Schlankheitskaffees

Risiko durch verbotene Inhaltsstoffe

  • Montag, 28. Januar 2013, 18.20 - 18.50 Uhr
  • Dienstag, 29. Januar 2013, 13.00 - 13.30 Uhr (Wdh.)

Ein Tasse Kaffee

Schlankheitskaffees

(30:38)

Montag, 28. Januar 2013, 18.20 - 18.50 Uhr

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Sie sollen das Fett schmelzen lassen, heißt es in Internetportalen. Einfach und natürlich abnehmen, lautet die Verheißung von Schlankheitskaffees, die im Internet aus Asien oder den USA zu bestellen sind. Der Zoll am Frankfurter Flughafen hat nun 40 Proben solcher Instantkaffees untersuchen lassen. Das alarmierende Ergebnis: In fast allen Proben wurden verbotene Inhaltsstoffe gefunden, die zum Teil Krebs erzeugen können.



Eine Reihe von Schlankheitskaffees

Im Interview mit der Servicezeit spricht die Wuppertaler Ernährungsmedizinerin Dr. Astrid Munkenbeck über die Gefahren solcher Mittel und gibt Tipps zur gesunden Diät.



Servicezeit: Schlankheitsmittel versprechen oft eine starke Gewichtsabnahme in sehr kurzer Zeit. Kann das funktionieren?



Dr. Astrid Munkenbeck: Je mehr Gedanken ich mir über das Abnehmen mache, desto eher weiß ich, dass das nicht Knall auf Fall und so schnell gehen kann. Es ist häufig so, dass Bikinidiäten angeboten werden, Crash-Diäten, bei denen man mal eine Woche alles ganz anders macht und vielleicht vier bis fünf Kilo weg hat – und sich dann wundert, dass man sofort wieder zunimmt. Dauerhaft Abnehmen geht nur mit einer Veränderung des Verhaltens. Ich kann nicht erwarten, wenn ich nur eine Woche etwas ändere und dann alles weiter mache wie bisher, dass das Gewicht stabil bleibt. Das geht nicht.



Eine Expertin

Servicezeit: Weshalb werden Diätpräparate wie Schlankheitskaffees so häufig nachgefragt?



Dr. Astrid Munkenbeck: Weil es schnell gehen soll. Weil das, was ich mir über Jahre angefuttert habe, ja bis Montag weg sein soll. Weil Montag meine Freundin Geburtstag hat, und dann will ich in mein Kleid passen. Das ist immer dieser Schnelligkeitsaspekt: Wir wollen jetzt abnehmen und sofort und viel. Aber dafür ist unser Körper viel zu klug. Stellen Sie sich mal vor, sie werden krank, und ihr Körper würde sagen: ‚Jetzt nehmen wir mal 10 Kilo in einer Woche ab!‘ Dagegen haben wir einen Schutzmechanismus. Ich muss schauen, dass ich mit einer klugen Ernährung morgens, mittags und abends den Körper in der Verbrennung halte. Da gehört dann irgendwann Bewegung dazu, und da gehört auch Entspannung dazu. Das wissen viele nicht: Wenn ich nur unter Stress bin und meine vielen Termine als belastend erlebe, mit dem Hund rausgehen, zum Sport fahren usw., dann wird der Körper maximal mit Adrenalin vollgepumpt. Das ist so, als wäre man auf der Flucht. Und auf der Flucht wird kein Körper, der seinen Chef schützt, etwas verbrennen. Wir halten dann. Frauen halten Wasser. Männer merken, dass sie wenig essen und nichts abnehmen.



Servicezeit: Wann darf man zu Mitteln greifen, die einem beim Abnehmen helfen?



Dr. Astrid Munkenbeck: Von einer Selbstmedikation beim Abnehmen würde ich abraten. Da ist man ja schnell im Bereich der Entwässerung oder beim Abführen. Manche dosieren mal eben Schilddrüsenhormone auf das Doppelte – dann kommt leider auch der Haarausfall. Nein, zum Abnehmen gibt es nichts anderes, als die Ernährung nachhaltig zu verändern.



Servicezeit: In welchen Situationen sind Medikamente angebracht?



Dr. Astrid Munkenbeck: Also sehr oft kommen Patienten, die sagen: ‚Ich hab bestimmt eine Schilddrüsenunterfunktion.‘ Wenn dann bei demjenigen tatsächlich zu wenig Schilddrüsenhormon produziert wird, dann gibt man das Hormon in dem Maße dazu, in dem der Körper es braucht – aber nicht die drei- bis vierfache Dosierung wie in manchen Schlankheitstabletten. Es gibt andere, wirklich gravierende Erkrankungen, Morbus Cushing etwa, bei denen Patienten aufgeschwemmt sind. Das sind aber ganz andere Kategorien von Übergewicht.



Servicezeit: Was halten Sie von Schlankheitskaffees?



Dr. Astrid Munkenbeck: Vor ein paar Jahren gab es eine Studie zu dem Appetithemmer Reductil, der den Wirkstoff Sibutramin enthält. Die ergab, dass die Patienten, die Reductil genommen haben, zu 16 Prozent mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle hatten. Wenn ich mir vorstelle, dass das Medikament in der EU verboten worden ist und dass jetzt aus Asien Schlankheitskaffees mit der drei- bis vierfachen Dosis an Sibutramin angeboten werden, dann ist das der Horror. Man stelle sich vor: Junge Leute, die dann auf einmal mit Schlaganfall in der Klinik liegen, die ganze linke Seite nicht mehr bewegen können, nicht mehr sprechen können.



Autor: Georg Lembeck


Stand: 28.01.2013