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Tierkommunikation

  • SendeterminSonntag, 21. August 2011, 18.15 - 19.10 Uhr.
  • WiederholungsterminMontag, 22. August 2011, 04.45 - 05.40 Uhr (Wdh.).

Frau mit zwei Hunden
Tierkommunikation: echte Hilfe oder nur Scharlatanerie?

Tierkommunikation ist ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Natürlich kommunizieren Tierhalter tagtäglich ganz wunderbar mit ihren Haustieren. Wir kennen die Gewohnheiten der Tiere und deuten ihre Körpersprache.

Inzwischen gibt es Menschen, die sich „Tierkommunikatoren“ nennen und damit auch gutes Geld verdienen. Diese Menschen sagen von sich, dass sie mit Tieren mental Kontakt aufnehmen und mit ihnen „sprechen“ können. Es geht um die angebliche Fähigkeit, wie ein Medium Gedanken und wichtige Mitteilungen von Tieren zu empfangen. Gibt es das wirklich? Für die einen sind es Spinner, für andere stellen sie eine große Unterstützung und Hilfe in schwierigen Zeiten dar.

Tierkommunikatorin Birgit Rusche-Hecker

Wenn sich unsere geliebten Vierbeiner plötzlich anders verhalten als sonst, würden wir sie gerne fragen, was mit ihnen los ist. In so einem Fall wären Dolmetscher eine feine Sache.

Birgit Rusche-Hecker ist so ein Mensch-Tier-Dolmetscher. Die Tierkommunikatorin sagt, sie könne mit Tieren sprechen. Sie empfängt die tierischen Antworten dann als Gerüche, Bilder, Worte oder Geschmack. Um mit den Tieren Kontakt aufzunehmen, muss Birgit Rusche-Hecker nicht einmal persönlich bei den Vierbeinern vorbeischauen: Sie braucht lediglich ein Foto des jeweiligen Tieres.

Frau mit hund beim Gassigehen
Labrador Paul war ein Leinenpöbler – der Rat der Tierkommunikatorin half tatsächlich

Ein Beispiel: Per E-Mail schickt Tierhalterin Marion der Tierkommunikatorin einen Schnappschuss ihres Rüden Paul. Schon seit Längerem hat sie große Probleme mit ihm: Sobald der Labrador auf andere Hunde trifft, wird er zum Leinenpöbler und jeder Spaziergang mit dem Rüden zu einer Tortur für die Halterin. Vielleicht hat die Tierkommunikatorin eine Lösung für ihr Problem.

Wir fragen uns: Wie soll das Ganze überhaupt funktionieren? Die Tierkommunikatorin hat dafür eine ganz einfache Erklärung: Sie stellt sich vor, dass sie „die Telefonnummer“ des jeweiligen Tieres wählt, und wenn der vierbeinige „Gesprächspartner“ dann abnimmt, steht dem „Telefonat“ nichts mehr im Wege. Labrador Paul nimmt den „Anruf“ entgegen: Birgit sagt, der Rüde habe ihr erzählt, dass er nur seine Halterin beschützen wolle. Für die Tierkommunikatorin ist klar: Ein Kompromiss muss her! Das Angebot an den Labrador: Brummen statt Attacke. Rüde Paul hält sich nun ganz brav an die „Abmachung“. Seither genießt Marion die entspannten Spaziergänge sehr.

Tierarzt untersuch Hund
Die Schulmedizin kann Erfolge der Kommunikatoren nur mit Verhaltensänderungen der Halter erklären

Viele Tiermediziner oder Tiertherapeuten erklären sich offenkundige Erfolge der Tierkommunikation mit Verhaltensänderungen der Tierhalter. Denn eines ist völlig unstrittig: Eine wissenschaftliche Erklärung für solche Phänomene gibt es nicht. Den Erfolg erklärt Tierarzt Dr. Klaus Eckert mit dem sogenannten „Placeboeffekt“: „Der jeweilige Halter glaubt an den Erfolg der Tierkommunikation, und sein Wunschdenken führt in 80 Prozent der Fälle zu einer Verbesserung.“

Eine Verbesserung wünscht sich auch Katzenhalterin Ingrid. Denn zu ihrem Leidwesen nutzt ihr Kater Olli das ganze Haus als seine „Privattoilette“. Bisher suchte sie vergebens Rat: Ob Tierarzt, Heilpraktiker oder Tierpsychologe – keiner konnte ihr helfen. Für sie war die Tierkommunikation ein letzter Versuch.

