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:Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 18. Oktober 2009
Uhus in der Eifel
Im Frühsommer kommt Stefan Brücher kaum aus seinem Klettergeschirr heraus. Während dieser Zeit hat der Uhu-Schützer nämlich Hochsaison. Er kontrolliert die rund hundert Nester in der Eifel und beringt die Jungvögel. Die Uhus brüten am liebsten in Felsnischen, die sich häufig in Steinbrüchen finden, daher ist das Klettergeschirr unerlässlich. Doch zu tun hat der Experte auch außerhalb der Brutsaison. Er dokumentiert den Bestand, kümmert sich um verletzte Tiere und setzt sich unermüdlich für Schutzmaßnahmen ein. Dazu steht er mit Gemeinden, Politikern, Firmen aber auch mit Einzelpersonen wie Forst- und Landwirten in Kontakt.
Ohne das Engagement von Tierfreunden wie Stefan Brücher gäbe es wohl heute keine Uhus mehr in Deutschland. Vor 40 Jahren war die größte Eulenart der Welt hierzulande fast ausgestorben, vom Menschen wurde sie Jahrhunderte lang als „Raubzeug“ verfolgt. Dann aber gründeten Tierfreunde im Jahr 1973 die „Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus (AzWU)“. Sie züchteten die Tiere und wilderten sie mit Erfolg aus: Allein in der Eifel leben wieder einige hundert Uhus, in ganz Deutschland sind es etwa 1.000. Doch Schutz brauchen die Tiere weiterhin. Genau darum kümmert sich der Nachfolgeverein der AzWU, die „EGE – Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“, deren Vorsitzender Stefan Brücher ist.
Der Uhu ist mit einer Körpergröße von 70 und einer Spannweite von bis zu 180 Zentimetern die größte Eulenart der Welt. Auffallend sind seine großen, leuchtend orangefarbenen Augen und die Federohren, die übrigens gar keine Ohren sind. Die wirklichen Ohren verbergen sich nämlich unter bloßen Öffnungen im Federkleid des Kopfes. Der Uhu ist äußerst standorttreu. Geeignete Brutreviere sind oft über Generationen besetzt. Er jagt in offenen Kulturlandschaften und frisst, was er fangen kann: Feldmäuse, Ratten, Igel und Kaninchen, aber auch junge Füchse, Vögel bis Bussardsgröße und sogar Fische oder Amphibien. Die Brut wird meist im März begonnen. Nach 35 Tagen schlüpfen ein bis fünf Jungvögel. Sie sind im Alter von etwa zehn Wochen flugfähig, werden aber noch bis in den Herbst von den Eltern versorgt, bis sie sich ein eigenes Revier in der Nähe suchen.
Obwohl es wieder Uhus in Deutschland gibt, gilt der Bestand als noch nicht gesichert. Das bedeutet, dass der immer noch von Schutzmaßnahmen abhängig ist. Ein Problem ist zum Beispiel der Verlust von Brutplätzen durch die Aktivitäten von Klettersportlern oder Maschinen in Steinbrüchen. Stefan Brücher berät die Betreiber von Steinbrüchen, wie sie auf Uhus Rücksicht nehmen können. Dazu sind sie verpflichtet, denn der Uhu gehört nach dem Bundesnaturschutzgesetz wie alle Eulen zu den streng geschützten Arten. Viele Uhus sterben bei der Kollision mit Autos und durch Stromschlag an ungesicherten Strommasten. Daher appellieren die Vogelschützer sowohl an Bund und Kommunen, Uhu-Habitate beim Bau von neuen Straßen und Wegen zu berücksichtigen, als auch an die Stromkonzerne, endlich die gefährlichen Mittelspannungsmasten vogelsicher umzurüsten. Vom technischen Aspekt her wäre das kein Problem.
Wann immer Stefan Brücher verletzte oder kranke Uhus findet, bringt er sie zu Helga Steffens, die seit 25 Jahren bei Mayen eine Pflegestation für Wildvögel hat. Die engagierte Rentnerin sieht in jedem Wildvogel einen wichtigen Bestandteil der Natur, für sie zählt jedes Leben. Die Zahl ihrer Schützlinge ist beeindruckend: Fast 2.000 verletzte, kranke und junge Vögel pflegt sie jedes Jahr, darunter viele Greifvogel- und Eulenarten. Am Ende steht immer die Wiederauswilderung in die Freiheit.
Schon als Junge waren Vögel Stefan Brüchers Passion, oft kümmerte er sich um verletzte Tiere. Später absolvierte er seinen Zivildienst bei der „EGE - Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.“, deren Vorsitzender er mittlerweile ist. Bereits 30 Jahre lang widmet er sich vor allem den Uhus und gilt mittlerweile als Experte auf diesem Gebiet. Er fährt jährlich Tausende von Kilometern durch die Eifel, um die Nester zu betreuen. Das ist viel Zeit, die er ehrenamtlich investiert. Doch Stefan Brücher liebt diese Arbeit und würde gerne damit seinen Lebensunterhalt verdienen. Doch das kann sich sein Verein nicht leisten. Und so verdingt er sich im Hauptberuf als Handwerker. Sein Herz aber gehört den Uhus.
Christiane Broil von Schwind
Stand: 15.10.2009