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Sport gegen Krebs

  • SendeterminMittwoch, 22. Februar 2012, 18.20 - 18.50 Uhr.
  • WiederholungsterminDonnerstag, 23. Februar 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.).

Wer die Diagnose „Krebs“ erhält, weiß, dass meist eine langwierige und kraftraubende Therapie folgt. Viele Krebspatienten leiden auch unter Erschöpfung und Kraftlosigkeit, können sich kaum noch zu Aktivitäten aufraffen, geschweige denn zu körperlicher Anstrengung. Da scheint es auf den ersten Blick paradox, was Krebspatienten an der Sporthochschule Köln ausprobieren sollen: Sport und Bewegung als Mittel gegen Krebs. Der Sportwissenschaftler Dr. Freerk Baumann ist Initiator mehrerer Studien, die den Einfluss von Bewegung und Sport auf den Verlauf einer Krebserkrankung untersuchen. In einer aktuellen Studie testet er den Einfluss von Krafttraining auf Brustkrebspatientinnen. „Das Besondere an dieser Studie ist, dass wir Brustkrebspatientinnen sehr früh einbinden, und zwar bereits sechs Wochen nach der Operation. Es gibt weltweit keine Studie, die Frauen so früh nach einer Operation eingebunden hat“, berichtet Dr. Baumann.

Sportwissenschaftler Doktor Freerk Baumann
Sportwissenschaftler Dr. Freerk Baumann untersucht den Einfluss von Krafttraining auf Krebspatienten.

Krafttraining gegen Erschöpfung

Eine der Studienteilnehmerinnen ist die 37-jährige Stefanie M. Vor einem halben Jahr wurde bei ihr ein Tumor in der rechten Brust entdeckt. Die darauf folgende Operation hat sie gut überstanden, jetzt macht sie gerade eine Chemotherapie. Wie die meisten Brustkrebspatientinnen leidet sie nach diesen Behandlungen oft unter Erschöpfung. Trotzdem geht sie mindestens zweimal pro Woche zum Krafttraining an die Sporthochschule. Unter Anleitung macht sie gezielt Übungen, um die Brustmuskulatur aufzubauen und insgesamt den Körper zu stärken. Anfangs war sie nicht sicher, ob sie eine zusätzliche Belastung überhaupt verkraften kann – vor allem angesichts der laufenden Chemotherapie. Doch mittlerweile ist für sie klar: Der Sport hilft, die Erkrankung zu bewältigen. „Es ist sehr erstaunlich: Man ist geschwächt und kann doch einiges leisten. Und das motiviert dann auch, weiterzumachen“, sagt Stefanie M.

Frau beim Krafttraining unter Anleitung an einem Gerät
Für Stefanie M. ist klar: Der Sport hilft ihr, die Erkrankung zu bewältigen.

Sport und Immunsystem

Die Studiendaten zeigen bisher: Phasen der Müdigkeit und Erschöpfung treten bei Krebspatientinnen, die Krafttraining betreiben, deutlich seltener auf als bei anderen Brustkrebspatientinnen. Doch es geht Studienleiter Baumann nicht nur um das subjektive Wohlbefinden. Der Sportwissenschaftler möchte auch erforschen, ob der Sport eine eigene Heilkraft besitzt, ob er zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit einer neuen Krebserkrankung senkt. Untersucht werden soll auch, ob er hilft, das Immunsystem zu regenerieren. Der Wissenschaftler dehnt seine Untersuchungen daher auch auf Patienten mit Prostatakrebs aus. „Es gibt im Augenblick kaum Studien darüber, die zeigen, wie überhaupt körperliche Aktivität auf das Immunsystem bei Krebs reagiert. Wir beobachten aber bei Prostatakrebspatienten, dass sie möglicherweise ihren Krebs länger in Schach halten können, wenn sie viel Sport treiben. Wir überprüfen jetzt wissenschaftlich, ob da was dran ist“, sagt Freerk Baumann. Dazu müssen sämtliche Studienteilnehmer regelmäßig Blutproben abgeben, um Zahl und Zustand der darin vorhandenen Immunzellen bestimmen zu können.

Kanüle mit abgenommenem Blut
Die Studienteilnehmer müssen regelmäßig Blutproben abgeben.

Training bis an die Grenze

Noch sind diese Daten zum Immunsystem nicht vollständig ausgewertet. Klar ist aber jetzt schon: Durch den Sport steigt die Lebensqualität sowohl der Brustkrebspatientinnen als auch der Prostatakrebspatienten. Dies belegen Befragungen. Und das, obwohl die Patienten im Training nicht geschont werden. Sie sollen im Gegenteil sogar bis an die Leistungsgrenze gehen, was bisher für Krebspatienten ein Tabu war. Offenbar zu Unrecht. Das meint auch Stefanie M. Trotz belastender Chemotherapie fühlt sie sich erstaunlich fit. Das, so sagt sie, verdanke sie vor allem dem Sport.

Autor:

Thomas Liesen

Stand: 22.02.2012


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