Die telepathische Tierkommunikatorin kennt die Zweifel an ihrer Arbeit. In solchen Fällen bietet sie an, Kontakt zu dem jeweiligen Tier aufzunehmen, ohne dass sie etwas über das Tier, seinen Halter oder die Umgebung weiß. Katzenhalterin Ingrid ist nach dem Gespräch der Tierkommunikatorin mit Kater Olli verblüfft, denn Birgit beschrieb den Charakter ihrer beiden Katzen detailgetreu. Daraufhin beschließt Ingrid, die Tierkommunikatorin zu engagieren.

Frau streichelt Katze
Auch die Probleme von Kater Olli konnten gelöst werden

Zum Thema „Pinkeln“ hatte Olli einiges zu „sagen“. Birgit berichtet: „Olli findet das gar nicht schlimm und versteht nicht, warum Ingrid sich darüber aufregt. Er macht das nicht absichtlich und ist bekümmert.“ Der Kater „erzählt“ Birgit, dass er das Miniklo im Haus überhaupt nicht möge, weil es für ihn viel zu eng sei. Als Kompromiss für Olli wird beschlossen, ein riesiges Katzenklo ohne Deckel für draußen einzurichten. Dann muss er auch nicht mehr ins Haus machen. Diesen Wunsch erfüllt Ingrid ihrem schwarzen Wirbelwind gerne, und Olli ist begeistert von seinem Katzenklo „deluxe“. Sehr zur Freude von Ingrid verrichtet er sein Geschäft nun schon seit einem Jahr nicht mehr im Haus.

Ingrid ist so begeistert von dem Erfolg der Tierkommunikation, dass sie Birgit ein zweites Mal engagiert. Die Halterin macht sich Sorgen um Olli, wenn er bei Dunkelheit draußen ist. Eines Morgens kam der Kater verletzt nach Hause, und Ingrid vermutete, dass ihm Tierfänger die Wunde mit einer Schlinge beigebracht hatten. Jetzt möchte sie, dass Olli die Nächte zu Hause verbringt. Birgit nimmt mit Olli Kontakt auf und bittet ihn erneut um einen Kompromiss. Sie sagt, dass der Kater bereit sei, nachts zu Hause zu bleiben, aber nur im Tausch für eine Extraportion Streicheleinheiten. Ingrid erzählt, dass Olli tatsächlich jeden Abend artig vor Anbruch der Dunkelheit nach Hause komme und die tägliche Schmusestunde mit ihr genieße.

Bei so viel Harmonie ist die Tierkommunikation auch für einen Tierarzt vertretbar. Doktor Klaus Eckert weiß, dass jeder Tierhalter selbst entscheiden muss, welches die richtige Medizin für seinen Vierbeiner ist. Für ihn ist es durchaus berechtigt, dass manche Menschen den Glauben benutzen, um damit Berge zu versetzen.

Da es keinerlei Möglichkeit gibt, die Seriosität der Tierkommunikatoren zu überprüfen, ist auch die Qualität nicht messbar. Hinzu kommt, dass die Kosten zum Teil sehr hoch sind. Bei der im Beitrag vorgestellten Tierkommunikatorin kostet ein Kontakt zum Tier einschließlich dem im Anschluss folgenden Telefonat mit dem Tierhalter je nach Arbeitsaufwand in der Regel zwischen 60 und 120 Euro – andere nehmen zum Teil mehrere Hundert Euro! Wer solche Dienste in Anspruch nehmen möchte, sollte sich im Vorfeld erkundigen, welche Erfahrungen andere Tierhalter gemacht haben.

Ob Tierkommunikation erfolgreich ist, weil die Halter daran glauben oder weil es Menschen gibt, die tatsächlich mit Tieren sprechen können, kann niemand beantworten. Das Wichtigste ist jedoch, dass sich Mensch und Tier gegenseitig guttun.

Buchtipps:

  • Birgit Rusche-Hecker
    Wie Tiere unsere Seele berühren
    Das Verhalten von Tieren verstehen
    Silberschnur, 2011
    ISBN 9783898453592
    Preis: 12,90 Euro
  • Gudrun Weerasinghe
    Mit Tieren kommunizieren
    Geschichte einer besonderen Begegnung
    Silberschnur, 2001
    ISBN 9783931652876
    Preis: 10,90 Euro
  • Penelope Smith
    Gespräche mit Tieren
    Zweitausendeins, 1995
    ISBN 9783861501121

    (das Buch ist vergriffen, gebraucht aber bei verschiedenen Internethändlern zu bekommen)
  • Amelie Kinkade
    Tierisch gute Gespräche
    Lerne mit Tieren zu sprechen - Sie antworten Dir
    Reichel, 2009
    ISBN 9783980870726
    Preis: 14 Euro
Autorinnen:

Elaine Schnee und Kati Kolbe

Stand: 21.08.2011


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