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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 20. November 2011
Allergien bei Haustieren
Allergien bei Haustieren haben im Wesentlichen die selben Ursachen wie bei Menschen. Allergische Reaktionen bei Wildtieren sind bisher noch nicht beschrieben. Im Fall von Haustieren, die ihre Nahrung nicht selbst suchen können, spielt Fehlernährung als Ursache für Störungen des Immunsystems eine größere Rolle als bei Menschen.
Tiere sind abhängig von ihrer Körpergröße und der Dauer ihres Aufenthalts in Innenräumen potenziellen Allergenen häufiger oder seltener ausgesetzt als Menschen. Inhalationsallergene können beispielsweise in Hausstaubmilben, Pollen, Autoabgasen und Lösungsmitteln, Kontaktallergene dagegen zum Beispiel in Putzmitteln enthalten sein.
Laboklin, ein Labor für klinische Diagnostik, hat zahlreiche Blutproben von allergiegeplagten Tieren im Auftrag von Tierärzten getestet und folgendes Ergebnis veröffentlicht: „Bei Katzen ähnelt das Verteilungsmuster positiver Reaktionen im Serumtest nach eigenen Untersuchungen dem der Hunde – weit am häufigsten positiv wird auf ganzjährig vorkommende Allergene und innerhalb dieser Gruppe auf Milbenallergene reagiert. Es spielen sowohl Hausstaubmilben als auch Futtermilben eine Rolle. Reaktionen auf Pollen von Bäumen, Kräutern und Gräsern sind von untergeordneter Bedeutung.“
Bei der Suche nach Vorratsmilben in 20 verschiedenen, kommerziell erhältlichen Hunde- und Katzen-Trockenfuttermitteln sowie zehn verschiedenen menschlichen Nahrungsmitteln und je einem Hühner- und Pferdefutter wurde Laboklin in 15,6 Prozent der Proben fündig. Die Vorratsmilben wurden in abgelaufenen, geschlossenen oder in geöffneten Packungen festgestellt. Weiter heißt es in dem Bericht des Labors: „Erst am Tag drei in der Tiefkühltruhe kam es zu einem Absterben der Milben. Aus dieser Studie lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass der Befall von Hunde- und Katzentrockenfutter mit Vorratsmilben sehr wohl vorkommt. Abgelaufene Futtermittel sind besonders gefährdet, mit Vorratsmilben kontaminiert zu sein. Das Tiefgefrieren tötet die Milben ab, sodass es zu keinem weiteren Anstieg an Allergenkonzentration kommen kann. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass das bereits vorliegende Allergen selbst zerstört wird.“
Für Haustiere und Menschen gilt: Die Krankengeschichte (am besten dokumentiert in einem Tagebuch) und die bewusste Konfrontation (sprich: die Provokation) mit einem über mehrere Wochen gemiedenen, „verdächtigen“ Allergen sichern die Diagnose – nicht ein Test. Das Ergebnis eines Haut- oder Bluttests ist ein Anhaltspunkt, aber kein Beweis. Deshalb empfehlen manche Tierärzte zwei Allergietests in größerem zeitlichem Abstand sowie andere Tests, mit denen sich zum Beispiel Parasiten und Störungen der Verdauungsorgane ermitteln lassen.
Für Haut- und Antikörpertests bei Haustieren stehen in der Veterinärmedizin weniger standardisierte Testallergene zur Verfügung als in der Humanmedizin. Für die Katze gibt es keinen standardisierten Test für Inhalationsallergene. Hauttests werden von manchen Tierärzten wegen der möglichen schweren Nebenwirkungen nicht durchgeführt.
Futtermittelallergien werden oft nicht durch eine Antikörperbildung vermittelt, ein Bluttest ist daher wenig sinnvoll. Dieser kann Anhaltspunkte für die Zusammenstellung einer Diät liefern. Die Eliminationsdiät, auch Ausschlussdiät genannt, wird in der Fachliteratur als einzige sichere Diagnose bei einem Verdacht auf eine Futtermittelallergie angesehen. Mithilfe der Diät wird über einige Wochen ausprobiert, welche Nahrungsmittel das Tier verträgt. Die Reaktion des Tieres ist dem Futter nur dann zuzuordnen, wenn die Zutaten in ihrer Menge begrenzt, bekannt und unverfälscht sind. Daher wird in der Fachliteratur der selbst zubereiteten Diät der Vorzug vor fertigen Diätfuttermitteln gegeben.
Die bevorzugte Therapie, also die Meidung des Allergens, ist oft unmöglich, zum Beispiel bei Allergien gegen viele Milbenarten. Deshalb sollten sich Erkrankte und zur Vorbeugung auch gesunde Tiere besonders viel an der frischen Luft aufhalten.
Die Ernährung spielt bei der Behandlung von Haustieren, die sich ihre Nahrung nicht selbst suchen können, eine entscheidende Rolle. Probleme sind vorprogrammiert, wenn Rohfleischfresser ausschließlich gekochtes oder getrocknetes Futter erhalten, das auch noch viel bis hauptsächlich pflanzliche Proteine enthält. Impfungen sollten mit Bedacht erfolgen, um das Immunsystem zu schonen.
Die Veterinärmedizin verwendet im Wesentlichen die gleichen Wirkstoffe zur medikamentösen Behandlung von Allergien wie die Humanmedizin. Die Behandlung mit Kortison oder Antihistaminika gilt manchmal als unerlässlich, führt allerdings häufig zu einem Boomerangeffekt. In diesem Fall kehren die Symptome nach einer Phase der Gesundung in stärkerer Form zurück.
Die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie bei Haustieren ist wegen der geringen Anzahl kontrollierter Studien unbekannt. In dem Standardwerk „Allergische Hauterkrankungen bei Hund und Katze“ steht in Bezug auf eine ausnahmsweise kontrollierte Studie: „Eine klassische Doppelblindstudie mit 51 Hunden ergab, dass 84 Prozent der Patienten, die ein Allergen erhielten (kein Placebo), eine Besserung von über 51 Prozent aufwiesen.“ In der gleichen Studie berichten Halter, dass 23 Prozent der Patienten, die Placebos erhielten, Besserung zeigten, während der Leiter der Studie diese Zahl mit 17 Prozent bezifferte. Anschließend weisen die Autoren des Buches darauf hin, dass die Placeboeffekte in dieser und einer anderen Studie durch Aluminiumhydroxid zustande gekommen sein könnten, das jeweils nicht nur den injizierten Therapieallergenen beigefügt war, sondern auch der injizierten Placebolösung.
Katinka Schröder
(Servicezeit Tiere suchen ein Zuhause vom 20.11.2011)
Stand: 20.11.2011
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