Hauptnavigation

Sonntag, 27.05.2012

Suche im Redaktionsangebot von Servicezeit
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Servicezeit

Navigation


Zurück: April 2012 Sendeplan für Mai 2012 Weiter: Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Ratgeber > Servicezeit > Sendung vom 21. Februar 2012 > Bauchfett: Warum ist es so gefährlich?


Bauchfett: Warum ist es so gefährlich?

  • SendeterminDienstag, 21. Februar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.
  • WiederholungsterminMittwoch, 22. Februar 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.).

Übergewicht ist gesundheitsschädlich – diese Ansicht ist weit verbreitet. Doch so einfach ist es nicht. Wie stark das Risiko zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt, hängt überdies stark davon ab, wo die Fettpolster sitzen. Manche Menschen setzen an den Hüften an, andere eher am Bauch. Wodurch wird das beeinflusst? Aktuelle Studien zeigen zudem: Der Anteil an Muskeln im Körper ist ebenfalls ausschlaggebend.

Grafik: Frau mit Birnenfigur
Wie stark das Risiko zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt, hängt stark davon ab, wo die Fettpolster sitzen.

Apfel oder Birne – was ist gesünder?

Während es beim Obst keine große Rolle spielt, ob man das eine oder das andere bevorzugt, sieht es bei der Körperfettverteilung anders aus. Je nachdem nämlich, wie das Fett verteilt ist, kann es einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit haben. Fast jeder hat es schon einmal beobachtet: Manche Menschen lagern Fett apfelförmig in der Körpermitte an. Im Volksmund nennt man das Rettungsring oder Bierbauch. Andere wiederum setzen Speck eher an der Hüfte und an den Oberschenkeln an, also eher birnenförmig. Im Durchschnitt haben die „Birnentypen“ mehr Fett als die „Apfeltypen“. Aber ist der Apfeltyp deshalb gesünder?

Große Europäische Ernährungsstudie

Im Rahmen der 1992 begonnenen Europäischen EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) haben Potsdamer Wissenschaftler die Daten von über 27.000 Probanden ausgewertet. Ein Ergebnis: Meist sind es Männer, die Fett im Bauchbereich anlagern und somit dem Apfeltyp entsprechen. Man spricht hier von einer androiden Fettverteilung. Bei Frauen ist hingegen vorwiegend die Birnenform, die sogenannte gynoide Fettverteilung, vertreten. Dieser Unterschied zwischen Männern und Frauen ist hormonell bedingt. Vermutlich dienten die Fettreserven an Hüfte, Po und Oberschenkeln als Energiespeicher für die Schwangerschaft, erklärt Dr. Tobias Pischon vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIFE).

Body-Mass-Index nur ein Richtwert

Der Body-Mass-Index (BMI) – lange Zeit das Maß der Dinge in puncto Gewichtsfragen – war nur ein Wert neben vielen anderen, die bei den Studienteilnehmern in Potsdam ermittelt wurden. Der BMI lässt allerdings keine Aussage über das Verhältnis von Fett- und Muskelanteil zu oder darüber, wo das Fett sitzt. Dieser Wert ist daher lediglich ein grober Richtwert für Übergewicht bei Durchschnittsmenschen. Für Kinder, ältere Menschen und Sportler ist er wenig aussagekräftig. Auch mit einem relativ hohen BMI kann man gesund sein. Kraftsportler weisen häufig einen sehr hohen BMI auf. Sie haben aber einen höheren Muskelanteil und deutlich weniger Fett als der Durchschnitt. Mehr Muskeln bedeuten einen höheren Grundumsatz, das heißt, im Ruhezustand steigt der Kalorienverbrauch. Das wirke sich günstig auf den Stoffwechsel aus, so Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Exkurs: Body-Mass-Index

Die Einstufung des Körpergewichts erfolgt auf Basis des sogenannten Body-Mass-Index (BMI). Dieser errechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat.

Beispiel: Ein 90 Kilogramm schwerer Mann, der 1,85 Meter groß ist, hat einen BMI von 26,3.

Rechnung: 90 Kilogramm : (1,85 Meter x 1,85 Meter) = 26,3

Ab einem BMI von weniger als 18 spricht man allgemein von Untergewicht, bei einem BMI von über 25 von Übergewicht. Der BMI-Normalwert für Frauen liegt zwischen 19 und 24, bei Männern zwischen 20 und 25.

Körperfettanteil bestimmen

Mit einem Hightechgerät namens „Bod Pod“ haben die Potsdamer Forscher die Möglichkeit, den mengenmäßigen Anteil von Fett- und Muskelmasse zu bestimmen. Doch auch diese Messung hat einen Haken: Sie sagt nichts darüber aus, wo genau die Fettpolster sitzen. Daher haben die Wissenschaftler an bestimmten Körperstellen mithilfe eines sogenannten Calipers die Hautfaltendicke gemessen. Aussagekräftige Stellen sind neben Brust und Bizeps die Fettdepots unterm Kinn und am Rücken neben dem Schulterblatt.

