Gastro-Check: Trickserei mit Mineralwasser?
- Montag, 09. Juli 2012, 18.20 - 18.50 Uhr
- Dienstag, 10. Juli 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.)
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Wenn im Restaurant ein Mineralwasser bestellt wird, muss es laut Gesetz in einer verschlossenen Flasche an den Tisch gebracht werden. Erst vor den Augen des Gastes darf es geöffnet werden. Ein Stichprobentest der Servicezeit nimmt die Gastro-Szene in NRW unter die Lupe und zeigt: Nur wenige Wirte halten sich an diese Vorgabe. Doch mit geöffneten Flaschen können Verbraucher übel getäuscht werden. Wie oft wird tatsächlich getrickst?
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Die Servicezeit nimmt die Gastro-Szene in NRW unter die Lupe: Wie oft wird beim Ausschank von Mineralwasser getrickst?
Mineralwasser beliebtestes Erfrischungsgetränk
Beim Sport, bei der Arbeit oder zum Essen: Mineralwasser ist das Erfrischungsgetränk Nummer eins! Nicht nur als Durstlöscher, auch als vermeintliches Anti-Aging-Mittel ist es hierzulande mit einem Marktanteil von 44 Prozent zum beliebtesten Softdrink avanciert. 2011 trank jeder Deutsche im Durchschnitt 130 Liter Mineral- und Heilwasser.
Naturprodukt Mineralwasser
Allerdings gibt es deutliche Qualitätsunterschiede. Nicht jedes Wasser, das in der Flasche angeboten wird, ist zwangsläufig ein Mineralwasser. Die genauen Anforderungen, die ein Mineralwasser erfüllen muss, sind in der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) geregelt.
Natürliches Mineralwasser ist ein Naturprodukt aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen. Seine ursprüngliche Reinheit, das heißt die natürliche Zusammensetzung, darf nicht verändert werden. Einzige Ausnahme: Aus Geschmacksgründen dürfen Eisen und Schwefel entfernt und Kohlensäure reduziert oder hinzugefügt werden. Mineralwasser wird direkt am Quellort abgefüllt. Es ist das einzige Lebensmittel, das amtlich anerkannt werden muss.
Therapeutikum Heilwasser
Im Gegensatz dazu besitzen Heilwässer aufgrund ihrer besonderen Zusammensetzung eine therapeutische Wirkung. Dementsprechend sind auf den Etiketten von Heilwasserflaschen die jeweiligen Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen, Neben- und Wechselwirkungen sowie Trinkmengenempfehlungen angegeben. Heilwässer müssen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werden.
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Beim Sport, bei der Arbeit oder zum Essen: Mineralwasser ist das Erfrischungsgetränk Nummer eins.
Industrieerzeugnis Tafelwasser
Tafelwasser besteht in erster Linie aus Trinkwasser, dem Kohlensäure und Mineralien zugesetzt worden sind. Es ist kein Naturprodukt, sondern wird vielmehr industriell hergestellt. Geografische Herkunftsbezeichnungen oder andere Bezeichnungen, die eine Verwechslung mit Mineralwässern bewirken könnten, dürfen nicht verwendet werden. Namenszusätze wie „Brunnen“, „Quelle“, „Born“ oder „Sprudel“ sind daher für Tafelwässer verboten. Auch Mischwässer, die Mineralwasser, Trinkwasser und Sole enthalten, können als Tafelwasser vermarktet werden.
Mineral- und Tafelwasser in der Gastronomie
Die Mineral- und Tafelwasserverordnung schreibt vor, dass Mineralwasser „gewerbsmäßig nur in zur Abgabe an Verbraucher (…) bestimmten Fertigpackungen in den Verkehr gebracht werden“ darf. Das bedeutet: Wird im Restaurant ein kleines Mineralwasser bestellt, muss es in der verschlossenen Flasche an den Tisch gebracht werden. Denn nur dann ist eine unverfälschte Qualität bis zum Verzehr garantiert.
Ist in der Getränkekarte allerdings „Tafelwasser“ angegeben, so darf dieses auch im Glas auf den Tisch kommen. Sogar aufgesprudeltes Leitungswasser darf ganz legal als Tafelwasser deklariert werden.
Immer häufiger kommt in der Gastronomie auch Mineralwasser aus PET-Flaschen vom Discounter auf den Tisch. Qualitätsunterschiede zu Markenwässern gibt es kaum mehr. Doch das Billigmineralwasser darf – wenn es im Glas serviert wird – ebenfalls nur als „Tafelwasser“ angepriesen und verkauft werden.
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Würden sich die Gastronomen an die gesetzlichen Auflagen halten, so dürften sie nur Wasser in verschlossenen Flaschen servieren.
Gezielte Verbrauchertäuschung
Pfusch ist jedoch, wenn „Mineralwasser“ in der Karte steht und stattdessen Tafelwasser oder aufgemotztes Leitungswasser serviert wird. „Oft steckt vermutlich nur Bequemlichkeit dahinter, manchmal aber auch gezielte Geldmacherei“, erklärt Debora Hohage von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Denn der Verkauf von antialkoholischen Getränken macht in der Gastronomie einen Großteil der Einnahmen aus. Der wirtschaftlich hohe Druck, dem viele Gastronomen heutzutage ausgesetzt sind, sei jedoch keine Entschuldigung für die gezielte Verbrauchertäuschung.
Unser Stichprobentest in NRW
Wie häufig solche Täuschungen tatsächlich vorkommen, zeigt der Stichprobentest der Servicezeit in Düsseldorf, Essen, Köln und Wuppertal. Unseren Testern wurde so einiges serviert, was sie nicht bestellt hatten.
