Undurchsichtige Vergleichsportale
- Mittwoch, 14. November 2012, 18.20 - 18.50 Uhr
- Donnerstag, 15. November 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.)
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Strom, Kredite, Versicherungen: Vergleichsportale im Internet versprechen Orientierung im Preisdschungel und locken mit der Aussicht auf satte Ersparnisse. Doch das Geschäft mit dem Vergleich zahlt sich vor allem für die Seitenbetreiber aus.
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Im Internet gibt es zu vielen Produktgruppen mittlerweile Vergleichsportale. Doch diese sind alles andere als unabhängig.
WDR 2 Servicezeit
Mehr zum Thema „Vergleichsportale: Was bringen sie wirklich?“ gibt es in der WDR 2 Servicezeit ab 19.00 Uhr auf der Hörfunkwelle WDR 2. Experten geben Tipps und beantworten Ihre Fragen. Mailen Sie an wdr2@wdr.de. Oder rufen Sie an unter 0800 5678 222. Die kostenfreie Hotlinenummer ist ab Mittwochnachmittag, 17.30 Uhr, geschaltet.
Beispiel Kfz-Versicherungen
Wir machen eine Stichprobe und suchen das günstigste Angebot. Dabei vergleichen wir die Ergebnisse von vier Vergleichsportalen – immer mit denselben Fahrzeugdaten. Vier Tests, vier Ergebnisse. Auf jedem Portal ist ein anderer Anbieter der Sieger. Das liegt daran, dass nicht alle Versicherer mit allen Portalen Verträge geschlossen haben. Jeder Überblick erfasst darum nur einen mehr oder weniger umfassenden Teil des gesamten Marktes. Und mitunter sind gerade die besten Anbieter gar nicht in den Vergleichen berücksichtigt.
Viele Nutzer schätzen Vergleichsportale falsch ein. Oft bestehe der Eindruck, dass es sich um eine Einrichtung von Verbraucherschützern handele, so Fred Wagner vom Institut für Versicherungswirtschaft Universität Leipzig. Das aber sei nicht der Fall, denn sie sind Unternehmen mit einem eigenen Geschäftsmodell. Im Regelfall handele es sich rechtlich um Versicherungsmakler, und die wollen vor allem eines: Versicherungen verkaufen. Jedes Mal fließt eine Provision vom Versicherer an das Vergleichsportal. Bei Kfz-Versicherungen liegt diese bei etwa 80 Euro pro Vertrag. Doch nicht nur das kann den objektiven Überblick beeinflussen.
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Viele glauben, Vergleichsportale seien neutral. Das ist aber nicht der Fall. Die meisten kassieren Provisionen von den empfohlenen Firmen.
Der Marktführer, die HUK, hat mit zwei anderen Versicherungen selbst ein Portal übernommen, das Transparo.de heißt. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten steht dem argwöhnisch gegenüber: „Ich glaube nicht, dass es Aufgabe von Versicherern ist, selbst Portale zu betreiben und sich selbst möglicherweise auf die ersten Plätze zu hieven.“ In der Tat landen bei unserer Stichprobe auf den ersten Plätzen fast nur Tarife von HUK und WGV, den Eigentümern des Portals. Dabei wirbt Transparo.de mit Neutralität, zertifiziert durch ein Siegel vom TÜV Saarland. Dort will man jetzt prüfen, „ob der Eigentümerwechsel Auswirkungen hat“.
Ein weiterer Haken: Nicht immer erfüllen die vorgeschlagenen Tarife die angegebenen Wünsche. Check24, Marktführer bei Vergleichsportalen, empfiehlt die Allsecur. Aber die Selbstbeteiligung ist doppelt so hoch wie eingestellt. „Ein Vergleich ist nicht seriös, wenn man Vorgaben macht, die aber im Ergebnis des Vergleichs nicht abgebildet werden“, urteilt Thorsten Rudnik. „Außerdem ist bei Check 24 auffällig, dass der Marktführer nicht dabei ist. Insofern ist so ein Vergleich eher zweifelhaft.“ Eine Alternative für Verbraucher, die einen umfangreicheren und neutraleren Überblick suchen, ist die Webseite nafi-auto.de. Sie vergleicht Kfz-Versicherungen ohne Provisionen zu kassieren und listet mehr als doppelt so viele Tarife wie andere Portale.
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Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten kritisiert, dass einige Portale von Versicherern betrieben werden, andere nicht alle Anbieter auflisten.
Beispiel Strompreise
Fallstricke drohen auch beim Vergleich von Strompreisen. Tarife mit Vorkasse oder Bonusvergütungen für Kunden verändern die Anzeige der günstigsten Anbieter. Beides jedoch kann für den Kunden Nachteile haben. Bei Vorkassetarifen besteht das Risiko, dass der Stromanbieter Pleite macht und das Geld der Kunden weg ist. Das ist zum Beispiel bei Teldafax geschehen, wohin zahlreiche Kunden wegen Empfehlung der Portale gewechselt waren. Weniger riskant, dafür aber mangelhaft transparent sind Bonustarife. Für unsere Suche nach dem günstigsten Tarif mit einer Laufzeit von 24 Monaten errechnet das Portal Verivox als günstigstes Angebot einen Jahrespreis von 841 Euro. Der aber gilt wegen des Bonus nur im ersten Jahr. Danach kostet dieselbe Strommenge jährlich mehr als 1.000 Euro. So entsteht bei Bonustarifen leicht ein falscher Eindruck, wenn man nicht auf das Kleingedruckte achtet.
Beispiel Kreditangebote
Auch bei dem Vergleich von Kreditangeboten sollte man schon deshalb wachsam sein, weil unterschiedliche Portale zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Die Angebote sind oft auch außergewöhnlich günstig. Allerdings bekommt so gut wie niemand einen Kredit zu diesen Bedingungen, denn die tatsächlichen Zinskosten hängen nicht nur von den genauen Wünschen des Kunden ab, sondern auch von seiner Bonität. So schwindet die Aussagekraft solcher Vergleiche erheblich.
Autorin: Verena von Ondarza
Stand: 14.11.2012, 14:00 Uhr
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