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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 04. Dezember 2011
Impfen – nur ein kleiner Piks?
Kaum ein anderes Thema ist unter Experten und Tierhaltern so umstritten wie das Thema „Impfen“. Impfgegner werfen den Tierärzten Geldmacherei vor, und Impfbefürworter attestieren impfmüden Tierhaltern Verantwortungslosigkeit. Fakt ist: Der Markt boomt – vor allem Hundeimpfstoffe verkaufen sich gut. Laut dem Bundesverband für Tiergesundheit wurden in Deutschland im Jahr 2010 insgesamt rund 188 Millionen Euro für Tierimpfstoffe und Seren ausgegeben.
Einigkeit herrscht lediglich über den Nutzen der Grundimmunisierung: Sie wird von Impfbefürwortern und Impfgegnern gleichermaßen für wichtig befunden. Nach der Geburt hat ein Welpe für rund sechs bis acht Wochen einen Schutz durch die Muttermilch. Danach ist er Viren, Keimen und Bakterien schutzlos ausgeliefert. An dieser Stelle helfen die Impfungen dem Tier, einen wirksamen Schutz gegen die Eindringlinge aufzubauen.
Die Grundimmunisierung ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Impfungen, die ein Haustier im Laufe seines Lebens laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission erhalten soll. Seit 2006 gibt es im Bundesverband Praktizierender Tierärzte eine Ständige Impfkommission, die Impfempfehlungen für Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Frettchen herausgibt. Demnach gelten alle Impfungen in den ersten beiden Jahren als Grundimmunisierung. Im Anschluss lautet die Empfehlung der Kommission für den Hund, Leptospirose jährlich auffrischen zu lassen und gegen HCC, Parvovirose und Staupe ab dem zweiten Lebensjahr in einem dreijährigen Rhythmus zu impfen. Bei der Tollwutimpfung empfehlen die Experten, sich an die Packungsbeilage der jeweiligen Impfstoffe zu halten.
Wie lange ein Impfstoff wirkt, ist unter Experten umstritten. In den USA wird zum Teil eine wesentlich längere Immunisierungsdauer angenommen als in Deutschland.
Wer mit seinem Tier reisen möchte, muss sich an die Impfrhythmen der hiesigen Impfstoffhersteller halten. Nur wenn eine gültige Tollwutimpfung im Heimtierpass steht, dürfen Tiere die Grenzen passieren. Seit der Änderung der Tollwutverordnung vom 20. Dezember 2005 gelten Hunde und Katzen nur dann als wirksam gegen Tollwut geschützt, wenn die Impfung „längstens um den Zeitraum zurückliegt, den der Impfstoffhersteller für eine Wiederholungsimpfung angibt“. Eine jährliche Auffrischungsimpfung gegen Tollwut ist damit nicht mehr notwendig. Auf der Webseite des Paul-Ehrlich-Institutes sind die gängigen Impfstoffe aufgelistet. Demnach bieten die Stoffe in der Regel Schutz für drei, einige Präparate sogar für vier Jahre.
Deutschland gilt offiziell seit April 2008 nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei. Seither wurden zwei Fälle von Tollwut bei Haustieren bekannt. In beiden Fällen stellten Veterinäre die Krankheit bei Hunden fest, die aus dem Ausland kamen. Eines der Tiere wurde illegal aus Bosnien eingeführt.
Müssen Hund und Katze bei uns trotzdem gegen Tollwut geschützt werden? Tiermediziner befürworten regelmäßige Impfungen, um ein erneutes Aufflackern der Tollwut zu verhindern. Mit der Öffnung der Grenzen nach Osten kamen auch Krankheiten wieder zurück, die bereits deutlich eingedämmt waren, so zum Beispiel die Staupe. Kritiker halten dagegen, die Impfungen seien reine Geldmacherei. Schließlich leuchte es nicht ein, wie sich eine Wohnungskatze fernab ihrer Artgenossen in einem tollwutfreien Land infizieren könne.
Jede Impfung ist ein medizinischer Eingriff – mit der Möglichkeit einer Komplikation oder Nebenwirkung. Eine mögliche, schwere Nebenwirkung bei Katzen ist das Injektionsstellen- oder Impfsarkom. Dabei bildet sich an der Einstichstelle ein bösartiger Bindegewebstumor – eine Komplikation die tödlich enden kann.
Um die Gefahr eines solchen Impfsarkoms einzudämmen, gibt es einige Empfehlungen der American Veterinary Medical Association:
Impfungen, insbesondere die Grundimmunisierung im Welpenalter, können Tierleben retten. Sie sind deshalb unabdingbar. Informieren Sie sich aber, welche Impfungen wirklich notwendig sind und wie lange die jeweilige Immunisierung anhält – und lassen Sie ihr Tier dann mit Augenmaß impfen. Denn letztlich trägt jeder Tierbesitzer selbst die Verantwortung. Sie allein entscheiden, wann, wie oft und gegen was Ihr Tier geimpft wird.
Anke Riedel
Stand: 04.12.2011
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