Krabbensalate im Test

Wie gut sind Fertigprodukte aus dem Handel?

  • Donnerstag, 13. Dezember 2012, 18.20 - 18.50 Uhr
  • Freitag, 14. Dezember 2012, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.)

Frischer, selbst gemachter Krabbensalat, auf einem Teller angerichtet

Krabbensalate im Test

(30:50)

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 18.20 - 18.50 Uhr

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Er ist der Klassiker unter den Festtagsvorspeisen: Krabbensalat. Vor allem zu Weihnachten oder Silvester kommt in vielen Familien ein Krabbencocktail auf den Tisch. Jedoch wird der nur selten selbst gemacht. Immerhin gibt es Krabbensalate oder Shrimps-Cocktails mittlerweile in jedem Discounter zu kaufen. Die Servicezeit hat untersucht, wie es um die Qualität dieser Salate steht.



Krabbencocktail auf einer Festtagstafel

Unter der Lupe: Krabbensalate aus dem Kühlregal

Für unseren Stichprobentest haben wir zehn Krabbensalate verschiedener Marken ausgewählt, darunter fünf mit Cocktailsoße und fünf mit Dill- oder Knoblauchsoße. Die günstigsten Salate gibt es für rund 0,90 Euro pro 100 Gramm, die gleiche Menge von dem teuersten Salat kostet 2,79 Euro.

Alle zehn getesteten Krabbensalate aus dem Handel

Kaum Verderbniserreger

Anders als bei einem Verfallsdatum handelt es sich bei dem auf den Feinkostsalaten aufgedruckten Datum um ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Es besagt, dass ein Produkt bei ordnungsgemäßer Lagerung ungeöffnet mindestens bis zu diesem Tag verzehrfähig sein muss. Um zu überprüfen, ob das der Fall ist, und wie es generell um die mikrobiologische Beschaffenheit der Krabbensalate steht, haben wir alle Proben in einer Laboranalyse auf Verderbniserreger und Krankheitskeime untersuchen lassen.



Das Ergebnis ist positiv: Ernsthafte Krankheitserreger wie Salmonellen oder Listerien wurden in keinem Produkt gefunden. Nur bei zwei Produkten waren die Werte für Verderbniserreger leicht erhöht. Dennoch sind alle Produkte in unserem Test am Mindesthaltbarkeitsdatum noch genießbar und somit nicht zu beanstanden.

Gute Kühlung wichtig

Die Vermehrung von Verderbniserregern wird durch gute Kühlung verlangsamt. Deshalb sollten leicht verderbliche Lebensmittel, zu denen auch Krabbensalate gehören, ununterbrochen gekühlt werden. Die Produkte sollten also nach dem Einkauf möglichst schnell verzehrt oder in den Kühlschrank gestellt werden. Die optimale Lagertemperatur im Kühlschrank liegt bei etwa fünf Grad Celsius.

Geöffnete Packungen sollten in ein verschließbares Gefäß umgefüllt und innerhalb weniger Tage gegessen werden. Wenn der Salat sein Aussehen, den Geruch oder Geschmack verändert, ist es ratsam, ihn nicht mehr zu verzehren.

Weniger Krabben als erwartet

Die genauen Testergebnisse finden Sie hier:

Laut Packungsangabe sollen alle Testprodukte zwischen 40 und 50 Prozent Krabben enthalten. Das bedeutet: Bei einer 100-Gramm-Packung erwartet der Verbraucher in der Regel, dass der Salat 40 beziehungsweise 50 Gramm Krabben enthält. Das Laborergebnis zeigt jedoch bei sechs von zehn Produkten eine deutliche Abweichung zwischen dem erwarteten und dem von uns gemessenen Krabbengewicht. Diese Differenz liegt in der Spitze bei minus 38 Prozent.

Vergleich Krabbenanteil zweier verschiedener Proben

Abweichungen beim Gewicht: Verbrauchertäuschung?

Auf unsere Nachfrage hin erklären der Bund für Lebensmittelrecht ( BVL) sowie die betreffenden Hersteller, es gäbe wegen der von uns gemessenen Abweichungen rechtlich keinen Grund zur Beanstandung. Denn laut Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (Artikel 8 Absatz 4) beziehe sich der auf der Packung angegebene Krabbenanteil auf das Gewicht zum Zeitpunkt der Salatherstellung. Das heißt: Wenn die Krabben im Laufe der Lagerung an Gewicht verlieren, sei das normal.



Woher kommt der Garnelenschwund?

Alle Hersteller erklären den Garnelenschwund durch Osmose und mechanischen Abrieb. Osmose bedeutet in diesem Kontext, dass die Krabben Flüssigkeit verlieren, wenn sie in einer Soße liegen, die salziger ist als sie selbst. Durch den Flüssigkeitsverlust verlieren die Krabben automatisch an Gewicht. Wie stark die Krabben an Gewicht verlieren, ist also wesentlich von der Beschaffenheit der Krabben und der Soßenrezeptur abhängig.

