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Prosecco im Geschmackstest

  • SendeterminMittwoch, 15. Februar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.

Lange Zeit durfte der Name „Prosecco“ für Weine überall in der Welt verwendet werden, handelte es sich doch bei Prosecco um eine alte Rebsorte, die grundsätzlich an vielen Orten gedeihen kann. Doch mit einer EU-Verordnung vom November 2009 hat sich das geändert. Die frühere „Prosecco“-Traube heißt danach „Glera“, und „Prosecco“ ist seitdem eine Herkunftsbezeichnung für Weine aus einem fest umschriebenen Anbaugebiet im Nordosten Italiens.

Alle getesteten Prosecco-Marken aus dem Test in der Übersicht
Seit der EU-Verordnung vom November 2009 ist „Prosecco“ eine Herkunftsbezeichnung für Weine aus einem fest umschriebenen Anbaugebiet.

Prosecco DOC (Denominazione di Origine Controllata) wird in bestimmten Regionen von Veneto und Friaul-Julisch Venetien produziert. Nur Weine, die den vorgeschriebenen Qualitätsstandards entsprechen und aus dem klassischen engeren Anbaugebiet um die beiden Orte Conegliano und Valdobbiadene stammen, dürfen die Bezeichnung DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) tragen.

Nicht nur als Aperitif ist prickelnder Prosecco außerordentlich beliebt. Im Handel gibt es ein entsprechend großes Angebot. In einer Stichprobe hat die Servicezeit fünf verschiedene Prosecco aus Supermärkten und Discountern geschmacklich getestet.

Die getesteten Produkte

  • Blû, Prosecco D.O.C., Vino Frizzante (circa 5,50 Euro)
  • Boticelli, Prosecco D.O.C., Vino Frizzante (circa 3 Euro)
  • Conegliano Valdobbiadene, Prosecco Superiore D.O.C.G, Vino Spumante, Aldi-Süd (circa 5 Euro)
  • Martini, Prosecco D.O.C., Vino Frizzante (circa 6 Euro)
  • Zonin, Prosecco D.O.C., Spumante Brut (circa 6,50 Euro)

Die Tester

Christian Frens, Geschäftsführer von „Sommelier Consult – Die Weinexperten“, und Sommelière Verena Herzog testeten für uns im Weinrestaurant „Essers Gasthaus“ in Köln.

Anette S. und Sanja Z., zwei Freundinnen, die einen guten Prosecco zu schätzen wissen, bildeten das zweite Testteam.

Alle Prosecco-Proben wurden blind verkostet, die Marken waren für die Tester nicht zu erkennen.

Zwei Frauen stoßen mit Prosecco an
Anette S. und Sanja Z., zwei Freundinnen, die einen guten Prosecco zu schätzen wissen, bildeten das zweite Testteam.

Die Testergebnisse

Prosecco Blû, Vino Frizzante
Den Profis fällt sofort an der „zarten Perlage“ auf, dass es sich hier um einen Vino Frizzante mit wenig Kohlensäure handelt. Die beiden Freundinnen aus dem zweiten Testteam finden ihn dann auch „sehr lasch im Geschmack“. Auch Christian Frens konstatiert: „Wenig Aroma.“ Schon nach kurzer Zeit verschwinden die Kohlensäureperlen ganz. „Das ist wie ein stilles Wasser“, meint Anette. Im Abgang empfindet Sommelière Verena Herzog gar ein „stumpfes Gefühl“. Für Christian Frens sowie die beiden Damen des zweiten Testteams bleibt insgesamt ein „bitterer Nachgeschmack“.

Blû, Prosecco D.O.C., Vino Frizzante
Prosecco Blû, Vino Frizzante: zarte Perlage, aber wenig Aroma.

Prosecco Boticelli, Vino Frizzante
Schon beim Einschenken erkennen unsere Tester wenig Perlage, die zudem sofort verschwindet. „Er sieht ein wenig abgestanden aus“, erklärt die Sommelière. Auch im Geschmack kann der Prosecco nicht überzeugen: „Ich finde, er schmeckt relativ unsauber, er hat eine ganz komische Säure – so ein bisschen etwas Beißendes, Kratziges“, erklärt Verena Herzog weiter. Sie bezeichnet den Prosecco als „unharmonisch“. Das Urteil der beiden Freundinnen ist noch härter: „Schmeckt wie Kindersekt, wie Fruchtbrause, sehr süß.“

Boticelli, Prosecco D.O.C., Vino Frizzante
Prosecco Boticelli, Vino Frizzante: überzeugt weder in der Perlage noch im Geschmack.

