickelnder Prosecco außerordentlich beliebt. Im Handel gibt es ein entsprechend großes Angebot. In einer Stichprobe hat die Servicezeit fünf verschiedene Prosecco aus Supermärkten und Discountern geschmacklich getestet.
Christian Frens, Geschäftsführer von „Sommelier Consult – Die Weinexperten“, und Sommelière Verena Herzog testeten für uns im Weinrestaurant „Essers Gasthaus“ in Köln.
Anette S. und Sanja Z., zwei Freundinnen, die einen guten Prosecco zu schätzen wissen, bildeten das zweite Testteam.
Alle Prosecco-Proben wurden blind verkostet, die Marken waren für die Tester nicht zu erkennen.
Prosecco Blû, Vino Frizzante
Den Profis fällt sofort an der „zarten
Perlage“ auf, dass es sich hier um einen Vino Frizzante mit
wenig Kohlensäure handelt. Die beiden Freundinnen aus dem
zweiten Testteam finden ihn dann auch „sehr lasch im
Geschmack“. Auch Christian Frens konstatiert: „Wenig
Aroma.“ Schon nach kurzer Zeit verschwinden die
Kohlensäureperlen ganz. „Das ist wie ein stilles
Wasser“, meint Anette. Im Abgang empfindet Sommelière
Verena Herzog gar ein „stumpfes Gefühl“. Für
Christian Frens sowie die beiden Damen des zweiten Testteams bleibt
insgesamt ein „bitterer Nachgeschmack“.
Prosecco Boticelli, Vino Frizzante
Schon beim Einschenken erkennen unsere Tester wenig
Perlage, die zudem sofort verschwindet. „Er sieht ein wenig
abgestanden aus“, erklärt die Sommelière. Auch im
Geschmack kann der Prosecco nicht überzeugen: „Ich
finde, er schmeckt relativ unsauber, er hat eine ganz komische
Säure – so ein bisschen etwas Beißendes,
Kratziges“, erklärt Verena Herzog weiter. Sie bezeichnet
den Prosecco als „unharmonisch“. Das Urteil der beiden
Freundinnen ist noch härter: „Schmeckt wie Kindersekt,
wie Fruchtbrause, sehr süß.“
Prosecco Superiore Conegliano Valdobbiadene, Vino
Spumante
Beim Prosecco von Aldi-Süd handelt es sich um einen
Vino Spumante. Und das macht sich auch gleich beim Einschenken
bemerkbar. „Viele Bläschen bilden sich da – sieht
toll aus“, so der erste Eindruck von Anette. Auch die Profis
sind angetan: „Rein visuell ein starkes Produkt“, so
Sommelier Frens. Auch den Geschmack des Prosecco beurteilt das
Damen-Team als gut: „Er ist sehr erfrischend und
fruchtig.“ Die Profis sind von der Sensorik weniger
überzeugt: „Er ist gut gemacht, aber nichts
Großes“, fasst Frens zusammen.
Martini, Vino Frizzante
Das erste Manko für die beiden Freundinnen:
„Dieser Prosecco hat einen Schraubverschluss –
gefällt mir gar nicht.“ Für die Profis ist dies
zwar kein Nachteil, da auch hochwertige und hochpreisige Weine
mittlerweile über Schraubverschlüsse verfügen, doch
die Party-Damen fühlen sich um das
„Prosecco-Feeling“ betrogen. Was die Perlage angeht,
„tut sich im Glas da wenig“, konstatiert
Sommelière Verena Herzog. Die wenigen Bläschen sind
zudem „auch noch schnell verschwunden“, bemängelt
Testerin Anette. Verena Herzog schmeckt der Prosecco schlichtweg zu
süß, fast schon „bonbonartig“, meint sie. Im
Abgang ist er dafür „bitter“, ergänzt
Weinexperte Frens.
Zonin, Spumante Brut
„Die Perlage ist kräftig, wir haben eine
ordentliche Kohlensäurebildung, wir haben sehr viel Schaum auf
dem Glas“, so der erste positive Eindruck von Christian
Frens. „Der riecht nach Urlaub, nach Früchten“,
der erste Eindruck der Freundinnen aus dem zweiten Testteam ist
ebenfalls gut. Auch vom Geschmackserlebnis bei diesem Spumante Brut
sind alle Tester angetan. Die Perlage sei feinperlig und mild, die
anfangs nur mit der Nase wahrgenommenen fruchtigen Aromen finde man
auch am Gaumen wieder, erklärt Sommelière Herzog.
Ein gelungenes Produkt, meinen alle Tester.
„Brauchen wir nur noch eine Party“, bringt es Christian
Frens auf den Punkt.
Klarer Favorit aller Tester in unserem Geschmackstest ist der Prosecco Spumante Brut von Zonin. Die Profis beschreiben ihn als ausgewogenes, gutes Produkt. Die Prosecco-Freundinnen fassen es so zusammen: „Er ist spritzig, fruchtig und schmeckt nach Urlaub, schmeckt nach Dolce Vita.“
Prosecco gibt es sowohl als Schaumwein (Spumante) als auch als Perlwein (Frizzante). Ein Frizzante gibt die Kohlensäure nach dem Öffnen der Flasche sehr zügig ab und schmeckt daher schnell schal. Dagegen hat ein Spumante einen wesentlich höheren Kohlensäuregehalt, der im besten Fall dazu führt, dass sich eine feine Perlage lange im Glas hält.
Tipps von Sommelier Christian Frens:
Stephan Creydt
Stand: 15.02.2012
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