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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 12. Juni 2011
Hundetrainer Mirko Tomasini: Notfall Rato
Münsterländer, Dackel oder Beagle – das sind alles Jagdhunde par excellence. Diese Rassen haben eine Supernase, ein Spitzengehör, und das Jagen liegt ihnen einfach im Blut.
Das ist auch bei dem Ratonero-Bodeguero-Andaluz-Rüden Rato der Fall. Ist der feurige Spanier einmal von der Leine, beginnt er zu jagen. Da braucht es keinen Hasen am Wegesrand, es reicht schon eine Fährte oder ein Geruch. Schon mehrfach ist Rato dann losgelaufen und war kurz darauf im Unterholz verschwunden. Manchmal dauerte es Stunden, bis er wieder auftauchte. Für seine Halterin Susanne ist das jedes Mal ein Albtraum, denn ihr geliebter Vierbeiner könnte durchaus im Wald von Jägern erschossen werden. Laut Gesetz ist das im Fall von wildernden Hunden nämlich erlaubt.
Diese Schreckensstunden möchte die 38-Jährige nie mehr erleben und hofft auf die Hilfe von Hundetrainer Mirko Tomasini. Er weiß ganz genau, wie der angeborene Jagdtrieb von Rato unter Kontrolle zu bringen ist: Der Vierbeiner braucht eine Alternative zu seiner Beute. Für Mirko ist klar: „Rato muss lernen, dass auf der Wiese und den Feldern auch noch etwas anderes passiert als nur das Jagen von Rehen oder Hasen. Er soll auch mal eine Fährte liegen lassen und sich auf seine Halterin konzentrieren.“ Da gibt es für den Hundetrainer nur eine Lösung: Ein Futterbeutel wird zum Beuteersatz. Rato soll lernen, dass jedes Zurückbringen des Beutels belohnt wird. Immer wenn er den Beutel holt, bekommt er daraus Futter. Gleichzeitig wird die Bindung zwischen Hund und Halterin gestärkt.
Für die Übung geht es erst einmal auf die Wiese. Mirko hat für Rato eine Schleppleine mitgebracht, damit der kleine Wirbelwind nicht wieder abhaut. Der Rüde soll lernen, den Futterbeutel zu apportieren. Damit die Übung kontrolliert abläuft, muss Rato verstehen, dass er erst zu dem Futterbeutel laufen darf, wenn Susanne ihm das Kommando gibt – und Rato begreift schnell. Aber das ist noch nicht alles: Er soll seine ganze Aufmerksamkeit auf Susanne und den Futterbeutel richten. Das ist gar nicht so einfach, weiß Mirko: „Die Herausforderung ist, dass der Hund in dem Moment alle anderen Außenreize wie zum Beispiel Fährten oder Riechspuren ausblendet und sich nur noch auf den Futterbeutel konzentriert.“ Rato ist ein richtiger Musterschüler. Nach wenigen Versuchen klappt die Übung problemlos.
Dann wird es ernst: Susanne muss jetzt mit Rato ohne Schleppleine arbeiten, und das kostet sie viel Überwindung – sofort ist die Angst um ihren Vierbeiner wieder da. Der erste Versuch geht prompt schief, und Rato läuft los, ohne auf Susannes Kommando zu warten. Doch Mirko weiß Rat: „Das ist natürlich nicht einfach für den Hund, die neuen Körperbewegungen des Menschen zu interpretieren.“ Wenn Susanne jetzt losgeht, macht sie erst einmal kurz einen Schritt nach vorne und dreht sich zu Rato hin. Mit dieser Geste soll Susanne ihrem Hund signalisieren, sitzen zu bleiben. Erst als sie ihm das Zeichen gibt, läuft der Rüde los und sucht den Futterbeutel. Jetzt ist wichtig, dass Susanne ihren Hund während der Suche nicht abruft. Sie muss ihm 100-prozentig vertrauen. So schwer es Susanne fällt, sie ruft Rato erst, als er den Futterbeutel gefunden hat, und der Rüde kommt auch brav zu seiner Halterin zurück. Ein großer Erfolg für das sechsbeinige Gespann, denn Susanne spürt zum ersten Mal eine richtige Verbindung zu ihrem Hund: „Ich merke jetzt deutlich, dass er mit seiner Aufmerksamkeit bei mir ist und dass er nicht mehr nur sein Ding macht.“
Nun müssen die beiden noch die schwierigste Übung meistern: Das Training soll jetzt im Wald stattfinden, denn dort sind die Gerüche und die Reize für Rato viel intensiver. Mirko weiß: „Die einzige Verbindung zwischen Susanne und Rato ist jetzt der Futterbeutel. Er ist wie ein unsichtbares Band, nur so kann Vertrauen, Respekt und Miteinander entstehen. Bisher hat Rato sich ausgesucht, was für ihn im Wald interessant ist. Der Futterbeutel ist etwas, was für ihn und Susanne spannend ist, das schafft Vertrauen.“
Und es funktioniert: Susanne und Rato meistern auch diese Prüfung. Ein großer Erfolg für die beiden, weiß Susanne: „Das Vertrauen war das Schwierigste, weil er mir vorher oft weggelaufen ist und ich ihn nicht mehr kontrollieren konnte. Das haben wir jetzt hiermit gelöst.“ Doch damit es auf Dauer funktioniert, muss Susanne regelmäßig mit Rato trainieren. Bei den Spaziergängen muss sie mit ihrer Aufmerksamkeit immer ganz bei ihrem spanischen Vierbeiner sein. Dann steht einem Happy End nichts mehr im Wege.
Stefan Servos
Stand: 12.06.2011
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