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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 25. September 2011
Geodogging
Drogenspürhunde, Rettungshunde oder Polizeihunde: Sie alle sind Profis, wenn es um gute Nasenarbeit geht. Doch jetzt gibt es für „Amateure“ eine neue Möglichkeit, die Spürnasen der Hunde auch in der Freizeit einzusetzen: beim Geodogging.
Die Ursprünge des Geodogging liegen beim Geocaching, einer modernen Art der Schnitzeljagd, die immer mehr Deutsche für sich entdecken. Dabei geht man ausgerüstet mit einem GPS-Gerät auf die Suche nach einem Schatz, den ein anderer zuvor versteckt hat. Die Koordinaten dazu findet man auf speziellen Webseiten im Internet. Über 100.000 Caches liegen alleine in Deutschland versteckt, und es werden täglich mehr. Da die meisten dieser Schatzsuchen in die Natur führen, sind sie bei Hundebesitzern sehr beliebt. Beim Geocaching läuft der Hund aber nur mit und kann nicht aktiv beteiligt werden. Das war einigen Hundebesitzern zu langweilig, und so entwickelten sie die Schatzsuche weiter – Geodogging war geboren.
Beim Geodogging werden die einzelnen Stationen ebenfalls in Satellitenkoordinaten angegeben. Ist man einmal am Wegpunkt angekommen, kommt es dann auf den Hund an. Denn dieser muss die nächsten Koordinaten finden, die gut versteckt und nur über einen speziellen Duft zu finden sind, auf den der Hund vorher konditioniert werden muss.
Hundetrainerin Uschi Loth ist Expertin für Zielobjektsuche und kennt sich mit dem Konditionieren von Hunden aus. Für das Geodogging verwendet sie ein spezielles Duftöl, das sie selbst zusammengemischt hat. Damit die Schatzsuche mit dem Hund aber funktioniert, muss dieser erst einmal lernen, diesen speziellen Geruch in der Natur zu finden. Die Konditionierung nimmt einige Zeit in Anspruch. Das Training bei Uschi beginnt ganz einfach nach dem „Versuch-und-Irrtum-Prinzip“. Dabei hält sie in der einen Hand leckeres Futter und in der anderen Hand ein Röhrchen mit dem Duftöl. Die meisten Hunde wollen natürlich immer direkt an das Futter, das sie aber so einfach nicht bekommen. Erst wenn sie mit ihrer Schnauze an das Röhrchen mit Öl stoßen, bekommen sie ein Stück vom Leckerbissen. Zusätzlich wird bei jedem Erfolg „geklickert“. Die Ergebnisse sind erstaunlich: Viele Hunde verstehen schon nach wenigen Minuten das Prinzip und stoßen absichtlich gegen das Röhrchen, um dann das Futter zu bekommen. Sie lernen so, den Duft mit dem Leckerli zu verbinden.
Damit das Training nachhaltig bleibt, muss die Übung alle paar Tage wiederholt werden. Im nächsten Schritt kann dann, wie bei der Zielobjektsuche, auf einer eingezäunten Wiese nach dem Geruch gesucht werden, wobei der Radius von Mal zu Mal vergrößert werden sollte. Ein solches Zielobjekt-Suchtraining bieten viele Hundetrainer ganz unabhängig vom Geodogging an. Wie lange es dauert, bis der Hund für die Schatzsuche bereit ist? „Das hängt vom Hund und auch vom Trainingseinsatz des Besitzers ab“, erklärt Hundetrainerin Uschi Loth. „Aber ich denke, man sollte schon vier Wochen Training ansetzen.“
Neben dem Geruchstraining sind noch weitere Vorbereitungen für eine erfolgreiche Geodogging-Tour notwendig. Bevor es losgeht, muss die Route einige Stunden vorher mit dem Duft präpariert werden. „Aber das ist kein Problem“, erzählt Uschi Loth, „kaum jemand ist so gut organisiert wie die Geocacher in Deutschland.“ Wenn sie selbst mit ihrer Briardhündin Franzy auf Geodogging-Tour geht, bittet sie meistens einen Bekannten, eine Route mit dem Duftöl vorzubereiten.
Wenn der Hund auf das Öl konditioniert und die Strecke präpariert ist, kann es losgehen. Die Satellitenkoordinaten des ersten Wegpunkts gibt man einfach in das GPS-Gerät ein, welches dann eine grobe Richtung und die Entfernung zum Ziel anzeigt. Am Ziel angekommen, ist der Hund an der Reihe. Auf einer Fläche von bis zu 200 Quadratmetern muss der Hund das versteckte Röhrchen mit den nächsten Koordinaten finden. Geodogging-Neuling Carmen hat mit ihrem Mischling Sandy etwa vier Wochen trainiert, und das Ergebnis ist erstaunlich: Am ersten Wegpunkt angekommen, nimmt Sandy sofort Witterung auf und rennt zielstrebig zum etwa 50 Meter entfernten Versteck. Dort finden sich dann die Koordinaten für den nächsten Wegpunkt oder sogar zum Endpunkt, wo sich dann der Schatz, der sogenannte Cache, verbirgt.
Susanne P. ist bereits eine erfahrene Geodoggerin. Sie ist von der Möglichkeit, mit dem Hund zusammenzuarbeiten und mit ihm diese Herausforderung zu meistern, begeistert: „Ich sehe, wie sie mich anschaut, wie sie mit mir zusammen etwas machen möchte, das ist toll. Das ist enorm“, erzählt sie mit einem strahlenden Gesicht. Hinzu kommt natürlich, dass der Hund durch das Geodogging perfekt ausgelastet wird, denn eine Viertelstunde Nasenarbeit ist für den Hund so anstrengend wie ein eineinhalbstündiger Spaziergang.
Geodogging ist ein Hobby, bei dem es manchmal auch querfeldein und durch den Wald geht. Aber bei aller Begeisterung sollte immer Rücksicht auf die Natur genommen werden. Die Suche abseits der Wege in Naturschutzgebieten ist tabu, und Hunde gehören im Wald an die Schleppleine. Denn man weiß nie, hinter welchem Busch sich ein Wildtier befindet. Die Rücksichtnahme auf Tiere und Pflanzen sollte selbstverständlich sein.
Wer sich an die Regeln hält, den führt die Suche oft zu ganz außergewöhnlichen Orten abseits aller üblichen Spazierstrecken – beispielsweise zu der Ruine einer alten Zeche mitten im Wald. Dort wartet am Ende der Schatz, den Mensch und Hund gemeinsam finden. Bei diesem Schatz handelt es sich meistens um eine Plastikdose, in der sich allerlei Kleinkram befindet. Und wer wieder etwas hinein tut, der darf sich auch etwas heraus nehmen, so lautet die Regel. Außerdem liegt meistens auch ein Logbuch dabei, in das man sich eintragen kann. Dann legt man alles wieder zurück, damit die nächsten Geocacher oder Geodogger auch noch Freude an der Suche haben können.
Geodogging ist ein abwechslungsreiches Hobby, das zudem die Bindung von Mensch und Hund stärken kann. Die Nasenarbeit ist für den Hund nicht nur richtiges Gehirnjogging, sondern lastet ihn auch perfekt aus.
Stefan Servos
Stand: 25.09.2011
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