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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 20. November 2011
„Spektakuläre Erfolge mit Barfen“ –
Interview mit Dr. med. vet. Vera Biber
Dr. med. vet. Vera Biber hat 15 Jahre als Tierärztin gearbeitet und einige Zeit ein Kleintierzentrum mit Diätfutterladen, Tierpension und Hundesalon betrieben. In ihren Büchern „Allergien beim Hund“, „Futterprobleme bei Hunden“ und „Hilfe, mein Hund ist unerziehbar“ räumt sie der Ernährung einen großen Stellenwert bei der Behandlung von Allergien- und Verhaltensstörungen ein. Wir haben Dr. med. vet. Biber im folgenden Interview zur Barf-Methode, also dem Füttern mit biologisch artgerechtem rohen Futter, befragt.
Das war Ende der 90er-Jahre, als ich ein hyperaktives Kind hatte. Mein Sohn vergaß selbst die Belohnungen oder positiven Dinge wie Kindergeburtstage. Ich stellte fest, dass er dann besonders unaufmerksam war, wenn er bestimmte Sachen gegessen hatte. Zeitgleich hatte ich in meiner Hundezucht eine Hündin, die nicht zu erziehen war. Plötzlich machte es „klick“ in meinem Kopf, und ich sah die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Fällen. Dann stellte ich die Ernährung meines Sohnes und die der Hündin um. Plötzlich kam bei beiden wieder etwas an, sie lernten von selbst, ohne dass ich etwas tun musste. Bei meinem Sohn sind die Symptome zu 80 Prozent verschwunden, mehr verschwindet auch mit Ritalin nicht. Die Hündin hat sich super entwickelt, blieb aber ernährungsempfindlich.
Weil sie als Zivilisationsfolger am menschenähnlichsten leben, anders als viele Katzen oder Pferde, die doch oft noch einen Großteil ihres Lebens draußen verbringen. Der Hund lebt hauptsächlich in den Innenräumen, zusammen mit Menschen, und viele Allergien sind Innenraumkrankheiten.
Allergie hat immer mit dem Immunsystem zu tun, es ist ja eine Überreaktion des Immunsystems. Unser Immunsystem sitzt hauptsächlich im Darm und in den Entgiftungsorganen. Diese muss ich entlasten, und dann kann ich auch unter Umständen einer Allergie Herr werden. Ich sage unter Umständen, weil unsere Umwelt immer vergifteter wird.
Ich plädiere dafür, weil der Darm der Tiere darauf eingestellt ist und nicht auf gekochtes Futter, ob es nun angeblich alle lebensnotwendigen Zutaten enthält oder nicht. Beim Barfen kennt man die Zutaten und kann einzelnen Nahrungsmitteln allergische Symptome zuordnen. Das geht mit Fertigfutter nicht, auch nicht mit Diätfutter aus der Dose oder Tüte. Ich habe vor 10 bis 15 Jahren durch Barfen viele spektakuläre Erfolge und Genesungen bei allergischen und verhaltensgestörten Hunden gesehen, die grenzten fast ans Wunderbare. Es gibt diese Erfolge heute noch, aber sie sind seltener geworden. Einerseits werden unsere Nahrungsmittel immer mehr verfälscht und vergiftet, andererseits haben manche Hunde schon starke Darm- und Bauchspeicheldrüsenstörungen und vertragen kaum noch ein Nahrungsmittel.
Fertignahrung für Mensch und Tier ist erst seit einem halben Jahrhundert üblich. Das ist ein sehr kurzer Zeitraum verglichen mit den vielen Hunderttausend Jahren, in denen sich Mensch und Tier entwickelt haben. In diesem kurzen Zeitraum hat sich in puncto Allergien unheimlich viel getan. Jüngere Menschen haben bekanntermaßen häufiger Allergien als alte Menschen, es können also nicht alle ihre Allergien geerbt haben. Andererseits zeigt das neue Forschungsfeld der Epigenetik, dass die Umwelt, zu der als Allerwichtigstes die Ernährung gehört, unsere Gene und über die Gene unseren Stoffwechsel beeinflusst. Von daher ist es für mich logisch, dass Dispositionen für Allergien von einer Generation zur nächsten vererbt werden. Bei Hunden fällt das eher auf, weil diese noch mehr am Ende der Nahrungskette stehen und nur ein Siebtel so lange leben wie wir.
Katinka Schröder
Stand: 20.11.2011
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