In verschiedenen Gaststätten bestellten sie ausdrücklich 25-mal „Mineralwasser“, doch nur in dreien wurde das Mineralwasser korrekt in der verschlossenen Flasche serviert. Zwölfmal erhielten wir geöffnete Mineralwasserflaschen. Achtmal kam das Wasser im Glas auf den Tisch. Und zweimal erhielten wir Flaschen mit Tafelwasser anstatt des bestellten Mineralwassers. Der Service rund ums Mineralwasser lässt also mehr als zu wünschen übrig – kaum ein Wirt serviert korrekt.
Chemischer Fingerabdruck
Aber wird der Gast vielleicht sogar richtig betrogen? Oder ist wirklich immer das Wasser in den Flaschen oder Gläsern, wie in der Karte oder vom Kellner angegeben wurde? Um das herauszufinden, hat die Servicezeit Proben der 22 Wässer, die nicht in einer geschlossenen Flasche serviert wurden, in ein unabhängiges Labor gebracht. Hier untersuchten Experten jedes Wasser auf seine elektrische Leitfähigkeit. Dies ist ein charakteristischer Wert, der gemeinsam mit der mineralischen Zusammensetzung dabei hilft, ein bestimmtes Wasser zu identifizieren. Man erhält sozusagen einen chemischen Fingerabdruck von jedem Wasser. Gleiches geschah mit den jeweiligen Gegenproben, die verschlossenen Originalflaschen entnommen wurden.
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Im Labor wurde die Zusammensetzung des getesteten Wassers näher untersucht.
Hohe Uranwerte bei einem Markenwasser
Untersuchungsleiter Dr. Heinz-Günther Preis hat auf eigene Faust auch den Urangehalt der Wässer geprüft. Verbraucherschützer kritisieren seit geraumer Zeit die hohe Belastung einiger Wässer mit dem gefährlichen, radioaktiven Stoff. Bis auf eine Ausnahme fanden die Chemiker in allen untersuchten Wässern – wenn überhaupt – nur Spuren von Uran. „Beim Mineralwasser S. Pellegrino waren es allerdings 7 Mikrogramm pro Liter, was dem künftigen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter schon sehr nahekommt. Für mich persönlich wäre San Pellegrino daher nicht das Mineralwasser der Wahl“, betont der Wissenschaftler.
Genaue Analyse
Die Chemiker untersuchten die genaue mineralische Zusammensetzung der 22 Wasserproben. Nach Bestimmung der darin enthaltenen Mengen von Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Chlorid und Sulfat wurden diese zunächst mit den ermittelten Werten der Originalflaschen und zusätzlich mit den Angaben auf den Flaschenetiketten verglichen. Nach dieser Analyse konnten die Prüfer mit Sicherheit sagen, ob die Proben und die in den Karten angepriesenen Markenwässer identisch waren. Der Vergleich zeigte eindeutig, wo getäuscht wurde und wo nicht:
Bei zwei der Proben bestand keine Übereinstimmung mit den angegebenen Mineral- beziehungsweise Tafelwässern. „Das ist eine klare Täuschung des Verbrauchers“, betont Untersuchungsleiter Dr. Heinz-Günther Preis. „In einem Fall haben wir Spuren von Zink und Kupfer gefunden, was auf einen Kontakt mit Installationswerkstoffen hindeutet, wie es beispielsweise typisch für Leitungswasser ist.“ Der chemische Fingerabdruck beweist also: Hier wurde ganz klar getäuscht!
Die weiteren Ergebnisse des Labortests sind aber erfreulicher:
- Alle 14 Flaschen, die geöffnet an den Tisch kamen, enthielten das auf dem Etikett angegebene Wasser.
- Von den acht Mineralwasserproben, die im Glas serviert wurden, enthielten sechs das genannte Markenwasser. In zwei Fällen wurde, wie gesagt, getäuscht – einmal sogar höchstwahrscheinlich mit Leitungswasser.
Recht des Verbrauchers
Dass Täuschungen mit Billigwasser keine Seltenheit sind, wissen auch die Verbraucherschützer. Sie raten, bei der Bestellung von Mineralwasser aufmerksam zu sein. Denn wer ein Qualitätsprodukt bestellt und bereit ist, entsprechend dafür zu bezahlen, sollte sich nicht mit Leitungswasser abspeisen lassen. „Um sich vor Täuschungen zu schützen, sollten Verbraucher ausdrücklich ‚Mineralwasser’ bestellen und schon geöffnete Flaschen zurückgehen lassen und eine verschlossene verlangen“, empfiehlt Debora Hohage von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Das wirkt vielleicht kleinlich, ist aber Ihr gutes Recht!
Autorin: Patricia Metz
Stand: 09.07.2012
- Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) PDF-Datei (42 KB)
- „Mineralwasser oder Tafelwasser: Gast kann Qualität oft nicht erkennen“ Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Bayern vom 29. August 2006
- „Die DLG testet Wasser“ Bei der Qualitätsprüfung für Natürliches Mineral-, Quell- und Tafelwasser 2010 wurden von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG) 67 Produkte getestet.
- Infos zu „Mineral-, Quell- und Tafelwasser“ Verbraucherportal „was wir essen“ des aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.
- „Willkommen in der Welt des Mineralwassers!“ IDM-Informationszentrale Deutsches Mineralwasser
- „Jedes achte Mineralwasser kritisch für Säuglinge“ Verbraucherschutzorganisation foodwatch e. V.
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