Bauchfettmessung
Da die Messung der Fett- und Muskelmasse allein nicht aussagekräftig genug ist, messen Wissenschaftler auch die Hautfaltendicke.

Frauen haben durchschnittlich einen höheren Körperfettanteil als Männer. Im Laufe des Lebens steigt der Körperfettanteil, während der Anteil an Muskelmasse ungefähr ab dem 25. Lebensjahr stetig abnimmt. Körperfetttabellen geben einen Überblick über die empfohlenen Durchschnittswerte für Frauen und Männer in Relation zum Alter.

Körperanalysewaagen können durch die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit der verschiedenen Körpergewebe den prozentualen Anteil von Fett, Wasser und Muskeln ermitteln. Allerdings liefern nur solche Geräte zuverlässige Ergebnisse, bei denen der Stromfluss mittels Dioden durch den ganzen Körper (beispielweise vom Oberarm bis zu den Füßen) geleitet wird.

Taillen-Hüft-Umfangs-Quotient

Ein aussagekräftiger Wert im Hinblick auf die Fettverteilung ist der Taillen-Hüft-Umfangs-Quotient. Dieser wird ermittelt, indem man den Taillen- durch den Hüftumfang teilt. Bei Männern sollte er unter 1, bei Frauen unter 0,85 liegen. Aber auch ein Bauchumfang von mehr als 88 Zemtimetern bei Frauen und mehr als 102 Zentimetern bei Männern gilt als ein Indikator für ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko.

Veränderte Blutwerte bei Bauchfett

Im Blut der Probanden mit viel Bauchfett fanden die Wissenschaftler vermehrt Substanzen, die den Stoffwechsel stören, Entzündungen hervorrufen können und das Diabetes- und Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Denn das Bauchfett ist nicht nur Energiespeicher, sondern im Gegensatz zum Hüftspeck ein äußerst stoffwechselaktives Gewebe. Auffallend war vor allem das Eiweiß Interleukin-6 – ein Botenstoff des Immunsystems, der Entzündungen reguliert. Bei den „Apfeltypen“ war der Interleukin-6-Wert deutlich erhöht und ging mit einem hohen Gehalt an C-reaktivem Protein – ein Entzündungsstoff – einher.

Schützende Stoffe, gefährliche Stoffe

Daneben entdeckten die Wissenschaftler aber auch eine Art Schutzfaktor im Blut: Das Eiweiß Adiponectin senkt vermutlich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Allerdings haben Adipöse niedrige Adiponectinspiegel.

Einen wichtigen Indikator für Hochrisikopatienten, der relativ leicht im Blut nachzuweisen ist, konnte erst kürzlich ausgemacht werden: Der Eiweißstoff Fetuin-A wird von Menschen mit einer Fettleber verstärkt gebildet. Es wirkt entzündungsfördernd und hemmt das schützende Adiponectin. Beides führt vermutlich zu einer verminderten Wirksamkeit von Insulin, es kommt zu der gefürchteten „Insulinresistenz“. Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sind dabei um mehr als das Dreifache erhöht!

Bei Menschen mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel steigert Fetuin-A das Diabetesrisiko besonders deutlich. Die Wissenschaftler hoffen, dass in etwa fünf Jahren ein Labortest auf Fetuin-A zum Standard bei der Diagnose des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos wird.

Bauchfett erhöht Sterblichkeitsrisiko

Die Ergebnisse der Potsdamer EPIC-Studie zeigen, dass Normalgewichtige mit viel Bauchfett bezogen auf den gleichen Zeitraum ein höheres Sterblichkeitsrisiko haben als leicht Übergewichtige mit einer günstigeren, also birnenförmigen Fettverteilung. Das geringste Risiko hätten Frauen mit einem Body-Mass-Index von 24,3 und Männer mit einem BMI von 25,3, erklärt Dr. Tobias Pischon vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Gefährlich: Fett im Bauch

Am Universitätsklinikum Tübingen sucht Professor Andreas Fritsche nach weiteren Merkmalen, die ein besonders hohes Risiko für Diabetes und Gefäßerkrankungen frühzeitig anzeigen. Dadurch soll die vorbeugende Behandlung von Risikopatienten verbessert werden. Mithilfe der Kernspintomografie konnte er die Fettschichten erstmals sichtbar machen. Bei dieser Untersuchung zeigte sich: Während das Fett beim Birnentyp vor allem unter der Haut sitzt, sammelt es sich beim Apfeltypen im Bauch. Hier sitzt es sogar an Organen, die normalerweise kein Fett enthalten, so zum Beispiel an der Leber.