Selbst wenn die Hersteller rein rechtlich auf der sicheren Seite sind und sich der Gewichtsverlust der Krabben physikalisch erklären lässt, sind wir der Meinung, dass die zum Teil sehr hohen Gewichtsunterschiede nicht sein müssen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Bei vier der untersuchten Proben lag der im Labor gemessene Krabben-(Garnelen-)anteil sogar leicht über den Angaben auf der Verpackung.

Geschmackstest: oft zu viel Soße

Bei einer Blindverkostung haben zwei Fischexperten – der Restaurantbesitzer und Fischsachverständige Gero Legner sowie die Fischhändlerin Sabine Hoerschgens – das Aussehen, den Geruch, die Konsistenz und den Geschmack der zehn Krabbensalate bewertet. Das Ergebnis fiel eher mittelmäßig aus. Bei den meisten Salaten missfiel den Testern das Verhältnis von Krabben zu Soße. Dabei wurde bis auf wenige Ausnahmen kritisiert, die Salate enthielten zu viel fettige Soße und zu wenig Krabben. Bei den Salaten mit Knoblauchnote wurde der Knoblauchgeschmack als zu penetrant eingestuft.

Gute Geschmacksnoten für zwei Produkte

Übereinstimmender geschmacklicher Favorit unserer Tester waren die „Garnelen in Dillcreme“ aus dem Hause Gosch. Hier wurden die knackigen und verhältnismäßig vielen Garnelen sowie der feine Dillgeschmack gelobt. In unserer Stichprobe war der Garnelensalat von Gosch übrigens das teuerste Produkt.

Auf dem zweiten Platz in der Geschmackswertung landete eines der günstigsten Produkte: der „Shrimps Cocktail leicht“ von der Marke SchlossKüche (Kaufland). Trotz eines relativ geringen Garnelenanteils konnte der Salat durch seinen fruchtig-leichten Geschmack überzeugen.

Garnelenhunger auf Kosten der Umwelt

Die weltweite Nachfrage nach Garnelen oder Shrimps (so die korrekte Bezeichnung für Krabben) steigt. Doch das geht auf Kosten der Umwelt, denn sowohl die Garnelenzucht in Aquakulturen als auch der Wildfang stehen in der Kritik.

Um die große Nachfrage nach Garnelen zu decken, werden in verschiedenen Regionen der Erde (etwa in Asien oder Südamerika) Garnelen in riesigen Teichen gezüchtet. Diese Zucht hat verheerende Folgen für die Umwelt – so zum Beispiel im Osten Asiens, wo in der Vergangenheit Mangrovenwälder abgeholzt wurden, um Platz für die Garnelenzucht zu schaffen. Auch der Medikamenten- und Chemikalieneinsatz führt zur Schädigung von Mensch und Umwelt.

Krabbenzüchter in Asien bei der Arbeit

Auch der Wildfang wird von Umweltschützern kritisch betrachtet. Vor allem, wenn Grundschleppnetze eingesetzt werden, die den Meeresgrund aufwühlen und das Ökosystem schädigen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass andere Fische und Meeresgetier als Beifang in die engmaschigen Netze geraten.

Fischratgeber von Greenpeace

Die Umweltorganisation Greenpeace stellt auf ihrer Internetseite einen Fischratgeber zur Verfügung (siehe „Links“). Mithilfe dieses Ratgebers lässt sich nachlesen, welche Fanggebiete und -methoden ökologisch noch vertretbar sind. Die Voraussetzung für eine bewusste Kaufentscheidung ist jedoch, dass Hersteller die verwendete Garnelenart kennzeichnen sowie Fanggebiet und -methode klar benennen. Das ist leider nicht immer der Fall. Nach den strengen Greenpeace-Kriterien war in unserer Stichprobe von den zehn untersuchten Krabbensalaten nur einer in Bezug auf Fanggebiet und Fangmethode ökologisch vertretbar.



Fazit: Kein Produkt uneingeschränkt zu empfehlen

Ein Produkt, bei dem sowohl der Geschmack als auch der Krabbenanteil und der Ökofaktor stimmen, haben wir in unserem Stichprobentest nicht gefunden. Die Alternative: die Garnelen bewusst auswählen und den Salat selbst zubereiten.

Selbst gemachter Krabbensalat, auf einem Teller angerichtet

(Das hier nicht mehr veröffentlichte Rezept erhalten Sie gegen Einsendung eines mit 0,58 Euro frankierten und an Sie adressierten Rückumschlags – Thema der Sendung bitte angeben. Weitere Informationen erhalten Sie über unsere Hotline: 0221 56789 999.)



Autorin: Katrin Niemann


Stand: 13.12.2012, 14:00 Uhr