Prosecco Superiore Conegliano Valdobbiadene, Vino Spumante
Beim Prosecco von Aldi-Süd handelt es sich um einen Vino Spumante. Und das macht sich auch gleich beim Einschenken bemerkbar. „Viele Bläschen bilden sich da – sieht toll aus“, so der erste Eindruck von Anette. Auch die Profis sind angetan: „Rein visuell ein starkes Produkt“, so Sommelier Frens. Auch den Geschmack des Prosecco beurteilt das Damen-Team als gut: „Er ist sehr erfrischend und fruchtig.“ Die Profis sind von der Sensorik weniger überzeugt: „Er ist gut gemacht, aber nichts Großes“, fasst Frens zusammen.

Conegliano Valdobbiadene, Prosecco Superiore D.O.C.G, Vino Spumante
Prosecco Superiore Conegliano Valdobbiadene, Vino Spumante: nur visuell ein starkes Produkt.

Martini, Vino Frizzante
Das erste Manko für die beiden Freundinnen: „Dieser Prosecco hat einen Schraubverschluss – gefällt mir gar nicht.“ Für die Profis ist dies zwar kein Nachteil, da auch hochwertige und hochpreisige Weine mittlerweile über Schraubverschlüsse verfügen, doch die Party-Damen fühlen sich um das „Prosecco-Feeling“ betrogen. Was die Perlage angeht, „tut sich im Glas da wenig“, konstatiert Sommelière Verena Herzog. Die wenigen Bläschen sind zudem „auch noch schnell verschwunden“, bemängelt Testerin Anette. Verena Herzog schmeckt der Prosecco schlichtweg zu süß, fast schon „bonbonartig“, meint sie. Im Abgang ist er dafür „bitter“, ergänzt Weinexperte Frens.

Prosecco der Marke Martini
Martini, Vino Frizzante: schlichtweg zu süß, im Abgang allerdings bitter.

Zonin, Spumante Brut
„Die Perlage ist kräftig, wir haben eine ordentliche Kohlensäurebildung, wir haben sehr viel Schaum auf dem Glas“, so der erste positive Eindruck von Christian Frens. „Der riecht nach Urlaub, nach Früchten“, der erste Eindruck der Freundinnen aus dem zweiten Testteam ist ebenfalls gut. Auch vom Geschmackserlebnis bei diesem Spumante Brut sind alle Tester angetan. Die Perlage sei feinperlig und mild, die anfangs nur mit der Nase wahrgenommenen fruchtigen Aromen finde man auch am Gaumen wieder, erklärt Sommelière Herzog. „Ein gelungenes Produkt“, meinen alle Tester. „Brauchen wir nur noch eine Party“, bringt es Christian Frens auf den Punkt.

Zonin, Prosecco D.O.C., Spumante Brut
Klarer Testsieger: Zonin, Spumante Brut. Er beweist eine kräftige Perlage und bietet ein tolles Geschmackserlebnis.

Der Testsieger

Klarer Favorit aller Tester in unserem Geschmackstest ist der Prosecco Spumante Brut von Zonin. Die Profis beschreiben ihn als ausgewogenes, gutes Produkt. Die Prosecco-Freundinnen fassen es so zusammen: „Er ist spritzig, fruchtig und schmeckt nach Urlaub, schmeckt nach Dolce Vita.“

Kleine Warenkunde: Spumante oder Frizzante?

Prosecco gibt es sowohl als Schaumwein (Spumante) als auch als Perlwein (Frizzante). Ein Frizzante gibt die Kohlensäure nach dem Öffnen der Flasche sehr zügig ab und schmeckt daher schnell schal. Dagegen hat ein Spumante einen wesentlich höheren Kohlensäuregehalt, der im besten Fall dazu führt, dass sich eine feine Perlage lange im Glas hält.

Tipps von Sommelier Christian Frens:

  • Ob Sie eine Flasche Spumante oder Frizzante vor sich haben, können Sie schon am Korken erkennen: Der Frizzante wird in der Regel mit einem normalen Weinkorken verschlossen, der Spumante besitzt einen „Champagnerkorken“, den Sie knallen lassen können.
  • Beim Öffnen des „Champagnerkorkens“ nicht oben am Korken drehen, sondern den Korken festhalten und mit der anderen Hand den Flaschenboden drehen. Dann macht es leise „plopp“, und der Korken ist draußen.
  • Beim Eingießen das Glas kippen, dann ist die Schaumentwicklung nicht zu stark, und nichts läuft über.
  • Die optimale Trinktemperatur liegt bei acht bis zehn Grad Celsius, also etwas oberhalb der Kühlschranktemperatur.
  • Beim Glas sollte es sich optimalerweise um eine sogenannte „Tulpe“ handeln, ein Glas also, dass sich nach oben wieder verjüngt.
  • Im Gegensatz zu Rotwein können Sie Prosecco nicht lange lagern. Spätestens nach einem Jahr verliert er an Frucht und Geschmack.
Autor:

Stephan Creydt

Stand: 15.02.2012


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