Experte
Durch die differenzierten Untersuchungen zur Körperfettansammlung soll die vorbeugende Behandlung von Risikopatienten verbessert werden.

Leber im Visier der Forscher

Im Bauchfett werden kurzfristig überschüssige Fettsäuren eingelagert und auch als Erstes mobilisiert, wenn Energiemangel herrscht und die Fettreserven verfügbar gemacht werden müssen. Von hier gelangen Fettsäuren direkt in die Leber. Die dauernde Fettattacke führe langfristig zu massiven Störungen im Fettstoffwechsel, betont Professor Andreas Pfeiffer vom DIFE. Daher wurde die Leber noch genauer unter die Lupe genommen: Mithilfe der Magnetresonanzspektroskopie fanden die Tübinger Wissenschaftler bei Patienten mit bereits bestehender Insulinresistenz einen deutlich höheren Gehalt an kugelförmigen Fetttröpfchen. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen kugelförmiger Fetttröpfchen und mangelnder Insulinempfindlichkeit.

Anzahl der Fettzellen konstant

Es gibt zahlreiche gesundheitliche Gründe, sein Bauchfett loszuwerden oder – besser noch – es gar nicht erst anzusetzen. Bereits im Kindesalter erfolgt die Bildung der Fettzellen und ist nach der Pubertät abgeschlossen. Die Zahl der Fettzellen bleibt beim Erwachsenen – außer bei extremer Adipositas – konstant, lediglich ihr Volumen ändert sich, je nachdem, wie viel man isst und sich bewegt. Das Risiko Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen zu entwickeln, ist für den Apfeltypen deutlich höher. Aber auch für den Birnentyp könne es ratsam sein, Übergewicht zu verlieren, um chronische Krankheiten zu vermeiden, so Tobias Pischon vom Potsdamer DIFE.

Langfristige Ernährungsumstellung statt kurzfristiger Diät

Wer abnehmen möchte, sollte langfristig eine Ernährungsumstellung vornehmen. Eine drastische Verringerung der Kalorienzufuhr ist nur bei intensiver ärztlicher oder ernährungswissenschaftlicher Betreuung sinnvoll, um einen sichtbaren Anfangserfolg zu erzielen. So erreichten die Teilnehmer einer weiteren Studie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung eine anfängliche Gewichtsreduktion von durchschnittlich zwölf Kilogramm in acht Wochen. Sie konnten diese auch in den folgenden sechs Monaten beibehalten. Auch die Deutsche Adipositas Gesellschaft befürworte durchaus einen radikalen Beginn der Gewichtsreduktion, denn der „langsame Ansatz“ sei häufig nur moderat erfolgreich, berichtet Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Unbestritten bleibt, dass „Einzelkämpfer-Diäten“ ohne fachmännische Betreuung nur selten dauerhaft durchgehalten werden können und zumeist zum unerwünschten Jo-Jo-Effekt führen. In der Regel ist es hilfreich, auf schnell verdauliche Kohlenhydrate wie zum Beispiel Haushaltszucker zu verzichten, um starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden. Besser ist es, Kohlenhydrate in Form von reichlich Gemüse und Vollkornprodukten zu verzehren. Gleichzeitig hilft die gesteigerte Ballaststoffzufuhr, den berüchtigten Heißhunger zu vermeiden.

Fettverbrennung steigern durch Bewegung

Vor allem aber sollten „Apfeltypen“ auf mehr Bewegung setzen. Drei Stunden Ausdauersport pro Woche in Form von Joggen, Skaten, Schwimmen oder Radfahren verbessern die Kondition und regen den Stoffwechsel an. Pro Ausdauertrainingseinheit sollte man mindestens eine halbe Stunde aufwenden, denn erst nach rund 20 Minuten Belastung geht es den Fettpolstern durch die Verbrennung tatsächlich an den Kragen. Der Anteil an Muskeln wird gesteigert, die ihrerseits aktiv Kalorien verbrennen. Regelmäßiges Bauchmuskeltraining (zum Beispiel Sit-ups) hilft, den gefährlichen Bauchspeck gezielt zu reduzieren.

Buchtipps:

  • Gerhard Pott (Hrsg.)
    Das metabolische Syndrom
    Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus mit den Folgen Herzinfarkt und Schlaganfall
    Schattauer, 2007
    ISBN 9783794525164
    Preis: 29,95 Euro
  • Marilyn Glenville
    Fettfalle Apfeltyp
    Knaur, 2006
    ISBN 9783426644119

    (Das Buch ist vergriffen, gebraucht aber bei verschiedenen Internetbuchhändlern zu bekommen.)
  • Jorge Cruise
    Die 12 Sekunden Formel
    Der revolutionäre Fitnessplan
    Riva, 2008
    ISBN 9783936994926
    Preis: 19,90 Euro
Autorin:

Patricia Metz

Links:

Stand: 21.02.2012


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.